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Azubis gesucht – auch mit Hauptschulabschluss

Gute Chancen auf Ausbildungsplätze Azubis gesucht – auch mit Hauptschulabschluss

Was man euch vor Jahren gesagt hat, stimmt nicht mehr.“ Mit dieser Aussage will Klaus Stietenroth, Leiter der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit Niedersachsen-Bremen, Hauptschülern Mut machen. Noch vor wenigen Jahren hieß es nämlich, mit einem Hauptschulabschluss sei keine Lehrstelle zu bekommen, weil die Betriebe und Berufsschulen ein höheres Leistungsniveau erwarteten.

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Einzelhandel braucht Lehrlinge: Sieben Azubis mit Juniorchef Dominik Gotthardt (rechts) im Duderstädter Edeka-Markt.

Quelle: Blank

Duderstadt. Jetzt appelliert Stietenroth an  Jugendliche, sich auch mit einem Hauptschulabschluss selbstbewusst zu bewerben, da in den Betrieben Fachkräftemangel herrsche und sich eine Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt eingetreten sei.

Diese Aussage trifft auch auf das Eichsfeld zu, wie eine Umfrage unter hiesigen Firmen zeigt.

„Der Einzelhandel sucht immer Lehrlinge, auch mit Hauptschulabschluss“, bestätigt Josef Gotthardt, Seniorchef des Duderstädter Edeka-Marktes in der Feilenfabrik. Dabei hätten auch Jugendliche Chancen, deren Abschluss nicht so gut ausgefallen sei – wenn andere Faktoren stimmten. „Mathe muss man nicht können, aber rechen“, sagt Gotthardt und ergänzt: „Niemand muss im Einzelhandel einen Würfel berechnen, aber die Grundrechenarten sollte jeder beherrschen.“

Wichtiger als gute Noten seien Motivation und Zuverlässigkeit. „Wer schon in der Schule immer unpünktlich war und dafür keine Konsequenzen zu tragen hatte, wird im Beruf Schwierigkeiten haben“, so der Seniorchef. Um solchen Problemen vorzubeugen, sei ein regelmäßiger Austausch zwischen Ausbildungsbetrieb und Schule wichtig.

Chancen gut

Nach Gotthardts Einschätzung sind die Chancen für Hauptschüler – und auch für alle anderen Abschlüsse einschließlich des Abiturs – im Einzelhandel nach wie vor gut, aber er rät vor einer Bewerbung zu einem Praktikum oder zum Probearbeiten. „So kann sowohl der Jugendliche als auch der Betrieb herausfinden, ob der Beruf zu der Persönlichkeit passt“, sagt Gotthardt.

„Wir haben seit Jahren Schwierigkeiten, unsere Lehrstellen zu besetzen. Heute will doch keiner mehr bei 40 Grad aufs Dach“, klagt der Duderstädter Dachdeckermeister Matthias Koch. Zum einen sei das Dachdeckerhandwerk körperlich anstrengend, zum andern müssten die Auszubildenden gut in Mathematik sein. „Rechnen ist bei uns das A und O“, sagt Koch. Nicht nur die Maße eines Daches müssten berechnet werden, sondern auch Kostenvoranschläge für Kunden.

Aber für Hauptschulabsolventen mit einem guten Zeugnis sei das ohne Probleme zu schaffen. „Die berufsspezifischen Berechnungen lernen die Azubis ja auch in den Berufsschulen“, tröstet Koch diejenigen, die noch an ihren Mathe-Kenntnissen zweifeln. Der Meister rät ebenfalls zu einem Praktikum, um für sich selbst herauszufinden, ob der Beruf zu einem passt. Aber bei Bewerbungen für 2013 gebe es auch für Hauptschüler gute Chancen.

„Fachkräfte fehlen, und wir nehmen gerne Hauptschüler, wenn die handwerklichen Fähigkeiten stimmen“, sagt der Duderstädter Bäckermeister Helmut Risse. Allerdings seien heute die Hürden bei den Prüfungen höher als früher, warnt er. Das treffe sowohl auf die Gesellenprüfung als auch auf die Meisterprüfung zu, betont der frühere Obermeister der Bäckerinnung Südniedersachsen. „Es gibt zum Beispiel handwerklich sehr begabte junge Leute in der Förderschule.

Die würde ich gerne nehmen, aber leider schaffen sie meistens die Anforderungen in der Berufsschule nicht“, so seine Erfahrung. Dagegen hätten Hauptschüler heute gute Chancen, schlechte Noten über Nachhilfeunterricht, der auch von der Arbeitsagentur finanziert wird, auszubessern und eine gute Gesellenprüfung zu schaffen. „Das muss nur früh genug unterstützt werden, am besten gleich im ersten Lehrjahr“, rät Risse. Auch er ist der Meinung, dass Begabung, Motivation, Zuverlässigkeit und gerade im Kundenbereich ein gutes Benehmen wichtiger seien als gute Noten.

Ein weiterer Aspekt sei das Elternhaus. „Wenn die Jugendlichen bereits zu Hause gefördert und gefordert wurden, erfüllen sie meist schon alle positiven Voraussetzungen für eine Lehre“, hat der Meister in 40 Jahren Nachwuchsausbildung festgestellt.

Praktika und Probearbeiten

Christine Gudd, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Göttingen, bestätigt, dass die Chancen auf einen Ausbildungsplatz durch Praktika, Probearbeiten oder berufsfördernde Maßnahmen steigen. „Hier finden viele Jugendliche erst heraus, wo wirklich ihre Stärken liegen. Manche machen sich vorher ein falsches Bild von einem Beruf oder schätzen sich selbst falsch ein“, sagt sie.

Besonders für Hauptschüler mit weniger guten Noten seien berufsfördernde Maßnahmen, die auch in Duderstadt angeboten werden, hilfreich. Hier könnten schwache Noten durch praktische Erfahrungen ausgeglichen werden, was die Chancen auf eine Lehrstelle erhöhe, so Gudd. „Oft bewerben sich die Leute mit guten Hauptschulabschlüssen nicht auf offene Stellen, weil in deren Köpfen erstmal eine weitere schulische Laufbahn bis zum Realschulabschluss steht“, hat sie festgestellt.

Dieser Überblick zeigt: Die Aussage Stietenroths trifft auch auf das Eichsfeld zu. Hauptschüler werden als zukünftige Fachkräfte gesucht. Mit etwas Selbstbewusstsein und Motivation haben auch Jugendliche, „die keine Olympioniken in der Schule waren“, so Stietenroth, gute Chancen auf eine Lehrstelle.

Mehr Infos über Ausbildungsberufe gibt es bei der Agentur für Arbeit Göttingen / Berufsinformationszentrum (BiZ) unter Telefon 0 55 1/ 520 670 oder bei der Jobbörse im Internet unter jobboerse.arbeitsagentur.de.

Von Claudia Nachtwey

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