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Haft wegen Republikflucht und Hetze

Ausstellung über Frauengefängnis Haft wegen Republikflucht und Hetze

Im Grenzlandmuseum ist zurzeit die Wanderausstellung „Der dunkle Ort. Das Frauengefängnis Hoheneck - 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“ der Heinrich-Böll-Stiftung zu sehen. Zur Eröffnung berichtete die 76-jährige Röntgen-Fachärztin Dr. Ute Steinhäuser aus ihrer Zeit in dem Gefängnis.

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Grenzlandmuseum-Geschäftsführerin Mira Keune (li.) und Zeitzeugin Ute Steinhäuser haben die Ausstellung über das Frauengefängnis Hoheneck eröffnet.

Quelle: Oliver Thiele

Teistungen. „Alles war grau, die Wände, die Bettgestelle, die Gewänder schwarz, aber auch die Gesichter grau“, berichtet die Zeitzeugin. Zwei Jahre habe sie im Gefängnis Hoheneck verbracht, nachdem sie zuvor zwei Jahre und drei Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte. „Ich war von 1975 bis 1979 eingesperrt“, so Steinhäuser, die für sieben Jahre verurteilt wurde, aber nach zwei Jahren durch eine Amnestie freikam. Zwischen dem 35. und 39. Lebensjahr konnte sie ihren Mann lediglich zweimal sprechen, die Kinder gar nicht. Vorgeworfen wurde ihr Republikflucht im schweren Fall sowie staatsfeindliche Hetze und staatsfeindliche Verbindungsaufnahme vorgeworfen - eine Verbindung zu ihren Eltern im Westen. Fliehen wollte sie tatsächlich, doch der Schleuser in Magdeburg kam nicht. Am Tag darauf wurden sie und ihr Mann inhaftiert.

„Das schlimmste war das Redeverbot“, sagt sie. „Auch beim 20-minütigen Freigang im Hof.“ Dabei habe sie gelernt, ohne Lippenbewegungen zu sprechen. Hoheneck war komplett überfüllt, für 600 Gefangene ausgelegt, mit 1600 belegt. „Eine Zwölferzelle war Luxus“, so Steinhäuser. Meistens lebten 20 Frauen in einer Zelle. Regelmäßige Verhöre und Razzien gehörten zum Tagesablauf. „Wir freuten uns, wenn wir einen Korb Armeesocken zum Stopfen bekamen“, verweist sie auf die tägliche Langeweile. Heute spricht sie über ihre damaligen Erlebnisse. Begonnen hat sie damit erst nach ihrem 70. Geburtstag. Sonst wäre die Stimmung immer gleich auf einem Tiefpunkt gewesen, sagt sie. Doch mittlerweile möchte sie die Menschen über das Unrecht aufklären.

Die Ausstellung ist bis 1. November im Grenzlandmuseum Eichsfeld zu sehen.

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