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Totholz im Wald – Nutzen oder Nachlässigkeit?

Verottende Bäume Totholz im Wald – Nutzen oder Nachlässigkeit?

Bei seinen Spaziergängen durch die Eichsfelder Natur fiel dem Duderstädter Ralf Brandenburg auf: „Das sieht hier ja schlimm aus!“ Sein Blick fiel auf das Totholz, das an manchen Stellen in den Wäldern herumliegt. „Früher war das anders, da war der Wald viel aufgeräumter“, erinnert sich der Rentner und vermutet Personalmangel oder Nachlässigkeit in den Forsten.

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Totholz ist erwünscht: als Nahrungsquelle für Tiere und Pflanzen (rechts). Erklärt das Ökosystem Wald: Försterin Ulrike Säger.

Quelle: Thiele

Eichsfeld.. Auch macht er sich Gedanken, ob durch das tote Holz vielleicht die Waldbrandgefahr erhöht sei. „In meiner Kindheit bin ich mit unserem Nachbarn in den Wald gefahren. Da wurde das herumliegende Holz gesammelt, weil niemand Brennholz hatte“, beschreibt er die Nachkriegsjahre.
Nun liegen Stämme, Wurzeln, Äste auf dem Waldboden und verrotten. „Als Hobbygärtner sträubt sich mir das Fell, und ich frage mich, nach welcher Methode heute Forstwirtschaft betrieben wird“, rätselt Brandenburg. Er vermutet eine ganz unterschiedliche Handhabung in den Wäldern, denn nicht überall sehe es so chaotisch aus. 

Handhabung in der Forstwirtschaft

„Das hat der Wanderer richtig beobachtet, nicht alle Wälder unterliegen den gleichen Kriterien“, bestätigt die Forstingenieurin Ulrike Säger, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Northeim, zu der insgesamt 11 000 Hektar Wald, darunter der Duderstädter Stadtwald und Forsten des Untereichsfelds, gehören. Tatsächlich entspreche die Handhabung in der Forstwirtschaft nicht nur der jeweiligen gesellschaftlichen oder historischen Situation, so die Fachfrau, sondern heute auch der jeweiligen Zertifizierung. „Vor einigen hundert Jahren sahen die Wälder noch ganz anders aus, als sie für Bergbau, Köhlereien und Glashütten genutzt wurden. Heute wird allerdings bewusst Totholz in Wirtschaftswäldern liegengelassen, um die Vielfalt der Arten und Lebensräume und die genetische Vielfalt zu gewährleisten“, erklärt Säger.

Nahrung für Fledermäuse

Insekten zersetzen das Totholz, diese sind wiederum Nahrung für Fledermäuse, Vögel oder Nager und bilden so ein wichtiges Glied in der gesamten Nahrungskette. Außerdem falle durch das Zersetzen Humus an, und die Bodenqualität des Waldes werde verbessert. „Der Wald darf nicht gedüngt werden, deshalb müssen die natürlichen Stoffkreisläufe erhalten bleiben“, sagt die Försterin. So sei Totholz auch ein wichtiger Faktor für die Waldqualität und somit für die Holzqualität. Um diese für den Kunden zu gewährleisten, wird über das PEFC (Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen) entschieden, ob das Holz den strengen Maßstäben entspricht und nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.

Totholz ist oft zu sehen

Auch in der Duderstädter Umgebung wird effektive Forstwirtschaft betrieben, und Totholz ist oft zu sehen. Im Wald vor der Roten Warte zeigt die Försterin auf der einen Seite des Wanderweges einen Bereich, der nach dem Sturm im Jahr 1997 mit Mischwald aufgeforstet wurde. Die jungen Bäume stehen nun so dicht, dass die ersten Läuterungen vorgenommen wurden. Das heißt: einige der dünnen Stämme wurden gefällt, um den besser gewachsenen mehr Nahrung und Licht zu gönnen und diese eines Tages als hochwertiges Holz zu verkaufen.
Was der Läuterung zum Opfer gefallen ist, bleibt zwischen den übrigen Bäumen liegen. „Da dieser Wald mit einem Förderprogramm aufgeforstet wurde, ist es verboten, das Totholz herauszuholen. Sonst würde der Wald nicht mehr den Maßstäben für die Förderung entsprechen“, erklärt Säger.

Schwarzspechtpärchen

Auf der anderen Seite des Wanderweges zieht sich ein Waldstück ins Tal hinab, das als sogenannte Ruhezone ausgewiesen ist. Hier wird keinerlei Forstwirtschaft betrieben, und Totholz liegt in Form von Ästen und Stämmen bis zur riesigen Fichtenwurzel zwischen lebenden Buchen, Eichen, Ahorn. Kirschen, Nadelhölzern und Sträuchern jeden Alters.
„Hier ist richtig was los“, sagt die Försterin und weist auf Moose, Flechten, Pilze, Käfer, Asseln, Ameisen, Nager, Vögel und viele andere Wildtiere hin. Zur Bestätigung zieht ein sonst selten zu beobachtendes Schwarzspechtpärchen von Baum zu Baum auf der Suche nach Insekten und Larven. 20 bis 40 Kubikmeter Totholz pro Hektar sei für den Wald gesund, so Säger.

Waldbrandgefahr nicht erhöhen

„Ein Wirtschaftswald hat andere Funktionen als beispielsweise ein Park. Er dient zwar auch der Erholung, aber er ist durch seine Filterfunktion zudem verantwortlich für sauberes Trinkwasser und für saubere Luft und wird eben wirtschaftlich genutzt“, erklärt die Försterin. Totholz würde auch die Waldbrandgefahr nicht erhöhen, die herrsche im trockenen Sommer ohnehin. Brände entstünden meist durch weggeworfene Zigaretten oder Flaschen im Laub, sagt Säger.
Der Duderstädter Hugo Bernhard vom Naturschutzbund (Nabu) Untereichsfeld bestätigt: „Der Nabu freut sich über Raum für Totholz im Wald. Hier werden Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen geboten.“ Und er nennt noch einen weiteren positiven Aspekt: „Über Totholz lässt sich schlecht gehen. Es hält die Wanderer auf den Wegen. So werden weniger Pflanzen zertreten und weniger Tiere in ihrem Lebensraum gestört.“

Von Claudia Nachtwey

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