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Vom Bauerndorf zum Fremdenverkehrsort

Folge 26: Seeburg Vom Bauerndorf zum Fremdenverkehrsort

Als Ursula „Uschi“ Streicher aus dem letzten Zipfel Brandenburgs über Baden-Württemberg nach Seeburg kam, sah der Ort anders aus, schildert sie lebhaft auf dem Weg zum Seeufer. „Hier war alles leer, alles Wiese.“

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Blick von der Bundesstraße 446: Auf dem Steinberg, auf dem sich auch das große Neubaugebiet befindet, hatte man lange eine Burg vermutet.

Quelle: Pförtner

Um die 67-Jährige erstreckt sich der große Parkplatz am See mit seinen grün bewachsenen Steinen, der ab der Abfahrt von der Bundesstraße ausgeschildert ist. Die Wirtin des Gasthauses Zum Seeburger See führt mit Ortsheimatpflegerin Marianne Burgstaller durch ihre Heimat, von der sie sagt: „Hier würde ich gerne mal Urlaub machen.“ Burgstaller empfindet jeden Tag in ihrem Heimatort als Urlaub – zumindest jeden Tag, der mit einem Gang ins Freibad beginnt. „Wenn man schwimmt, taucht manchmal plötzlich ein Haubentaucher neben einem auf“, erzählt sie etwas schwärmerisch, als sie über das Freizeitgelände inmitten des Naturschutzgebiets am See geht. In der Luft liegt eine leichte Brise, der Himmel ist bewölkt, wie an einem der Regentage im Sommerurlaub. In der Luft liegt ein Rauschen, der Wind streicht durch den Schilfgürtel.

„Seeburg hat sich den ursprünglichen Charakter des Bauerndorfes bewahrt“, heißt es im Wappenbuch des Landkreises Duderstadt von 1960. Heute gilt das nicht mehr. Seeburg ist das St. Peter Ording des Untereichsfelds – oder einer der anderen Badeorte an Nord- und Ostseeküste, in den die Menschen wegen der Ruhe kommen – sei es als Zuzügler mit guter Anbindung an Göttingen, sei es als Touristen für einen Tag, ein Wochenende.

Heute finden sich Schwedenhäuser, bunt bemalte Biohöfe im Altdorf, saniertes Fachwerk neben der verhängten Variante und jede Menge Neubauten. Neben Orten wie Gieboldehausen oder Gerblingerode ist Seeburg eines der wenigen Dörfer, die in den vergangenen Jahrzehnten einwohnermäßig stark zugelegt haben. Da sind zum einen die Göttinger, die nach Seeburg ziehen – wie die Pioniere auf der Suche nach neuem Land suchen Akademiker und Naturfreunde nach Ruhe. Aber auch Eichsfelder, die es wiederum zum Arbeiten nach Göttingen zieht und die vom deutlich kürzeren Weg profitieren wollen, verschlägt es ans „Auge des Eichsfeldes“.

Ein Auge mit Dorn darin – jedenfalls sehen das manche so. „Die Baugebiete sind fast ein Dorf für sich“, sagt Burgstaller. „Es gibt Menschen, die nur hier schlafen.“ Doch in ihrem Augen überwiegt die positive Veränderung: „Wir haben den Kindergarten und auch mehr Schüler.“ Und letztlich sei der Ort lebendiger. „Es wird immer gesagt: Die Dörfer sterben aus. In Seeburg gibt es kein Haus mehr, das leer steht.“

Daneben existieren die Erinnerungen an das alte Seeburg. „Hier fanden die Trauungen statt“, sagt Burgstaller vor dem Haus des Gemeindedirektors Goldmann. „Man ging mit der Flasche Schnaps hinein, gab sich das Jawort und trank einige Gläser auf das gute Gelingen.“ Auch Streicher lief hier in den Hafen der Ehe ein. Daneben gab es im Dorf auch ein Haus der Vinzentinerinnen und eine Jugendherberge.

Geblieben ist der See, „der Hauptträger unseres Tourismus“, wie Streicher sagt, die dem Heimat- und Verkehrsverein vorsteht. Doch die Urlaubswelt habe sich verändert, findet sie. Im beginnenden 19. Jahrhundert wusste man bereits um die Reize Seeburgs, das noch wenig besucht wurde. Vier Stunden dauerte damals die Anreise von Göttingen. Nur Wein empfahlen die Studenten in einem Buch von 1813 selbst mitzunehmen – der in Seeburg sei ungenießbar.

Richtig angefangen hatte es mit dem Ausflugslokal in den 1920er-Jahren. Viele ältere Ehepaare in der Gegend lernten sich hier beim Tanztee kennen. Später seien es die Leute aus dem Kohlenpott gewesen, die in Seeburg Urlaub machten – weil es günstig war. Bis Mitte der 1970er-Jahre gab es einen großen Parkplatz direkt am Wasser, für den die Besitzerin Gebühren einstrich. „Es sah aus, wie am Göttinger Bahnhof.“ Als Naherholungsgebiet hatte sich Seeburg da längst etabliert. Nur den Status als staatlich anerkannter Erholungsort, den wird das Dorf wohl zum kommenden Jahr verlieren – den Verschärfungen der Anforderungen kann Seeburg nicht nachkommen.

Teile des Sees, der überwiegend zu Bernshausen gehört, stehen seit 1976 unter Naturschutz. Inzwischen versucht man, Fremdenverkehr und Naturschutz miteinander zu verknüpfen. Das Informationszentrum am Ufer des Gewässers mit Informationen zur Flora und Fauna steht für diese Entwicklung.

Zu den Maßnahmen gehörte die Renaturierung des Seeangers, beschreibt Burgstaller. Sie war umstritten – zuvor diente das trockengelegte Gelände als Acker. Heute dümpelt dort der alte Westersee – ein Paradies für Vögel – und die Begradigung der Aue wurde rückgängig gemacht. Das Überschwemmungsgebiet soll der Garant dafür sein, dass der See nicht zu sehr verlandet – und der Hochwasserschutz verbessert wird. Der Ort hatte in der Vergangenheit manches Mal mit den Fluten zu kämpfen, beschreibt Streicher: „1981, an einem Dienstag in der Nacht, fing der Regen an.“ Burgstaller: „Man kam nur noch mit dem Boot umher. Der einzige Weg hinaus führte über Wollbrandshausen.“ Heute führen viele Wege nach Seeburg.

Von Erik Westermann

Weitere Infos und Bilder zu Seeburg finden Sie in der Ausgabe des Eichsfelder Tageblatts vom 13. Oktober. Diese können Sie per E-Paper beziehen oder in der Geschäftstelle Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt .

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