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Auch Eichsfelder lieben bayerische Festkultur

Weißwurst statt Stracke Auch Eichsfelder lieben bayerische Festkultur

Volle Maßkrüge, „Brezn“, „Weißwürscht“, fesche „Madln“ und „Buam“ bei zünftiger „Musi“ – mit dieser Mischung bajuwarischer Festkultur lockt das Oktoberfest auf der Münchener Theresienwiese jetzt zum 179. Mal Gäste aus dem In- und Ausland in die süddeutsche Metropole. Seit einer Woche ist dort bereits „o’zapft.“ Auch die Eichsfelder finden die bayrische Gemütlichkeit ziemlich „pfundig“ und eifern den traditionsbewussten Freistaatlern begeistert nach.

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Quelle: dpa

Mit der Eichsfelder Fleischwaren-Spezialität „Stracke“ oder der Kälberblase hat die Weißwurst im Eichsfeld zwei alteingesessene Konkurrentinnen, die in ihrer Beliebtheit kaum zu toppen sind. Aber einmal im Jahr während der „Wiesn“ geht auch die süddeutsche Rezeptmischung mit Kochsalz und Petersilie im Schweinssaitling öfter über die Schlachtertheke als sonst. „Die Weißwurst ist sehr beliebt“, bestätigt auch Johannes Borchard, Betreiber des gleichnamigen Fleischwarenfachgeschäfts in der Duderstädter Obertorstraße, dass die heimischen Wurstfreunde auch über den eigenen Tellerrand hinaus schauen und sich für regionsfremde Spezialitäten begeistern können. Borchardt Junior ist in die Geheimnisse des urbayrischen Rezepts eingeweiht, hat er doch unter anderem in Landshut sein Handwerk gelernt. Das Originalrezept habe er jedoch etwas abgewandelt, um es an die heimischen Gaumengewohnheiten anzupassen. Wie genau verrät er natürlich nicht.

Für Anfänger der einfache Längsschnitt

Für die Zubereitung der Weißwurst benötigt man lediglich zirka 80 Grad heißes Wasser, in dem die Wurst bis zu 15 Minuten lang gebrüht wird. Danach kann sie in süßen Senf gestippt und „ausgezuzzelt“ werden, wie es in Bayern üblich ist. Dabei muss versucht werden, behutsam unter Zuhilfenahme der Zähne das Innere der Wurst aus dem Darm herauszusaugen. Selbstverständlich wird dabei kein Besteck benutzt. „Ich schneide meine Weißwurst auch lieber auf“, gibt Borchardt zu. Für Anfänger eigne sich hierzu der einfache Längsschnitt. Auf dem echten Oktoberfest übrigens niemals weniger als drei Weißwürste bestellen und immer eine ungerade Anzahl.

Bekennender Weißwurstfan und passionierter Oktoberfest-Besucher ist auch der Wahlduderstädter Thomas Kistner. Der gebürtige Franke hat mehrere Jahre in München gearbeitet und ist „von der bayerischen Kultur sehr geprägt worden“. Zum Mitfeiern komme er aber nur noch unter der Woche in die Bayern-Metropole, da das Volksfest am Wochenende schlicht durch den internationalen Besucherandrang überlaufen sei. „Am besten reserviert man sich im Dezember schon Plätze fürs Zelt. Im Januar siehts da schon schlecht aus“, so Kistner. Erstaunlich findet der Bayern-München-Fan, dass sich so viele Wiesn-Besucher gleich ein ganzes Trachtenoutfit zulegen würden: „Der Urbayer sieht sofort welches Dirndl echt ist und welches mal schnell bei Amazon oder Ebay bestellt wurde.“ Sorgen machen braucht man sich deswegen aber keine, denn „die Münchener sind da sehr tolerant“, sagt Kistner.

Dirndl-Dresscode

In den Dirndl-Dresscode ist auch Gabi Block eingeweiht. In ihrem „Trachtenstübchen“ in der Duderstädter Jüdenstraße stattet sie Eichsfelder Oktoberfestbesucher und Liebhaber von Landhausmode mit traditionsgemäßen Kleidern, Lederhosen, Strickjacken, Hüten, Strümpfen, Tüchern und Taschen aus. Die Aufklärung über das richtige Binden der Schleife ist beim Kauf eines Dirndls inklusive: „Schleife rechts heißt verheiratet, Schleife in der Mitte heißt verwitwet und Schleife links heißt solo.“ Für diesen Tipp dürfte ihr schon manche Kundin dankbar gewesen sein. Bei Männern gibt es übrigens keine solcher Insider-Zeichen.

Viele Kunden, die nach München zur Wiesn fahren wollen, habe sie schon immer gehabt, erzählt Block, doch seit ungefähr einem Jahr sei das schon „richtig extrem“ geworden. Seit Paris Hilton und Kollegen in Tracht posierten, Designer die Folklore-Schnitte aufleben ließen und die figurbetonenden Kleider wieder mit ihren Vorteilen überzeugen konnten, war der Trachten-Hype geboren. Bei jungen Leuten müsse es dann auch öfter mal schnell gehen, sagt Block. „Einmal kamen zwei junge Männer in den Laden, die in einer halben Stunde nach München aufbrechen wollten. Ich habe sie angeschaut und konnte ihnen Gott sei Dank gleich Hosen, Schuhe, Socken und Hemd in der richtigen Größe bringen. Da haben sie richtig Glück gehabt, dass ich das noch auf Lager hatte“, lacht Block über die kurzentschlossenen Jugendlichen.

Oktoberfest im Eichsfeld

Wem die 500 Kilometer Fahrt bis zur bayrischen Theresienwiese zu lang erscheinen, hat mittlerweile auch die Möglichkeit, sich auf einem der Eichsfelder Pendants zum Münchener Original zu verlustieren. In Rhumspringe wird beispielsweise vom TC Rhuma bereits seit 20 Jahren an jedem vierten Sonnabend im September ein eigenes Oktoberfest veranstaltet. Alle fünf Jahre wird sogar eine Miss-Dirndl-Wahl und ein Maßkrugwettstemmen veranstaltet. „Die Atmosphäre ist immer toll“, erzählt der erste Vorsitzende Berthold Jacobi. „Mittlerweile kommen immer so um die 200 Leute und die Hälfte sogar in Tracht. Und im Vergleich zur Wiesn haben wir hier sehr zivile Preise“, erzählt Jacobi. Das Rhumspringer Oktoberfest diene als Alternative zum Schützenfest, das für viele Ältere im Ort nicht mehr so attraktiv sei. Und an deftigen Schmankerln mangelt es auch bei der Gaudi im Quellenort nicht: Von der Haxe über die Weißwurst bis zu Brezel und Leberkäs’ wird dort alles angeboten. In diesem Jahr ist das Fest leider schon vorbei, aber wer heute spontan Lust auf bajuwarische Festkultur bekommen hat, wird unter anderem   auch in Bremke auf seine Kosten kommen.

Von Anna Kleimann

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Bremke

Mit seinem Programm hat sich das Oktoberfest in Bremke zum größten Fest nach bayerischem Vorbild in dieser Region entwickelt. Jetzt organisieren die Veranstalter zum ersten Mal auch einen Oktoberfest-Umzug. Dazu hätten sich bereits rund 20 Gruppen angemeldet, teilt das Organisationsteam aus dem TSV Bremke/Ischenrode mit.

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