Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Als Wasserversorgung noch „Teufelszeug“ war

Tag des Toilettenpapiers Als Wasserversorgung noch „Teufelszeug“ war

Ob mit Noppen oder ohne, mit blauem Delphinaufdruck oder in unaufdringlichem Weiß, nach Lavendel duftend oder geruchsneutral, flauschig weich oder recycelt, hauchdünn oder gar fünflagig, zerknüllt oder akkurat gefaltet, vorwärts- oder rückwärts abrollend... auch wenn der Diskurs über das Toilettenpapier die Familie schon mal in verschiedene Lager spalten kann, eines ist klar: das Toilettenpapier ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Voriger Artikel
Malteser eröffnen Tagespflegeeinrichtung
Nächster Artikel
Rettungshundestaffel beim Tag der offenen Tür

Heute unverzichtbar: industriell gefertigte „Klorollen“.

Quelle: Cimm

Duderstadt. Daran erinnert der morgige Tag des Toilettenpapiers. Gerhard Rexhausen weiß noch genau, wie es war, als die „Retirade“ neben den Rabatten stand.

In den 30er- und 40er-Jahren bis lange Zeit nach dem Krieg war die Zeitung nicht nur zum Lesen da, erzählt der gebürtige Obernfelder Rexhausen, der heute Ortsheimatpfleger in Gieboldehausen ist und bereits an einer Monographie zum Thema „Historischer Alltag in den Dörfern des Untereichsfeldes“ mitgewirkt hat. „Die Zeitung wurde kaputtgeschnitten, an einem Nagel aufgehängt und dann benutzt“, erinnert sich der 78-Jährige.

Rexhausen

Quelle:

„Toilettenpapier konnte man nirgendwo kaufen“, sagt Rexhausen. Besonders während des Krieges hätte die Herstellung von Toilettenpapier wahrscheinlich als Rohstoffvergeudung gegolten, meint der Wahl-Gieboldehäuser. Ganz normal sei dieser sanitäre Zustand für damalige Verhältnisse gewesen, auch wenn viele aus den jüngeren Generationen sich ein Leben ohne voll ausgestattete Nasszelle wohl nicht mehr vorstellen könnten.

Was heute ein „Water Closet“ (WC) mit Spülstoppfunktion, parfümiertem Urinstein und absenkbarem Klappdeckel ist, war damals ein einfaches Loch im Garten. Etwas Privatsphäre bot ein darüber gezimmerter Holzverschlag. Für Senioren, die zur Unzeit der Harndrang überkam, stellte der Nachttopf die einzige Lösung für ihre Bedürfnisse dar. War die Grube voll, wurde ihr Inhalt, der in einer Art Fass aufgefangen wurde, auf dem Acker oder über einem Misthaufen entleert. Kläranlagen wie wir sie heute kennen, habe es damals noch nicht gegeben, erzählt Rexhausen.

Die ersten Anschlüsse an eine Wasserversorgung gab es auch erst um 1932 im Altkreis Duderstadt. „Mein Großvater war derart konservativ, das war für ihn alles Teufelszeug“, schmunzelt der Hobby-Historiker. Die ersten Badezimmer habe es später in Neubauten gegeben.

In den Genuss eines Badezimmers kam Rexhausen selbst erst, als er um 1960 sein Elternhaus umbaute: „Da gab es aber immer noch keine Wasserspülung, das hätte ja eine Kanalisation vorausgesetzt und die war ja bis dahin in den seltensten Fällen vorhanden.“ Üblich war meistens immer noch die Versorgung über einen Brunnen auf dem Hof. Und wenn es schon eine Wasserleitung gab, dann führte diese lediglich in die Küche oder zum Vieh.

Als sich die Verhältnisse in den Zeiten des Aufschwungs allerdings rasch besserten, wurde auch das Toilettenpapier schnell unentbehrlich: „Wenn es der Erste hatte, dann mussten es die anderen Leute auch bald haben“, erinnert sich Rexhausen. Selbst möchte das Mitglied der Geschichtswerkstatt ebenfalls nicht mehr auf den Lokus-Luxus verzichten. „Man kann zwar nicht als Mangel empfinden, was man nicht kennt, aber es liegt schon in der menschlichen Natur, dass man sich schnell an das Gute gewöhnt.“

Von Anna Kleimann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Tag des Toilettenpapiers

Es gibt schon merkwürdige Jahrestage in der Welt. Etwa den Tag der verlorenen Socke. Oder den Tag des Kreuzworträtsels. Oder eben den 26. August: An diesem Datum wird der weiten Teilen der Bevölkerung unbekannte Tag des Toilettenpapiers zelebriert. Sinn und Zweck dieses Tages soll es sein, an die alltägliche Nützlichkeit und Unentbehrlichkeit des Toilettenpapiers zu erinnern. 

  • Kommentare
mehr
Feuerwehrübung in Krebeck

©Richter