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Alte Inschriftentafeln in der Garage entdeckt

Wollershausen Alte Inschriftentafeln in der Garage entdeckt

In einer Garage in Gieboldehausen sind Jahrhunderte alte Inschriftentafeln entdeckt worden. Sie gehören zum Familiengrabmal des Johann von Minnigerode, das in der evangelischen Kirche St. Marien in Wollershausen steht. 

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Aus der Garage in Gieboldehausen zogen die Platten in die Wollershäuser Pfarrscheune: Jens-Arne Edelmann holt heraus.

Quelle: Pförtner

Das Licht in der alten Scheune hinter dem Wollershäuser Pfarrhaus ist trüb. Von der Decke hängen Spinnweben herab. Der Fußboden ist staubig. Für ein Foto im Tageblatt stemmt Pastor Jens-Arne Edelmann schwere Platten aus grauem Quarzit zur Tür. Auf den alten Steinen stehen Bibelverse. Bei Aufräumarbeiten tauchten sie in der Garage auf dem Grundstück des ehemals Minnigerodeschen Gutes in Gieboldehausen auf. 

„Wir mussten die Garage räumen, weil dort Toiletten entstehen sollten“, erinnert sich Gieboldehausens Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen. Sein Amtsvorgänger Victor Emmerich, ein emsiger Sammler, hatte die beschrifteten Tafeln dort deponiert. „Wir konnten mit den Steinen nichts anfangen“, erzählt Rexhausen. 

Als jedoch Sabine Wehking von der Inschriftenkommissions des Landkreises Göttingen die Tafeln sah, erkannte sie Zusammenhänge. Die Platten sind aus dem gleichen Material wie das Epitaph in Wollershausen gefertigt, das an Johann von Minnigerode (1556-1611) und seine Familie erinnert. Johann hat in Wollershausen ein Schloss errichten lassen, an dessen Stelle seit 1732/35 ein barockes Wasserschloss steht. Später diente es als Kinderheim. Die Kirche gegenüber vom Schloss wurde 1616 auf Anordnung von Johanns Frau Dorothea um einen Chor erweitert. Dort entstand das Familiengrab, zu dem das Epitaph gehört. Lebensecht wirkende Marmorfiguren stellen das Ehepaar mit seinen drei Kindern dar. 

Beten auf Knien

Die Familie betet knieend vor einem Kreuz, das von einer jungen Frau getragen wird. Wappen dokumentieren die Stammbäume der beiden adligen Eheleute. Ein Relief über den Figuren zeigt den auferstandenen Christus. Über allem thront ein Totenschädel mit Flügeln. 

Wehking rühmt „die außergewöhnlich hohe Qualität des Kunstwerks“, aus der sie „auf eine überregional bedeutende Bildhauerwerkstatt“ schließt. Allerdings stimmen die Proportionen des Grabmals nicht. Würde man jedoch die gefundenen Platten einfügen, so wirkten die Verhältnisse der einzelnen Teile des Epitaphs zueinander harmonisch. Wehking zeigt das mittels einer maßstabgetreuen Fotomontage. In dieser Form wäre das Grabmal allerdings 86,6 Zentimeter größer als derzeit. Es wäre dann 2,6 Zentimeter höher als der Chorraum der Marienkirche. Warum das Epitaph nicht in den eigens für das Familiengrab erbauten Chor passt, kann die Wissenschaftlerin nicht erklären. Vielleicht haben die Handwerker beim Abmessen einen Fehler gemacht. Vielleicht sollte das Epitaph aber auch ursprünglich gar nicht beim Grabmal, sondern an einem andern Ort stehen. 

Die überzähligen Inschriftentafeln wurden zwischenzeitlich mit einem Lieferwagen von Gieboldehausen nach Wollershausen transportiert. Die Gemeinde weiß nicht so recht, was sie mit ihnen machen soll, bekennt Pastor Edelmann. An anderer Stelle aufstellen lassen sie sich auch nicht. Einzelne Stücke fehlen nämlich. So lagern die Fragmente zurzeit in der Pfarrscheune. 

                                                                                                              Von Michael Caspar

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