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Andrea Kulka im Rathaus Duderstadt

Kabarett Andrea Kulka im Rathaus Duderstadt

Volles Haus gehört beim Frauenkabarett im Duderstädter Rathaus zum guten Ton. Dann hört es aber auch schon auf mit den Höflichkeiten. Andrea Kulka nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um den kleinen Unterschied geht. Oder den größeren.

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Andrea Kulka im Rathaus Duderstadt

Quelle: Richter

Duderstadt. "Weil ich ja weiß, in Duderstadt die Frauen, die ham' ja alle keinen Mann, habe ich mal einen mitgebracht", führt sie ihre Begleitung am Mittwochabend beim Auftritt auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Duderstadt und der Theater- und Konzertvereinigung ein.

Den Herrn Meyer. Mit Y. "Niemand hat ein Ypsilon in seinem Namen", lästert sie über den armen Kerl, dessen Aufgabe es ist, den Mund zu halten und Gitarre zu spielen.

Denn Kulka singt. Und das nicht schlecht. Scharfzüngige Texte verpackt sie in in eingängige Melodien. Dabei macht sie sich über beide Geschlechter und deren Eigenarten gleichermaßen lustig. Depressionen nach dem Blick auf das eigene neonlichtgetränkte Spiegelbild in der Umkleidekabine der Dessous-Abteilung - und den wellenförmigen Schattenwurf, der das heißeste Teil wie ein Schleifenband an der Presswurst aussehen lässt?

Kulka singt's. Mordgelüste, nachdem der lange gesuchte, endlich gefundene Partner der Beziehung von einem Tag auf den anderen ein Ende setzt? Kulka singt's. "Mein Psychiater hat mit mir Schluss gemacht, dafür hab ich ihn gestern umgebracht." Die Unannehmlichkeiten des Alter - schlappes Bindegewebe und schlappes Gedächtnis, Kulka singt's. "Dieses Ziehen im Leib, dass Du nie mehr vergisst. Als ob der Sensenmann selbst in Dir sitzt."

Sie plärrt, sie heult, krakeelt und krawallt - aber nur, wenn es um die wichtigen Dinge im Leben einer Frau geht. Wie Okapi-Poster. "Ich wollte ein Okapi, keinen Schabrackentapir", beschwert sie sich bei dem Mann, dem sie alles, aber auch alles gewährt habe. Sogar Licht im Keller.

Dabei kann Kulka nicht nur Rosa, sondern auch Blau.

Volles Haus gehört beim Frauenkabarett im Duderstädter Rathaus zum guten Ton. Dann hört es aber auch schon auf mit den Höflichkeiten. Andrea Kulka nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um den kleinen Unterschied geht. © Richter

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Im Karo-Hemd und mit Schnapsflasche in der Hand gibt sie zum Besten, was die volle Männlichkeit von der holden Weiblichkeit halten könnte. "Früher hätte ich gegen eine Freimachung im klassischen Sinne nichts gehabt. Heute muss ich das nicht mehr haben." Spricht's und nimmt einen weiteren tiefen Schluck aus der Flasche. Gefolgt von einem inbrünstigen Urlaut aus tiefster Seele.

Aber, Mann hat's schließlich auch nicht leicht. Beim Ikea-Besuch mit Versteck-Versuch im Bällchen-Paradies über Lautsprecher ausgerufen zu werden, um dann an der Kasse gefühlte 260 Sack Teelichte auspacken zu müssen, ist eben kein Spaß.

Drei Wochen Fußball-guck-Verbot, stattdessen Traumschiff und Rosamunde Pilcher, auch nicht. "Ihr habt gar keine Ahnung, was meine Frau für eine Kraft entwickelt beim Festhalten der Fernbedienung." Kulka bringt es auf den Punkt: "Wir Männer, wir können uns die Welt nicht einfach schön quatschen. Da fehlen uns so zehntausend Wörter am Tag."

Das weibliche Publikum im ausverkauften Bürgersaal hat Spaß am Programm unter dem Titel "Ich mach' mich frei." Selbst, wenn es zotig wird: "Liegt die Magd tot auf dem Knecht, war'n die letzten Eier schlecht", lautet eine der eigenwilligen Bauernregeln, die Kulka zitiert. Und auch das männliche Publikum - diejenigen, die sich in die erste Reihe trauen, werden sogar namentlich vorgestellt - ist begeistert. Beim Humor scheint der kleine Unterschied nicht zu bestehen.

Kulka tritt am Donnerstag, 8. Oktober, erneut im Duderstädter Rathaus auf. Beginn ist um 20 Uhr, Karten gibt es noch an der Abendkasse.

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