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50 Euro Bargeld für Behörde: Bei Bank abgeblitzt

Geldwäschegesetz trifft Gastwirt 50 Euro Bargeld für Behörde: Bei Bank abgeblitzt

Um 23 Prozent sind im vergangenen Jahr in Deutschland die Verdachtsanzeigen wegen Geldwäsche gestiegen, teilten das Bundeskriminalamt und die Bundesanstalt Finanzdienstleistungsaufsicht am Mittwoch mit.

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Quelle: Pförtner

Die im internationalen Vergleich niedrigen Bußgelder seien „fast schon ein Witz“ merkte Bundesanstaltspräsident Jochen Sanio an. Ebenfalls als einen Witz empfindet Tamer Tokaci Geldwäsche-Vorschriften, die keinen Spielraum für gesunden Menschenverstand lassen. Weil sein Pass abgelaufen war, ist der türkische Gastwirt aus Duderstadt, der Bargeld auf das Konto des Landkreises einzahlen wollte, am Bankschalter in Göttingen abgeblitzt. Grund dafür sind Embargo- und Geldwäschebestimmungen, deren Anwendung der Betroffene als übertrieben empfindet.

Tokaci lebt seit 1971 in Duderstadt. Sein Neffe und seine Nichte, die im Eichsfeld aufgewachsen und 2002 mit ihren Eltern in die Türkei gezogen sind, wollen ihn jetzt besuchen. Um gegebenenfalls für sie aufzukommen, musste der Betreiber des Backsteinhauses für sie bürgen und beim Landkreis als Ausländerbehörde entsprechende Verpflichtungserklärungen abgeben.
Also fuhr Tokaci nach Göttingen und füllte im Kreishaus die Vordrucke aus. Eine Mitarbeiterin der Behörde wies ihn in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sein türkischer Pass vor wenigen Wochen abgelaufen sei.

Die Passverlängerung musste Tokaci beim türkischen Konsulat beantragen, wollte zunächst aber, weil die Zeit eilte, die Bearbeitungsgebühr für die beiden Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 50 Euro bezahlen. Mit Bargeld und Vordruck begab er sich zum Schalter der Filiale der Sparkasse Göttingen im Kreishaus. Dort wurde ihm die Einzahlung in die Kreiskasse jedoch unter Hinweis auf das Geldwäschegesetz verweigert. Der 43-Jährige wunderte sich, ging wieder zur Ausländerbehörde, ließ eine Mitarbeiterin in der Filiale anrufen, blitzte dann aber erneut am Schalter ab. Erst ein Anruf in Duderstadt und ein gefaxtes Überweisungsformular der Sparkasse Duderstadt, bei der Tokaci sein Konto hat, ersparte ihm weitere Umstände.

Dass man nicht einmal einen geringen Bargeldbetrag auf ein Behördenkonto einzahlen kann, empfindet Tokaci als „Lachnummer“. Er wolle weder auf der Ausländerschiene herumreiten noch der Bank einen Vorwurf machen, sagt er, belächelt aber die Regulierungswut. „Paragraphen sind schön und gut – man kann es aber auch übertreiben“, meint Tokaci: „Schließlich ging es nicht um 5000 Euro für ein Privatkonto in Lichtenstein oder einem Schurkenstaat, sondern um 50 Euro für eine Kreisbehörde.“

Die Sparkasse Duderstadt hatte mit der Bareinzahlung nichts zu tun, hätte in einem vergleichbaren Fall aber auch nicht anders handeln dürfen und gibt bereitwillig Auskunft über die Hintergründe. Laut „Geldwäschebekämpfungsergänzungsgesetz“ müsse sich jeder legitimieren, der bei einem Geldinstitut Bargeld einzahlt, bei dem er selbst kein Konto hat – unabhängig von der Summe und vom ersten Cent an. Das konnte Tokaci wegen seines abgelaufenen Passes nicht, bekam deshalb die Strenge der Vorschriften zu spüren und musste auf die dann ja problemlos gelaufene Überweisung der Sparkasse Duderstadt zurückgreifen. „Die Vorschriften und detaillierten Bestimmungen werden ständig geändert und verschärft“, merkt Vorstand Hermann Vorwald von der Sparkasse Duderstadt an: „Der Aufwand wird immer größer.“

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©Richter