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1000 Kilometer in 100 Tagen

Mit 74 und Prothese 1000 Kilometer in 100 Tagen

Roland Zahn hat sich ein Ziel gesetzt. Im nächsten Jahr will er 1000 Kilometer wandern – von seiner Geburtsstadt Leipzig bis nach Tübingen. Roland Zahn ist 74 Jahre alt und oberschenkelamputiert.

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Unterwegs in Duderstadt: Roland Zahn bereitet die am 24. August beginnende Probe-Wanderung der Eichsfeld-Etappe vor.

Quelle: Tietzek

Was sich viele Nicht-Behinderte kaum zutrauen, wird der heutige Stuttgarter nach eigener Einschätzung problemlos bewältigen. In hundert Tagen will er die Mammut-Strecke schaffen, eine der Etappen soll durchs Eichsfeld führen. Jetzt hat er sich in und um die Brehmestadt genauer umgesehen, denn am Dienstag, 24. August, will er in drei Tagen die Eichsfeld-Strecke von Duderstadt über Heiligenstadt nach Eschwege probe-wandern, Quartiere und Sponsoren suchen.

Zahn ging es gesundheitlich nicht immer so gut. Im Gegenteil. Nach 32 Jahren als Grafik-Designer arbeitete er im Kurierdienst. Die überwiegend sitzende Tätigkeit führte zu Venenentzündungen. Nach einer Operation folgte eine Infektion, ein unaufhaltsames Wundwachstum begann. „Um mein Leben zu retten, mussten die Ärzte vor sechs Jahren mein rechtes Bein über dem Knie amputieren“, beschreibt Roland Zahn die „schlimmste Zeit meines Lebens“. Über zwei Jahre saß Zahn im Rollstuhl, hatte resigniert. „Meine Vermieterin gab mir den Anstoß zu einem neuen Leben. Sie sagte: Herr Zahn, laufen Sie doch endlich mal um den Block“, erzählt der heute braungebrannte und durchtrainierte Stuttgarter. Und Zahn wollte sein altes, aktives Leben zurück: Seine Eltern waren als begeisterte Anhänger der Wandervogel-Bewegung in der ehemaligen DDR mit ihren Kindern in jeder freien Minute in der Natur unterwegs gewesen. Und auch der erwachsene Roland hatte das Wandern immer als festen Bestandteil seines Lebens gepflegt. Den Amputierten packte der Ehrgeiz. „Mit einer Runde um den Block fing es an, Monat um Monat baute ich auf, nicht nur die Kilometer“, schildert er seinen Weg zurück ins Leben. Mit gesunder Ernährung gab er seinem Körper auch die nötige Energie.
Was Zahn in dieser Zeit erfuhr: „Es gibt viel zu wenig Selbsthilfegruppen in Deutschland. Aktuell existieren nur 30 mit zwei bis 30 Mitgliedern.“ Hier will er mit seiner Wanderung im Rahmen der Aktion „Bewegung hilft“ ansetzen. „Über 20 000 amputierte Menschen gibt es in Deutschland, die meisten davon mit Informations- und Versorgungsdefiziten, Depressionen und Zukunftsängsten“, weiß Zahn. Mit Hilfe der Wanderung, auf deren Etappen Amputierte und Interessierte mitwandern sollen, will der 74-Jährige informieren, Kontakte knüpfen, die Gründung von Selbsthilfegruppen vor Ort unterstützen sowie Events mit örtlichen Orthopädietechnischen Betrieben oder Sanitätshäusern organisieren. Diese sollen als Sponsoren die 1000-Kilometer-Tour unterstützen. In Duderstadt wird die Firma Otto Bock die Wanderung begleiten und eine Homepage anlegen.

Von Anne Eckermann

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