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Auf Du und Du mit Raupe, Ameise und Co.

Eichsfelder Grenzspuren Auf Du und Du mit Raupe, Ameise und Co.

Die Entschuldigung gleich vorweg: Insekten sehen für mich alle gleich aus. Pflanzen unterscheide ich nach: Hübsch, hässlich und hübsch, aber stinkend. Soll heißen: Von Biologie habe ich keine Ahnung.

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Der Weg führt zurück zur Natur: Seit 1990 darf am Grünen Band, dem Naturschutzgebiet entlang des ehemaligen Todesstreifens, wieder wachsen, was will.

Quelle: Eckermann

Keine gute Voraussetzung, um sich ausgehend von der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Gut Herbigshagen durch den Sulbig und den Leeren nach Duderstadt zu begeben und dort auf biologische Spurensuche zu gehen. Gut, dass es Experten wie Holger Keil von der Heinz-Sielmann-Stiftung gibt. Und Infotafeln, von denen auf dieser Wegstrecke richtig viele und richtig gute angebracht sind. Doch zurück zur Wanderung.

Das dritte Teilstück der insgesamt 21 Kilometer langen Rundstrecke von Duderstadt über den Pferdeberg zum West-Östlichen Tor und Gut Herbigshagen zurück startet an der Sielmann-Stiftung. Hinter uns liegt der anstrengende Teil des Weges, vor uns der meditative. Dachten wir jedenfalls. Denn obwohl die Route tatsächlich beinahe durchgängig bergab führt, die Wege gut befestigt sind und dank einer perfekten Beschilderung kein Suchen nötig ist, gibt es unterwegs einiges zu Tun. Das meiste davon in der Hocke. Schließlich wollen wir entdecken, was am Wegesrand wächst, und wer an der Strecke wohnt.

Bereits am Startpunkt auf Gut Herbigshagen lassen sich die biologischen Grundkenntnisse auf Stand bringen: Das ganze Jahr über hat das Natur-Erlebniszentrum geöffnet und zeigt alles das, was auch in der Natur gerade zu sehen wäre, noch einmal komprimiert in einer Ausstellung und in Freigehegen, Ställen und Schaukästen. Außerdem steckt eh ein Stückchen Heinz-Sielmann-Geist in den „Eichsfelder Grenzspuren“: Schließlich geht die Realisierung und Finanzierung des gesamten Projektes auf die Stiftung zurück.

Da bietet es sich doch an, die Ideenschmiede in Augenschein zu nehmen, oder? Wandern kann man da ebenfalls, auf den Außenanlagen oder dem Höhenweg: „Zu empfehlen sind jetzt natürlich Waldspaziergänge, bei denen man die schöne Laubfärbung und derzeit auch noch die mannigfaltige Welt der Pilze erleben kann“, rät Holger Keil. „Wer sich vor der Wanderung etwas stärken möchte, kann dies im Hofcafé des Naturerlebniszentrum auf Gut Herbigshagen tun“, empfiehlt er außerdem. Jedenfalls, wenn er zwischen 12 und 17 Uhr startet. Dann hat das Hofcafé geöffnet.

Von der Sielmann-Stiftung aus geht es einen kleinen Hügel bergab in Richtung Leeren. Rechts und links: Grün. Viel Grün, von dem bestimmt einiges demnächst rot und braun und gelb wird – wenn auch hier die Regeln der restlichen Welt gelten, denn zunächst durchquert man ein Waldstück, das sich offenbar aus dem Wettergeschehen komplett heraushält: Unter den dunklen Blättern gibt es viel Schatten, obwohl die Sonne scheint, und es ist geschätzte fünf Grad kühler. Was sich im Schatten allerdings verbirgt, können wir nicht in Erfahrung bringen. Die Tiere scheinen Mittagsschlaf zu halten und von einem tieferen Eindringen möchten wir in Anbetracht eines großartig befestigten Weges – und vermutlich viel Matsch und Gefälle jenseits davon – Abstand halten.

Stattdessen erfreuen wir uns von der sicheren Seite aus am Anblick der Bäume um uns herum: Rotbuchen, Eichen, Hainbuchen, Eschen, Berg- und Spitzahorn, wie Keil erklärt. Vereinzelt sieht man ein paar Nadelbäume: Fichten und Lärchen. Unmittelbar in Bachnähe finden wir einen schönen kleinen Auewaldstreifen mit Roterlen und einigen Weiden. Unter dem Laub kommen wir vor allem ins Reich der Insekten, hier leben viele, verschiedene Käferarten, Ameisen, Spinnen, Wanzen und vieles mehr. Wo Insekten sind, sind natürlich auch Insektenfresser nicht weit. „Man kann das Rascheln von Mäusen auf trockenen Blättern gut hören und es gibt zahlreiche Vögel, die dort auf Jagd sind, zum Beispiel die Amsel“, macht Keil aufmerksam.

Einen Hinweis auf den Farn am Wegesrand benötigen wir nicht: Er ist nicht zu übersehen. Keil erklärt, warum es so viel davon gibt: „Wir bewegen uns in einem schattigen Talgrund. Hier ist zum einen die natürliche Verdunstung durch die Sonne relativ gering und zum anderen gibt es von den umliegenden Hängen – der Schwerkraft folgend – einen Wasserzuschuss.“ Der hat zur Folge, dass es einen „frischen Boden gibt – und den mögen Farne eben besonders gern“.
A propos Wasser: Was hat es eigentlich mit der „Leerenschen Rinne“ auf sich? Klingt ja nicht gerade schmeichelhaft, dieser Name, finden wir.

Und vor allem: Wo ist das Wasser? „Die Leerensche Rinne hat ihren Namen tatsächlich von einem kleinen Bach, der einmal durch die mittlerweile verschwundene Ansiedlung mit Namen ,Leeren’ oder ,Lerne’ floss“, sagt Keil. „Wie der Begriff ,Rinne’ schon andeutet, ist dieser Bach manchmal eher ein Rinnsaal oder das Wasser verschwindet in trockenen Sommern vorübergehend schon mal ganz“, ergänzt er.

Immerhin begegnen wir einige Schritte weiter einem kleinen Teich. Der gehört zu den Schulgärten der St.-Ursula-Schule, wie ein Schild verrät. Der Leeren ist nämlich ein „Naturlernort“, ein „Grünes Klassenzimmer“.

Die letzten Meter in Richtung Duderstadt zeigen, welche Bedeutung Kulturpflanzen auch heute noch im Alltag der Eichsfelder haben. Entlang des Weges sind zu beiden Seiten Felder der umliegenden Höfe zu sehen. Dabei fällt eines besonders ins Auge: Kurz vor Duderstadt reckt sich riesiger Mais in Richtung Sonne. Der ist hübsch, aber nicht stinkend. Das erkennt man sogar ohne jede biologische Kenntnis – von der nach dem Tag auf Wanderschaft immerhin etwas mehr vorhanden ist.

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Eichsfelder Grenzspuren

Dort, wo einst die Grenze BRD und DDR teilte, verläuft heute das rund 1400 Kilometer lange „Grüne Band“. Der Wanderweg „Eichsfelder Grenzspuren“ berührt einen Teil dieses Naturschutzgebietes. Auf 21 Kilometern laden Wildkatzenpfötchen zu einer Spurensuche auf den „Eichsfelder Grenzspuren“ ein.

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©Richter