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Acht Eichsfelder Messdiener besuchen den Papst

Internationale Ministrantenwallfahrt in Rom Acht Eichsfelder Messdiener besuchen den Papst

Der Platz sieht harmlos aus, aber dort wurden einst Christen den Löwen zum Fraß vorgeworfen. „Ehrfurcht“ vor dem festen Glauben der Menschen habe er im Circus Maximus empfunden, sagt Simon Rudolph (19).

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Waren in Rom: Betreuer Dirk Fritsch mit Lukas Kriwinskis (vorne, von links), Holger Kohlrautz, Benedikt Schum, Marie Wüstefeld, Laura Nolte, Melina Schum, Sebastian Ohm (mittlere Reihe, von links) und Simon Rudolph (hinten).

Quelle: EF

Er gehört zu den acht Ministranten aus dem Untereichsfeld, die unter Leitung von Dirk Fritsch (37) zur Internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom pilgerten.
Die Gruppe stieg in die Katakomben hinab, die unterirdischen Friedhöfe, wo sich in der Antike verfolgte Christen trafen. Kilometer lang ziehen sich die Gänge unter der Stadt hin. Die Toten wurden in Nischen beigesetzt, die Angehörige in den weichen Stein kratzten. Die Gräber geben genau die Umrisse der Toten wieder – etwa den dicken Bauch oder die großen Füße, berichten die Ministranten. Außerdem sahen sie viele Kindergräber.

Auf das Interesse der jungen Eichsfelder stieß die Illuminati-Tour, eine Entdeckungsreise zu Orten, die Dan Brown in seinem gleichnamigen, kirchenkritischen Buch erwähnt. Den Film hatten sich die Ministranten auf der fast 24-stündigen Hinfahrt im Bus angeschaut. Sie stellten fest, dass der Autor bei der Beschreibung Roms mit viel Phantasie bei der Sache war.

Zu Beginn ihres Rom-Aufenthalts besuchten die jungen Christen den Petersdom. Von den Dimensionen des Bauwerks zeigen sie sich beeindruckt. Nur zu gerne würden sie da einmal als Ministrant dienen. „Das wäre etwas anderes, als die drei Schritte von der Bank bis zum Altar wie in Gieboldehausen“, meint Rudolph. Mit dem Zeitpunkt der Besichtigung hatten sie Glück. Sie brauchten nicht warten. Als sie am nächsten Tag, einem Sonnabend, wieder da waren, wand sich die Schlange einmal quer über den Petersplatz.

Auf Knien stiegen vier der Eichsfelder betend die Scala Santa hinauf, die heilige Treppe, auf der einst Jesus in Jerusalem zu Pontius Pilatus gegangen seien soll. Nach vier Stufen wurde ihnen klar, auf was für eine Anstrengung sie sich da eingelassen hatten, berichtet Laura Nolte (14).
Die Stufen waren mit Holz verkleidet. Es gab Gucklöcher. Manche Gläubigen berichten, dass sie beim Durchsehen Jesu Blut auf den Steinstufen entdeckt hätten. Laura beobachtete nichts dergleichen. Oben angekommen, wollten die Eichsfelder beichten, wie das Pilger nach dem Aufstieg traditionell tun. Das war aber mangels Priestern nicht möglich. So mussten die Ministranten ihre Sünden still vor Gott bekennen.

Mit Gold und Silber überzogen war der Seitenaltar von Ignatius von Loyola in der Jesuitenkirche Il Gesú. Dort feierten die 1200 Ministranten aus den Bistümern Hamburg, Hildesheim und Osnabrück die Heilige Messe. Rudolph las aus der Bibel. Die 20-köpfige Hamburger Band Sela sang mitreißende Lieder.
Höhepunkt der Fahrt war die Generalaudienz beim Papst. 45 000 Ministranten aus Deutschland und weitere 7000 Messdiener aus anderen europäischen Ländern drängten sich auf dem Petersplatz. Die Sonne brannte heiß. Wohl denen, die eine Kopfbedeckung trugen und ihre Flaschen zuvor am Brunnen mit Wasser gefüllt hatten. Der Papst kam mit dem Hubschrauber von seinem Sommersitz, dem Castel Gandolfo, angeflogen. Später fuhr er mit seinem Papamobil auf freigehaltenen Wegen durch die Menge. Seine Ansprache war schwer zu verstehen. Der Papst erzählte leise, dass er früher selbst Ministrant gewesen sei. Er berichtete den jungen Leuten von dem Messdiener Tarcisius, der das Kommunionbrot vor der Entweihung schützte und deswegen umgebracht wurde. Heute ist der Märtyrer Schutzpatron der Ministranten.

Untergebracht waren die Eichsfelder in einem Vier-Sterne-Hotel. Jeweils zu zweit oder zu dritt teilten sie sich ein Zimmer. Mit dem Essen zeigen sie sich zufrieden. „Die Nudeln waren lecker“, berichtet Benedikt Schum (15). Ein paar Mal kehrten sie bei einer Hamburger-Kette ein.

Gleich zu Beginn ihrer Reise machten sie mit den Tücken des italienischen Wetters Bekanntschaft. „Wir wunderten uns, warum die Römer plötzlich so in Hektik gerieten“, erzählt Rudolph. Kurz darauf gab es einen Wolkenbruch. Geschäftstüchtige Händler boten den Durchnässten Schirme zum Kauf an.

Von Michael Caspar

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