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Schon im Sommer: Training für die tollen Tage

Karneval Schon im Sommer: Training für die tollen Tage

Im Eichsfeld ticken die Uhren anders. Deutlich wird das ganz besonders ab jedem 11. November im Jahr. Dann nämlich beginnt hier die fünfte Jahreszeit, der Karneval. Mit der Proklamation des Prinzenpaars wird die drei Monate andauernde Herrschaft der Narren ausgerufen.

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Sommerliches Training für die fünfte Jahreszeit: Seniorengarde des Mingeröder Carnevalsvereins probt im Elfer-Ratskeller.

Quelle: Tietzek

Einer der Vereine, die das christlich geprägte närrische Brauchtum aufrecht erhalten und mit viel Liebe pflegen, ist der Mingeröder Carnevalsverein (MCV). Geprobt und gewerkelt wird hier nicht nur von Herbst bis Winter, auch während der Sommermonate sind die Jecken schon aktiv. Beim Feiern des traditionellen Spätsommerfestes laufen sich die Mingeröder für die tollen Tage warm. „Das Fest dient auch dazu, die Einkünfte für die kommende Session einzutreiben“, erklärt MCV-Präsident Michael Haase den Sinn der frühen Soiree.

Auch die elementaren Protagonisten des Fasching-Treibens bereiten sich beizeiten auf die Saison vor. Musiker und Gardemädchen spielen und tanzen regelmäßig zu Übungszwecken im Mingeröder Elfer-Ratskeller. Dort tagt auch Präsidium und Komitee alle vier bis sechs Wochen, um die Narreteien und Themen zu planen. Seniorengarde-Trainerin Melanie Jakstat übt mit ihren 17- bis 25-jährigen Funkenmariechen schon im Juli für die nächste Session. Auf dem Programm stehen mehrere Show-Tänze und die Königsdisziplin, der Gardetanz. Im Saal des Mingeröder Ratskellers wird ab 19 Uhr der Ghetto-Blaster voll aufgedreht. Zu den poppigen Klängen von Backstreetboys, Spice Girls und Take That formieren sich die Regimentstöchter unter den prüfenden Blicken von Jakstat zum Tanzgeschwader.

„Spaß am Karneval gehört schon dazu“, meint die 30-Jährige. „Ein bisschen Ausdauer, Beweglichkeit und Körperspannung sind auch gefordert. Was man nicht hat, muss man sich eben antrainieren.“ Ein Garde-Casting gibt es nicht. Jeder der möchte, kann sich in die bunte Truppe einreihen. Das mache den Reiz am Karneval aus. Jeder könne hier Gemeinschaft und Spaß erleben. Ein bisschen Selbstbewusstsein gehört wohl auch dazu, sich in Gardeuniform auf der Tanzfläche nicht nur zu präsentieren, sondern mit der eigenen Begeisterung auch das Publikum anzustecken. Die Performance hat momentan noch ihre Schwachpunkte, aber die Mädchen nehmen es gelassen und zeigen schon beim Training viel Freude an ihrer Aufgabe. Die zweistündige Probe vermag durchaus einen Besuch im Fitness-Studio zu ersetzen.

Wenn nach dem 11. November das neue Prinzenpaar seinen Thron bestiegen hat und die Session um 11.11 Uhr eröffnet worden ist, geht es Anfang Dezember an das Wagenbauen. Hierzu stellt der Wagenbaumeister ein Team zusammen. Beim Gestalten mithelfen dürfen auch Nichtmitglieder, denn der Bau verlangt viel Kreativität und jede helfende Hand

Im Januar kommt mehr und mehr karnevalistische Stimmung auf. Die Büttenabende beginnen: Vom Rednerpult aus wird sich auf die lokale und überregionale, politische wie unpolitische Prominenz humoristisch eingeschossen. Dabei bewahren sich die Narren aber auch die Fähigkeit zur Selbstironie.

Das nächste Highlight geht dem Sessionshöhepunkt unmittelbar voraus. Am Tag vor Rosenmontag zieht eine 80 bis 100 Mann starke Abordnung des Vereins mit Handkarren und jeder Menge gute Laune durch das Dorf zum Würste-Sammeln. Tatsächlich werden allerdings keine gefüllten Schweinedärme mehr gesammelt, sondern eher metallene Münzen und papierne Scheine. An jedes Haus klopfen die Narren, um eine kleine Spende für den Umzug zu erbitten und Vorfreude auf den Ulk des kommendes Tages zu verbreiten.

Am Glanztag selbst, lässt sich der MCV vom Bürgermeister höchstpersönlich die Macht übertragen. „Es ist bei uns Tradition, dass an diesem Tag der Verein nach Duderstadt zum Rathaussturm zieht und dort die Schlüsselgewalt an das närrische Volk übergeben wird“, erklärt MCV-Präsident Haase. Es folgt der Triumphzug durch den Ort. Am höchsten Mingeröder Feiertag kann die Karnevalsparade mit der monatelangen Vorbereitung und den mit viel Witz und Knowhow gefertigten Motiv-Wagen, Kostümen, Fahnenträgern und Plakaten viele Bürger begeistern.

„Um die 30 Fußgruppen begleiten uns jedes Jahr. Mit jeder Menge Musik und Hellau bereitet das stets viel Vergnügen“, berichtet Haase. „2011 warten wir sogar mit einem neuen Elfer-Ratswagen auf.“ Tags darauf, am Tulpendienstag, lautet das Motto dann: Keine Müdigkeit vortäuschen. Pünktlich um 14 Uhr beginnen die MCVer „den Tag danach“ mit einem Frühschoppen und dem Wagenabbau.

Die Pause nach den Feiertagen im Narren-Jahreskalender fällt allerdings kurz aus. Im April treffen sich die Jecken wieder. Auf der Jahreshauptversammlung wird Bilanz gezogen – und bereits die nächste Session geplant.

Von Anna Kleimann

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