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100 Demonstranten am Westerturm, 200 vor dem Rathaus

Stefan Wenzel spricht bei Kundgebung 100 Demonstranten am Westerturm, 200 vor dem Rathaus

Der Protest gegen die Treffen des „Freundeskreises Thüringen“ vor dem Westerturm nimmt zu. Am Sonntag sind rund 200 Menschen zur Kundgebung vor das Duderstädter Rathaus gekommen, darunter auch der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

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Duderstadt. Es sei wichtig, mit solchen Treffen daran zu erinnern und davor zu warnen, was passiere, wenn eine Gesellschaft in rassistische Denkmuster verfalle, sagte Wenzel in seiner Ansprache. Er plädierte für eine ganzheitliche Sicht auf Krisen, Krieg und Vertreibung. „Manche Krisen sind der Ignoranz der vergangenen Jahre verschuldet“, sprach er auch die Zusammenhänge im Weltgeschehen und den Einfluss der deutschen Regierung an.

Zuvor hatte Hans Georg Schwedhelm (Grüne) von der Gründung des Duderstädter „Bündnisses gegen Rechts“ berichtet, wobei Vorschläge zur Öffentlichkeitsarbeit entstanden seien: „Was wollen die Leute am Westerturm? Welche Alternativen gibt es?“, fragte er. Auch getrennt vom Westerturm gebe es für das Bündnis viel zu tun, so Schwedhelm.

Der Duderstädter Professor Viktor Wesselak ging in seinem Redebeitrag auf die Vorkommnisse in der Kölner Silvesternacht ein: „Diese Ereignisse zeigen uns: Integration ist anstrengend, und sie ist Arbeit.“ Er verglich das patriarchale Gedankengut in arabischen Ländern mit dem von Burschenschaften und anderen Männerbünden. „Auch für diese Menschen müssen wir noch viel Integrationsarbeit leisten“, sagte Wesselak und erntete Applaus. Auch Michael Schmülling von der SPD in Radolfshausen sprach sich für eine öffentliche Sexismusdiskussion in Deutschland aus und brachte Beispiele wie das Oktoberfest oder Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld.

Norbert Sondermann vom Heiligenstädter „Bündnis gegen Rechts“ erinnerte daran, dass das Obereichsfeld schon länger mit „rechtsextrem auftretenden Leuten“ zu tun habe. Wichtig sei es, die Kirchen und auch die CDU mit einzubinden. Er plädierte für eine enge Zusammenarbeit für die Zukunft. Lothar Dinges (WDB) wünschte sich, eine gemeinsame Resolution gegen Rechts mit allen Parteien im Stadtrat   zu verabschieden. Dirk Glowatz, Moderator der Veranstaltung, appellierte in seiner Rede an den „Freundeskreis“: „Beendet den Wahnsinn! Verschont die Region mit euren Kundgebungen.“ Die großen Aufgaben der Gesellschaft ließen sich nicht mit dumpfen Parolen lösen, so Glowatz. 

Von Claudia Nachtwey

Duderstadt. Rund 100 Anhänger des „Freundeskreises Thüringen / Niedersachsen“, so die Angabe der Polizei, haben an diesem Sonntag einen „Freiheitlichen Bürgertreff“ in Duderstadt abgehalten. Thema waren unter anderem die Übergriffe auf Frauen in Köln in der Silvesternacht und Erlebnisse von „Freundeskreis“-Anhängern während der Pegida-Demo am Sonnabend.

Zunächst lobte der Sprecher, der sich – wie schon bei den übrigen Versammlungen – nicht vorstellte, dass die Zahl der Teilnehmer der Kundgebung erneut gewachsen sei. Eine Attacke von „Straßen-Terroristen der Antifa“ hingegen verurteilte er aufs Schärfste: Tagsüber hätten sie das Auto des Junge-Alternative-Anhängers Lars Steinke beschädigt, um ihn an der Anreise zu hindern. Als „Schande für diesen Staat und diese Regierung“ bezeichnete Steinke, dass derartige Vorkommnisse mitten am Tage passieren könnten. Nach Angaben des Funktionärs der Jugendorganisation der Alternative für Deutschland (AfD) seien zwei mutmaßliche Täter bereits gefasst worden.

Als „immer inhaltsleerer“ bezeichnete der ungenannte Sprecher in einem Wochenrückblick die Berichterstattung in den Medien zum Thema „Freundeskreis“. „Wir sind nicht gegen etwas. Wir sind für unsere Kinder, für unsere Heimat, für unsere Zukunft“, wiederholte er, was der „Freundeskreis“ schon mehrfach formuliert hatte. Als „Pressehetze“ bezeichnete er Verdächtigungen der „Grünen Jugend“, Hakenkreuzschmierereien in Westerode könnten mit dem „Freundeskreis“ in Verbindung gebracht werden. Mehr noch: Er deutete an, die Jugendorganisation der Grünen könne selbst dafür verantwortlich sein, um die Schuld dem „Freundeskreis“ zuzuschieben, so wie es auch „Böllerwerfer mit Presseausweisen“ gebe.

Während der Pegida-Demonstration in Köln habe er „die Hölle“ erlebt, sagte der Redner. „Die Veranstaltung hatte noch nicht begonnen, da flogen die ersten Böller.“ Die Hooligans hätten mit Gesängen geantwortet. „Ich war froh, dass sie da waren.“ Weder sie noch sonst jemand werde vom „Freundeskreis“ abgelehnt, solange die „Schnittmenge“ stimme.

Den Befürwortern dieser „Schnittmenge“ soll von Sonnabend, 23. Januar, an ein neuer Versammlungsort geboten werden. Dann will der „Freundeskreis“ in Katlenburg-Lindau demonstrieren. Grund seien die „neuen Bewohner“. In Lindau soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. „Genau aus dem Grund gehen wir dort auf die Straße.“

Von Nadine Eckermann

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