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Bedeutender archäologischer Fund in Duderstadt

Relikte aus dem Mittelalter Bedeutender archäologischer Fund in Duderstadt

Beim Umbau des Hotels Zum Löwen im Jahr 2012 sind während der archäologischen Baubegleitung einige Relikte aus dem Mittelalter entdeckt worden. Die Sensation war eine komplett erhaltene Feinwaage, die nun auch in der Fachbroschüre „Archäologie in Niedersachsen“ Aufmerksamkeit erregte.

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Quelle: Richter

Duderstadt. Als eine „Innovation aus dem Orient“ galt dieser Typ der Klappwaage, die vom 11. bis zum 14. Jahrhundert auch in Mitteleuropa genutzt wurde, um das Gewicht von besonders feinen Waren zu bestimmen. Ärzte, Apotheker, Alchimisten, Goldschmiede oder Händler gebrauchten sie, um kostbare Gewürze, Kräuter oder Edelmetalle abzuwiegen. Eine Dreiteilung des Balkens ermöglicht einen Klappmechanismus, womit das empfindliche Messgerät in einem Futteral aufbewahrt und sicher transportiert werden konnte.

„In dieser Transportposition wurde die Waage in einer Brandschuttschicht des 12./13. Jahrhunderts im Löwenquartier gefunden“, sagt Stephan Sauerland, Grabungsleiter der damaligen archäologischen Baubegleitung und Verfasser des Fach-Artikels. Nur spezialisierte Handwerker haben ein solches Präzisionsmessgerät herstellen können, betont Sauerland. Somit sei es quasi die Hightech des Mittelalters gewesen. Die Duderstädter Feinwaage galt kurzzeitig als das einzige komplett erhaltene Exemplar dieses Typs, das sich eindeutig auf die Zeit des Hochmittelalters datieren lasse. Die fast zeitgleich, im Mai 2012, gefundene Feinwaage bei Jacobsthal im Landkreis Meißen sei jedoch deutlich größer und damit keinesfalls identisch. „Zusammen mit dem sächsischen Fund wird die Vielfalt der mittelalterlichen Technikgeschichte umso deutlicher“, so Sauerland.

In der Lehrwerkstatt der Sartorius AG in Göttingen wurden durch Vermittlung von Karl Bracht drei Feinwaagen nach dem Duderstädter Original nachgebaut. Eine davon ist im Duderstädter Rathaus ausgestellt, eine weitere im Hotel Zum Löwen. Für das mittelalterliche Original soll noch ein Platz in einer speziellen Vitrine geschaffen werden, wo es vor Umwelteinflüssen und Korrosion geschützt ist.

Bis zu den Ausgrabungen im Löwenquartier galt die Theorie von Helmut Sauerteig, der 1940 vermutete, Duderstadt sei aus zwei Siedlungsgebieten, jeweils um die heutige Oberkirche und um die Unterkirche, entstanden. Doch sowohl die Ausgrabungen im Löwenquartier als auch die anschließenden Grabungen in der Hinterstraße widerlegen diese Theorie.

Da die neuen Forschungsergebnisse ebenfalls neue Fragen zur Entwicklungsgeschichte Duderstadts aufwerfen, plant Sauerland seine Doktorarbeit zu diesem Thema. „Anhand der gefundenen Töpferwarengruppen lässt sich eine Keramikchronologie erstellen. Die gäbe im Vergleich mit anderen Städten neue Aufschlüsse über die Besiedlungs-, Kultur- und Handelsgeschichte Duderstadts“, erklärt Sauerland. Dank der neuen Ausgrabungsergebnisse ließe sich die Stadtgeschichte aktualisieren.

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