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Aus Kindertagesstätten werden Familienzentren

Modellprojekt Aus Kindertagesstätten werden Familienzentren

Fünf Jahre nach Einrichtung der ersten Krippengruppe im Eichsfeld hat die Kindertagesstätte St. Antonius den nächsten Schritt getan, um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels zu reagieren. Landrat Bernhard Reuter (SPD) eröffnete dort am Freitag das erste von sieben Familienzentren im Landkreis.

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Quelle: Lüder

Gieboldehausen. Das Modellprojekt soll dazu beitragen,  Eltern zu unterstützen, ihre Erziehungskompetenz zu stärken, die Schwelle für schwer erreichbare Familien zu senken, Bildung, Betreuung und Erziehung zu verbinden. Sowohl St. Antonius als auch der Kindergarten Heilige Familie, deren Träger die katholische Kirchengemeinde St. Laurentius ist, nennen sich jetzt Familienzentrum. Räume sind genug vorhanden, der Kita-Betrieb wird durch die Zusatzangebote nicht beeinträchtigt.

Als erste Teilprojekte, die bereits konkretisiert sind, nennt Leiterin Evelin Thiede einen multikulturellen Kochkurs, der im Oktober startet, ein wöchentliches Elterncafé mit pädagogischer Begleitung und eine Elternschule mit Abendkurs. Jeweils montags von 9 bis 11 Uhr und donnerstags von 14 bis 15 Uhr  können sich Familien über das  Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung beraten lassen. Die Kooperation mit Vereinen, Verbänden und Initiativen soll weiter ausgebaut werden, auch ein gemeinsamer Mittagstisch für Eltern und Senioren ist angedacht. Die Palette der Partner reicht von Malkreis und Kreismusikschule bis zum Turnverein Germania und zum Senioren-Helferkreis.

Möglich wurde die Umsetzung des neuen familienpolitischen Konzeptes, das schon seit Jahren in der Schublade lag, durch die Anschubfinanzierung von Land und Landkreis. Vorerst wurden für das erste Jahr 12 000 Euro pro Familienzentrum bewilligt. Reuter geht davon aus, dass die Finanzierung fortgesetzt wird, wenn sich das Projekt bewährt. Der Flecken Gieboldehausen bezuschusst das vom Kreistag interfraktionell initiierte Projekt mit jährlich 3900 Euro, Bürgermeister Otmar Pfeifenbring (SPD) will noch eine Gegenfinanzierung in gleicher Höhe für Koordinierungsaufgaben beim Land beantragen.

„Kein Kind darf auf der Strecke bleiben“, verweist Reuter auf viele Familien, die überfordert oder in sozialer Not seien: „Je eher wir intervenieren, desto wirksamer.“ Zudem sei es  kostengünstiger, zu handeln, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Ebenso wie Reuter betont Pfarrer Matthias Kaminski die Wichtigkeit niedrigschwelliger Angebote mit vertrauten Ansprechpartnern. Die häusliche Lebenswelt der Kinder fordere die Erzieherinnen immer mehr heraus. Jetzt könnten die Eltern noch stärker als bisher eingebunden werden: „Die Kindertagesstätten werden Teil eines die Familien unterstützenden Netzwerkes.“ Kaminski betont, dass nach Einrichtung einer zweiten Krippengruppe im vergangenen Jahr in Gieboldehausen der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz bereits erfüllt sei.

Die vielfältigen Lebenslagen von Familien mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund, die Vereinbarung von Familie und Beruf sowie zunehmende Unsicherheit in Erziehungs- und Alltagsfragen hebt Pfeifenbring hervor. Das ganzheitliche Konzept der katholischen Kirchengemeinde könne mit dem Modellprojekt weiterentwickelt werden.

Thiede merkt an, dass viele Russlanddeutsche nach Gieboldehausen gezogen seien, dass es immer mehr berufstätige Eltern und immer weniger Großeltern gebe, die aushelfen könnten. Familienzentren seien ein zukunftsträchtiges Modell, eine Chance, die Arbeit von Kindertagesstätten zu erweitern und neu auszurichten.

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