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Almauftrieb des Harzer Roten Höhenviehs auf Gut Herbigshagen

Heinz-Sielmann-Stiftung Almauftrieb des Harzer Roten Höhenviehs auf Gut Herbigshagen

Zwei Dutzend Rinder, 300 Schaulustige, die mit Hirtenliedern vom Rhumspringer Harzklub und ungeduldigem Muhen aus dem Hofstall begrüßt wurden: An das erfolgreiche Debüt im Vorjahr hat die Heinz-Sielmann-Stiftung am Sonnabend mit dem Almauftrieb ihres Harzer Roten Höhenviehs auf Gut Herbigshagen angeknüpft.

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Quelle: Richter

Duderstadt. Der von den Besuchern hinter sicheren Zäunen beäugte Weideaustrieb vom Hofstall zur Hangweide unterhalb des Kinderkanal-Baumhauses, der nur einige Sekunden dauerte, wurde von einem ebenso informativen wie unterhaltsamen Rahmenprogramm flankiert.

Als Wolfgang Beuse 1992 den Verein zur Erhaltung der Harzkuh gründete, gab es nur noch einzelne Exemplare der robusten Gebirgsrinder, die jetzt ein Comeback erleben. "Ohne unsere Bemühungen würde es diese Rinderrasse heute nicht mehr geben", sagte der in traditonelle Tracht gewandete 68-Jährige ("Ich bin kein Landwirt, ich bin Bauer") und freut sich über einen rasch voranschreitenden gesellschaftlichen Bewusstseinswandel. 

In den 60er-Jahren hätten die Kuhhirten im Harz ihre Arbeit eingestellt, der Kurbetrieb habe Vorrang gehabt, die Kühe seien eher als Störfaktor wahrgenommen worden. Heute würden die Gebirgsrinder den Tourismus bereichern, sagte Beuse, dessen Verein anfangs als "Muhmuhverein" verspottet wurde und der das Harzer Höhenviehfest in Wildemann ins Leben gerufen hat."Die Slow-Food-Bewegung hat uns vorangebracht, die Gastronomie ist auf den Zug aufgesprungen, die Naturschutzbehörden sind auf die extensive Beweidung der Harzer Bergwiesen eingeschwenkt."

Die Harzkuh ist ein Stück Heimat", betonte Beuse, der eine brandneue DVD über "Die Rinderwirtschaft im Harz" mitgebracht hatte, vor den Gästen. Wolfgang Hoffmann von der Brauchtumsgruppe Oberharz steuerte Informationen zu Hirtenrufen und Kuhglocken bei, ließ die dreisträngig geflochtene Bullenpeitsche knallen, erläuterte die unterschiedlichen Glockenklänge und das alte Handwerk des Glockenmachens: "Früher durfte eine Kuh nicht ohne Glocke auf die Waldweide und man musste sie noch nicht mit Hubschraubern im Maisfeld suchen."

"Wenn man heute heute regionale Produkte an den Mann bringen will, mus man das mit Events verbinden", meinte Hochschulprofessor Ulrich Harteisen, der das Almauftrieb-Spektakel mitverfolgte."Der Weidegang ist auch eine Voraussetzung für die Bioland-Zertifizierung von Gut Herbigshagen gewesen", erläuterte Betriebsleiter Holger Belz. Der Deckbulle werde regelmäßig ausgewechselt, um Inzucht auszuschließen. Erst am Freitag habe das Biogut sechs Jungbullen aus dem vergangenen Jahr verkauft.

Im Harz war der Almauftrieb früher ein Feiertag, der das Ende des Winters markierte. Feiertagsstimmung herrschte am Sonnabend auch auf Gut Herbigshagen. In einem Strohballen-Sitzkreis loderte eine Feuerschale, die Hofküche kredenzte den Gästen unter dem Motto "Harz trifft Eichsfeld" Brote mit Mettwurst und Harzer Roller, Eichsfelder Kartoffelsuppe und das Schmorkohlgericht "Lumpen un Lüse", an Biertischen ließen es sich die Gäste bei Fritz-Kola, Bionade und Öko-Bier gut gehen.

Wie die Damwild-Fütterung im Winter und das Schauhüten hat sich der Almauftrieb einen festen Platz im Programm der Stiftungszentrale erobert. Die Stiftung hat auch zu einem Fotowettbewerb aufgerufen: Bilder des Viehaustriebs können an  info@sielmann-stiftung.de gemailt werden.

©Richter

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©Richter