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Anlass, um ins Gespräch zu kommen

Erntedank Anlass, um ins Gespräch zu kommen

Rekorderträge, Superernte, früher Erntebeginn – in der Bewertung der diesjährigen Ernteerwartungen übertrafen sich die Superlative. Gibt es Anlass, Danke zu sagen?

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Quelle: Pförtner (Symbolfoto)

Der Beginn der diesjährigen Ernte hatte sich in unserer Region wieder auf ein normales Niveau eingependelt, Gerste und Raps wurden zügig und trocken geerntet. Doch der Haupterntemonat für den Weizen, der Monat August, machte uns Landwirten einen Strich durch die Rechnung. Regen, Regen, Regen – jeden Morgen der Blick zum Himmel, die Nerven lagen blank. Jeder hatte doch sein Bestes gegeben, die Saat gut gehegt und gepflegt, dennoch lagen Freude und Enttäuschung dicht beieinander.

Am Ende haben wir dann doch noch geerntet, allerdings feucht und die Qualität reichte nur noch für den Futtertrog. Aber: Wir haben geerntet. Wir arbeiten in und mit Gottes Schöpfung, der Erfolg unserer Arbeit liegt nicht allein in unserer Hand.

Trotz dieser vielen Schwierigkeiten sagen wir auch in diesem Jahr wieder Danke!

Das,  was wir erzeugen, steht am Anfang einer langen Wertschöpfungskette. Mit  Blick auf die Preise herrscht auf den Höfen fast allerorts gedrückte Stimmung. Die Preise sind ins Bodenlose gesunken, das betrifft die Schweineerzeuger, Milch, Kartoffeln und das schon genannte Getreide. Die Preise spiegeln in keiner Weise den tatsächlichen Wert unserer Produkte wider, ihre mangelnde Wertschöpfung gibt zugleich Zeugnis von der mangelnden Würdigung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.  

Landwirte arbeiten Tag für Tag mit hohem Verantwortungsbewusstsein und echter Begeisterung. Bäuerinnen und Bauern sind es, die dafür sorgen, dass der Tisch gut gedeckt ist und wir jeden Tag satt werden. Viel zu oft wird die Landwirtschaft als Sündenbock dargestellt. Unsere Ernährung, die Art und Weise, wie Nahrungsmittel produziert und Nutztiere gehalten werden, Massentierhaltung, Antibiotikaeinsatz – das sind Schlagwörter, die uns Landwirten wehtun.
Der Verbraucher hat ein Bild vor Augen, wie Landwirtschaft seiner Meinung nach sein sollte. Dieses Bild hat allerdings mehr mit Kinderbuch-Idylle als mit der heutigen Realität zu tun.

Jeder neue Stall kommt den Bedürfnissen der Tiere ein großes Stück mehr entgegen. Betroffen müssen wir aber feststellen, dass Landwirte nicht auf die Zusagen der Kunden bauen können, mehr Tierwohl entsprechend höher honorieren zu wollen. Der theoretische Anspruch der Verbraucher und die gelebte Wirklichkeit an der Ladenkasse driften leider immer weiter auseinander.

Von den Herausforderungen, denen sich die moderne Landwirtschaft heute stellen muss, um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, haben die wenigsten in unserer Gesellschaft eine Vorstellung. Nur noch zwei Prozent der Bevölkerung leben direkt von der Landwirtschaft.

Das Erntedankfest bietet einen guten Anlass, in den Kirchengemeinden, Dörfern und Städten wieder stärker ins Gespräch zu kommen – vorurteilsfrei, offen und von dem Wunsch nach gegenseitigem Verständnis geprägt. Dazu sind wir auch an allen Tagen des Jahres bereit.

Ich wünsche Ihnen allen, wo immer Sie auch das Erntedankfest feiern, einen schönen, besinnlichen  aber auch freudigen Tag.

Hubert Kellner,
Kreislandwirt und Vorsitzender Landvolk Göttingen

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