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„Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter" durch Duderstadt

Neue Stadtführung „Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter" durch Duderstadt

Erstmals ist am Sonnabendnachmittag Claus Ludwikowski in seine neue Rolle als Meister Hans geschlüpft. Der ausgebildete Gästeführer wird von nun an Duderstädter und Besucher der Stadt in das Mittelalter entführen. Die Figur, die er dabei darstellt, ist eine historische: Scharfrichter Hans Zinke.

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Quelle: Eckermann

Duderstadt. Im Mittelalter wäre es sicher eine wenig angenehme Vorstellung gewesen, sich „Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter" zu treffen. Aber in unserer Zeit – und mit der Versicherung des Henkers, Hurenhauswirts und Hundeschlägers, es werde niemand ohne Grund gefoltert oder hingerichtet – gestaltete sich der Nachmittag in Gesellschaft des Meister Hans angenehm, humorvoll und lehrreich.

 

Nachdem Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) den neuen Scharfrichter für die kommenden drei Jahre in sein Amt bestellt hatte, führte Ludwikowski seine Gruppe – nach einer Einführung am Rathaus – in sein „Arbeitszimmer": die Folterkammer, in der nach mittelalterlicher Rechtsvorstellung die göttliche Ordnung – wenig zimperlich – wieder hergestellt wurde. Als Hilfsmittel dienten dabei unter anderem das Anlegen von Daumen- und Beinschrauben oder das Aufziehen. Eindrucksvoll präsentierte Ludwikowksi das Vorgehen – an einem Freiwilligen und ohne ihm Schmerzen zu bereiten, versteht sich. „Diese Foltermethode ist eine grausame Angelegenheit", erklärte er: Die Menschen hätten Todesängste ausgestanden, als ihr Köper unter dem Zug der Seile um bis zu zehn Zentimeter verlängert wurde.

 

Foto: Eckermann

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Tatsächlich zu Tode gekommen seien sie allerdings an anderer Stelle: Im Paradiesteich beispielsweise, einem „grausigen Ort mit einem schönem Namen". Dort seien beispielsweise Frauen „ins Paradies geschickt worden", die gleiches zuvor mit ihren Kindern getan hatten. Oder auf dem Sulberg, zu dem die Mingeröder, die „Galgenvögel" das Holz für Hinrichtungen hin zu liefern hatten.

Auch wenn er keine Deliquenten zu versorgen gehabt habe, sei das Leben als Scharfrichter kein einfaches gewesen, berichtete Ludwikowski: Die Kirchen durfte er nicht betreten, im Gasthaus hatte er auf einem dreibeinigen Schemel Platz zu nehmen, die berufliche Zukunft seiner Kinder sei vorbestimmt gewesen: Bettler oder Scharfrichter. Und auch die Aufgabenfelder abseits des Umsetzens dessen, was die Gerichtsbarkeit ihm auferlegt habe, seien wenig angenehm gewesen: Hunde schlagen und Handschuhe aus deren Leder abliefern beispielsweise. Oder ihr Fett, das als Heilmittel galt. Vom „Arme-Sünder-Fett" ganz zu schweigen.

Zugleich sei der Scharfrichter ein wohlhabender und heilkundiger Mensch gewesen, blickte Ludwikowski mit den Teilnehmern der Führung ins Mittelalter zurück. Doch: Was sollte er anstellen mit dem Geld, wenn die soziale Stellung ein Einzelgängertum mit sich brachte?

Anhand der Kirchen, des Nepomuk-Denkmals an St. Cyriakus, einer Bäckerei, die im Vorbeigehen gestreift wurde und der Mariensäule schilderte Ludwikowski wie beiläufig historische Fakten – so dass die Teilnehmer der Themenführung eine Geschichtsstunde mit Gruselfaktor erleben durften.

 

Stündchen mit dem Scharfrichter
Weitere öffentliche Führungen werden an folgenden Sonnabenden um 14 Uhr angeboten: 27. Juni, 11. Juli, 25. Juli, 15. August, 29. August, 5. September, 19. September. Treffpunkt ist jeweils das Duderstädter Rathaus. Die Mindestteilnehmerzahl liegt bei fünf Personen, sollte aber 15 nicht überschreiten. Anmeldung werden bis 12 Uhr am Veranstaltungstag in der Gästeinformation im Rathaus, Marktstraße 66, entgegengenommen. Eine telefonische Anmeldung ist unter 0 55 27 / 84 12 00 möglich, per E-Mail an info@duderstadt.de.
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