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Auf Tuchfühlung mit Mutterkühen

Gut Herbigshagen Auf Tuchfühlung mit Mutterkühen

Zum dritten Mal hat die Sielmann-Stiftung am Sonntag den Auszug der Mutterkühe und Kälber vom Stall auf die Weide als öffentliches Spektakel inszeniert. Der Almauftrieb zieht von Jahr zu Jahr größere Kreise.

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Schaulaufen mit Handys und Hörnern: Die Rinder, die es auf dem Weg zur Weide eilig haben, sind ein begehrtes Fotomotiv.

Quelle: Mahnkopf

Duderstadt. Mehr als 500 Besucher verfolgten das Schauspiel, auf dem Parkplatz von Gut Herbigshagen waren viele auswärtige Kennzeichen vertreten. Mit viel Herzblut, Hirtenliedern, Peitschenknallen, Jodeleinlagen und szenischen Darstellungen in Tracht stimmte der Rhumspringer Zweigverein des Harzklubs auf den Almauftrieb ein, der nur wenige Sekunden dauerte.

Höhenflug für Harzer Höhenvieh

Nach den Wintermonaten waren die 17 rotbraunen Mutterkühe und ihre Kälber erpicht auf frisches Grün im Pansen. Als Bratwurst und Harzer Hirtentopf buchstäblich in aller Munde waren die männlichen Vertreter des seltenen Harzer Höhenviehs, das im Windschatten des Nachfragebooms nach regionalen Produkten wieder einen Höhenflug erlebt. Alle 14 Tage werden im Betrieb von Daniel Wehmeyer Jungbullen ab dem zweiten Lebensjahr geschlachtet.

Info

Die Ahnenreihe reicht bis in die germanisch-keltische Zeit zurück, die Nachkommen der robusten Mittelgebirgsrinder stehen nach wie vor auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Vom einfarbigen Harzer Höhenvieh wurden vor 20 Jahren nur noch 360 Kühe im Herdbuch aufgeführt.

Inzwischen gibt es bundesweit wieder 1100 Muttertiere, die Erblinien werden akribisch dokumentiert. Allein 280 Rinder der seltenen Rasse hält der Harzer Biolandwirt Daniel Wehmeyer, einen kleinen Teil davon als Pächter der landwirtschaftlichen Flächen von Gut Herbigshagen im Eichsfelder Exil.

Der 34-Jährige, der in diesem Jahr für den Erhalt der bedrohten Nutztierrasse auf der Grünen Woche mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau ausgezeichnet wurde, informierte die Besucher über „die Kuh der Bergmannsfrau“.

Die ruhige Rinderrasse diente als sogenanntes Dreinutzungsrind früher zur Milch- und Fleischproduktion sowie als Zugtier. Milch bekommen heute nur noch die Kälber, statt Melken ist Stillen angesagt. Und als Zugtiere werden die Harzer Rinder allenfalls noch vor den Tourismuskarren gespannt.

Aus sicherer Entfernung

Ganz unbedenklich ist der Almauftrieb zur Weide am Kika-Baumhaus nicht. Die Tiere haben Hörner, sind nach dem Winter nervös und Menschenmassen nicht gewohnt. In sicherer Entfernung verfolgten die Besucher den Ausmarsch der Kühe und Kälber, Hunde wurden in die zweite und dritte Reihe verbannt.

Wehmeyer züchtet das Harzer Rote Höhenvieh nicht nur zur Produktion des in der regionalen Gastronomie begehrten Fleisches. Mit Beweidung der kargen Harzer Bergwiesen tragen die Rinder auch zum Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft bei.

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©Richter