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Tiftlingeröderin pilgert zu Fuß nach Rom

Pilgerreise Tiftlingeröderin pilgert zu Fuß nach Rom

Die Via Francigena, die durch Frankreich über die Alpen nach Rom führt, zählte einst zu den wichtigsten Verkehrswegen Europas. Heute ist nicht einmal mehr der exakte Verlauf bekannt. Auf diesem Weg pilgerte die Tiftlingeröderin Maria-Theresia Goldhagen in diesem Jahr 45 Tage lang nach Rom. Die ewige Stadt mit den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus gehört zusammen mit Jerusalem und Santiago de Compostela zu den wichtigsten Pilgerzielen des Christentums. Die Idee zu der beschwerlichen, 1400 Kilometer langen Tour hatte eine österreichische Freundin. Goldhagen lernte sie im vergangenen Jahr kennen, als sie nach Santiago de Compostela pilgerte.

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2714 Meter über dem Meeresspiegel: Maria-Theresia Goldhagen in der Schweiz auf dem Col de Cheveaux.

Quelle: EF

„Dass du dich das alleine traust“, staunen ihre Freundinnen. „Viele träumen von einer Pilgerfahrt, wagen sie aber am Ende nicht“, hat Goldhagen beobachtet. Auch bei ihr reifte die Idee lange. Anfang der 90er-Jahre hörte sie erstmals vom Jakobsweg. Die Mutter von vier Kindern las die Bücher von Paulo Coelho und Shirley MacLaine. Um ihre Kondition zu testen, lief sie mit ihren Walkingstöcken im Eichsfeld längere Strecken. Als dann ihre jüngste Tochter nach Hildesheim ging, um katholische Theologie zu studieren, war die Zeit gekommen.

Ehemann nicht begeistert

„Mein Mann hat mich zuerst für verrückt erklärt“, erinnert sie sich. Als er merkte, dass es ihr ernst war, fuhr er mit ihr die Strecke nach Santiago de Compostela ab. Sie schauten sich die Unterkünfte an. Im vergangenen Jahr zog Goldhagen dann alleine los. Von Frankreich aus ging sie über die Pyrenäen nach Santiago und weiter nach Finistere und Muxia. „Über längere Strecken soll man nur ein Zehntel seines Körpergewichts tragen“, sagt sie. Sie wiegt 50 Kilogramm. Da passte nur ein Schlafsack und einmal Wäsche zum Wechseln in den Rucksack. Selbst Lebensmittel mussten draußen bleiben. So war sie gezwungen, abends nach der Ankunft immer noch schnell einkaufen zu gehen. 30 Kilometer schaffte sie am Tag. Sie schloss Freundschaft mit Menschen aus aller Welt.

Eine Österreicherin erzählte ihr von der kaum bekannten Via Francigena. Wer dort pilgert, gehört zu den Pionieren. Den ungefähren Verlauf der Strecke rekonstruierten italienische Wissenschaftler 1990, als die Aufzeichnungen des Erzbischofs Sigeric von Canterbury wieder auftauchten. Der Engländer war im Jahre 990 auf der Via gepilgert. 1994 schließlich wurde der Weg als Europäische Kulturstraße ausgewiesen. Wanderkarten auf Deutsch gibt es keine, stellte die Pilgerin fest. Bücher finden sich kaum.

Freundin springt vorher ab

Als die Freundin absprang, konnte das Goldhagen nicht mehr von ihrem Vorhaben abbringen. Die ersten 14 Tage ging ihr Patenkind Patricia Löffelholz mit. Die beiden Frauen begannen beim Marienwallfahrtsort Einsiedeln. Sie nahmen den Jakobsweg bis zum Lac Leman. Auf diesem Stück ist die Infrastruktur auf Pilger ausgerichtet. Sie konnten bei Bauern im Stroh und bei Nonnen im Kloster schlafen.

Dann ging es auf der Via Francigena weiter über die Alpen. Der Weg führte steil bergauf zum Großen St. Bernhard. Anfang September überquerte Goldhagen den 2473 Meter hohen Pass. Ein 72-jähriger Bergwanderer überredete sie, mit ihm den 2714 Meter hohen Col de Cheveaux zu besteigen. Je höher sie kamen, um so tiefer sank die Temperatur. Der Weg wurde steiniger, Goldhagens Rucksack immer schwerer. Doch dann standen sie auf dem Gipfel. „Die Aussicht war gewaltig“, meint Goldhagen. Schneebedeckte Bergriesen lagen dort im Sonnenschein.

In den kommenden Tagen ging sie durch die Apfelplantagen des Piemonts hinunter zu den Reisfeldern in der Poebene. Die Ausschilderung des Weges war nun häufig lückenhaft. Selbst Mitarbeiterinnen örtlicher Touristenbüros wussten nicht weiter. Teilweise waren die Pfade so zugewuchert, dass eine Machete hilfreich gewesen wäre. Zwar heißt es, dass alle Wege nach Rom führen, doch Goldhagen ging, wenn sie sich verlaufen hatte, lieber wieder die ganze Strecke zurück. Ständig blätterte sie in ihren Karten und den Reiseführern. Das war wesentlich anstrengender als auf dem gut ausgeschilderten Jakobsweg, wo sie beim Gehen abschalten konnte. Zu diesem Stress kam die abendliche Suche nach einer Unterkunft. Es gibt keine Herbergen wie am Jakobsweg. Oft klingelte Goldhagen vergebens an Pfarrhäusern. Manche Priester fertigten sie unfreundlich ab. Andere freuten sich dagegen und waren hilfsbereit.

Kaum Pilger unterwegs

Anders als in Spanien war sie meistens alleine unterwegs. Gerade mal 14 andere Pilger traf sie in den 45 Tagen. Ein neuseeländischer Herzchirurg fuhrt die Strecke mit seiner Frau auf dem Fahrrad. Ein Engländer war mit seinem Vater unterwegs. Die Einsamkeit hatte auch ihre Vorteile. Goldhagen konnte in aller Ruhe fotografieren. Sie ließ sich Zeit, die Städte mit ihren Kirchen zu besichtigen. Die Kathedrale von Siena hat sie besonders beeindruckt.

Anfang Oktober zog sie dann zusammen mit einer Schweizer Pilgerin auf der Via Trionfale in Rom ein. Beim Vatikan angelangt wollte die Schweizer Garde die beiden Frauen nicht hereinlassen. Erst nach langem hin und her schafften sie es dann doch bis ins Pilgerbüro, wo ihnen Urkunden ausgestellt wurden. 300 Menschen bekamen s

ie in diesem Jahr. Zum Vergleich: Santiago de Compostela stellte im vergangenen Jahr 125 000 Pilgerurkunden aus.
Als Goldhagen in Rom im Café saß, kam sie mit einem Psychologieprofessor aus Jerusalem ins Gespräch. „Wenn Sie nach Israel pilgern, rufen Sie mich an“, sagte er. „Es fügt sich alles“, meint die Pilgerin.
Maria-Theresia Goldhagen hält Dia-Vorträge. Kontakt unter Telefon 055 27 / 737 41.

Von Michael Caspar

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