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81 Millionen Schulden lasten auf Kreisgebiet

Schulden 81 Millionen Schulden lasten auf Kreisgebiet

Die Städte und Gemeinden des Landkreises Göttingen ächzen unter einer Schuldenlast. Die Stadt Hann. Münden hält hier in absoluten Zahlen den traurigen Rekord. Pro Kopf gerechnet müssen die Einwohner der Gemeinde Staufenberg mit dem dicksten Minus leben. Göttingens Landrat Reinhard Schermann (CDU) blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft.

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Dicke Schuldenposten finden sich in den Haushaltsplänen der Kommunen: Nur sechs Gemeinden im Kreis sind schuldenfrei.

Quelle: Straubel

Auf rund 81 Millionen Euro summieren sich die Schulden der elf kreisangehörigen Städte und Gemeinden im Landkreis Göttingen (ohne Stadt Göttingen) Ende 2008. Ein Viertel davon, 21 Millionen Euro, geht auf das Konto Hann. Mündens. Den kleinsten Anteil am Schuldenberg hat Adelebsen mit 31000 Euro.

Mit 47,20 Euro pro Kopf tragen die Adelebser auch die geringste Schuldenlast, wird sie auf die Einwohnerzahl umgerechnet. Bei diesem Vergleich haben die Staufenberger mit 944,63 Euro je Einwohner das größte Minus stehen (siehe Tabelle).

Genehmigungsbehörde für die Gemeinde-Haushalte ist der Landkreis Göttingen. Die Kommunalaufsicht (siehe Infokasten) ist direkt Landrat Schermann zugeordnet. Hat er schlaflose Nächte angesichts der tiefroten Zahlen? Nein, vielmehr redet sich der Landrat in Aufbruchstimmung, wird er nach den Folgerungen aus der Schuldentabelle gefragt.

Wie der Landkreis hätten die Gemeinden das Minus mehrheitlich reduzieren können, argumentiert Schermann: „Schauen Sie auf Staufenberg. Da ist in der Pro-Kopf-Verschuldung richtig was passiert“, sagt er mit Hinweis auf die Reduzierung um rund ein Drittel seit 2002. „Selbst Münden, eines unserer Sorgenkinder, hat Schulden abbauen können“, sieht er eine Gesamttendenz. Viele Gemeinden hätten sich strenge Haushaltsdisziplin auferlegt. Als Beispiel nennt der Landrat die Stadt Duderstadt: „Da kann man nur ein Kompliment aussprechen.“

Keine Sanktionen

Mit Lob, Warnung, Beratung arbeitet die Kommunalaufsicht mit Blick auf die gemeindlichen Haushalte. „Wir sind ja keine hochherrschaftliche Verwaltung“, macht der Landrat deutlich. Sanktionen habe der Landkreis seit vielen Jahren nicht mehr verhängen müssen, bestätigt Christiane Niesen, beim Landkreis für die Kommunalaufsicht zuständig. Vielmehr gebe es einen ständigen Dialog mit den Gemeinden schon im Vorfeld der Haushaltsgenehmigung. „Gerade mit Duderstadt stehen wir in engem Kontakt“, führt Niesen die Eichsfeld-Stadt als Beispiel an.

Der tiefere Grund für Schermanns optimistische Auslegung der Schuldentabelle sind jedoch nicht Zahlen und Statistiken, es ist vielmehr seine Wahrnehmung der wirtschaftlichen Stimmung. Der Landrat sieht die Region im Aufwind.

Viele kleine Schritte

Das Fehlen von Großbetrieben ist in Zeiten der Krise für ihn ein Vorteil: „Unsere Stärke ist die mittelständische Wirtschaft.“ Die gelte es zu unterstützen, spricht Schermann von vielen kleinen Schritten: der Anbahnung von Kontakten, vielfach im persönlichen Gespräch; schnellen Verwaltungsverfahren, beispielsweise bei der Baugenehmigung; Hilfe bei der Vermarktung, auch durch den Innovationspreis; Ausbau der Infrastruktur, vor allem des Internet-Breitbandnetze; auch weiche Standortfaktoren, wie dem Ausbau des Radwegenetzes. „Das sind viele Schritte, mühselig, aber lohnenswert“, so Schermann.

Er setzt dabei auf das direkte Gespräch. „Das hat etwas mit Personen zu tun. Die müssen Sie zusammen bringen“: Unternehmer mit Wissenschaftlern, Erfinder mit potenziellen Kunden, Betriebe einer Branche. Da sieht er Erfolge, „da entsteht so etwas wie ein Korpsgeist“, beschreibt er die Vernetzung der Akteure. Davon erhofft sich Schermann wirtschaftliche Entwicklung.

Zurück zu den Zahlen, den Schulden: Wagt der Landrat eine Prognose, wann sie abgebaut sein können? „Das wäre vermessen“, winkt er ab. Natürlich sei der Wunschtraum die Null in der Schuldentabelle. Aber: „Rational lässt sich das nicht erfassen, allenfalls emotional lässt sich etwas erahnen.“ Und er fügt hinzu: „Ich bin ja optimistisch veranlagt.“

                                                                                                                      Von Ulrich Lottmann

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