Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Behindertenwallfahrt: Blinder Diakon berührt Pilger mit persönlichen Worten

„Bewundernswert“ Behindertenwallfahrt: Blinder Diakon berührt Pilger mit persönlichen Worten

Sie kamen mit Rollstühlen und Rollatoren, mit Gehhilfen und Blindenstöcken. 400 Menschen, einige davon aus Stade, Hannover und Hildesheim, nahmen am Sonntag an der ersten Marienwallfahrt für Menschen mit Behinderung, Kranke und Ältere in Germershausen teil. Zahlreiche Helfer, insbesondere die Malteser, kümmerten sich um die Pilger.

Voriger Artikel
Stadt- und Gemeindewettbewerben der Feuerwehr Nesselröden
Nächster Artikel
Erste Rallye des Oldtimer-Stammtischs Duderstadt stößt auf großes Interesse

Germershausen. „Was Sie da tun, ist unverantwortlich“, wurden die Eltern des Göttinger Diakons Martin Wirth angefeindet.

Fünf Kinder bekam das Ehepaar. Vier davon waren aufgrund einer Erbkrankheit blind. Auch Wirth, der Jüngste, kann nicht sehen. „In meinem Schwerbehindertenausweis habe ich alle Stempel, die möglich sind“, erklärte er seinen Zuhörern. Dann schwieg er lange, um endlich zu sagen: „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar.“

Er bewältige heute alle Aufgaben eines Diakons. Der Geistliche räumte ein, dass der Umgang mit behinderten Menschen Geduld und Rücksicht verlangt. Viele Gesunde empfänden das als Last. Eine humane Gesellschaft könne jedoch nicht auf die Erfahrungen von Behinderten verzichten. Anderenfalls verliere sie ihre Mitmenschlichkeit.

Der Diakon sprach auch über Kranke. Ein Besuch passe oft nicht in den Tagesablauf. Wirth riet aber, sich die Zeit zu nehmen. Gemeinsam solle man innezuhalten und erkennen, dass nichts selbstverständlich sei. Kranke, behinderte und alte Menschen warnte der Geistliche vor Selbstmitleid.

Es hindere sie daran, die Wirklichkeit Gottes zu sehen. Sie würden auch in den dunkelsten Stunden von einer Hand gehalten. Für die persönlichen Worte gab es kräftigen Applaus. „Bewunderswert“, erklärte die Hannoveranerin Josefine Schalk nach der Messe.

Sie war zusammen mit fünf Bewohnern einer Einrichtung des Vinzentinerordens nach Germershausen gefahren worden. „Nach dieser Schilderung nehmen sich unsere Wehwehchen klein aus“, meinte die Rollstuhlfahrerin, die 40 Jahre lang Gemeindereferentin war.

Wie sehr ein Unfall das Leben verändern kann, hat Karl Kreis aus Rollshausen erlebt. Er hat im Koma gelegen und muss seit seiner Genesung Krücken benutzen. Nach Germershausen kam er mit dem Rollator. „So kann ich während des Gottesdienstes sitzen“, erklärt er.

Tränen kommen Irmgard Müller aus Mingerode, wenn sie das Germershäuser Wallfahrtslied hört. „Früher sind wir immer zu Fuß nach Germershausen gepilgert“, erzählt die Rollstuhlfahrerin. Heute ist sie auf Hilfe angewiesen.

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter