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Besuch von Schafen

Skudden-Lämmer im Altenpflegeheim St. Martini Besuch von Schafen

Einmal im Jahr erwarten die Bewohner des Duderstädter Altenpflegeheims St. Martini ganz besonderen Besuch: Im Frühling bringen Hobbyschäfer Konrad Kienberger und seine Frau Renate ein paar Skudden-Lämmer zu den Senioren. Die Freude darüber sei immer wieder riesig, bestätigen die beiden Schafhalter.

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Hobbyschäfer Konrad Kienberger bringt gemeinsam mit seiner Frau Renate seit zehn Jahren jährlich seine Tiere zu den Bewohnern des Pflegeheims St. Martini.

Quelle: Richter

Duderstadt. Altenheimbewohnerin Adelheid Otto hält das weiße Lämmchen auf dem Schoß und strahlt. „Das kleine Tier zu streicheln, etwas lebendiges im Arm zu halten oder sich an die eigene Kindheit auf dem Land zu erinnern, ist die allergrößte Freude für viele der Heimbewohner“, weiß Renate Kienberger, die selbst schon 77 Jahre alt ist. Seit mehr als 30 Jahren kümmert sie sich ehrenamtlich um die Senioren, singt mit ihnen Lieder aus alten Zeiten oder verkleidet sich im Advent als Nikolaus – im selbstgenähten Kostüm natürlich.

Als ihr Mann Konrad (78) als Pflegedienstleiter in St. Martini in den Ruhestand ging, erfüllte er sich den Wunsch, selber Schafe zu halten. Als dann die ersten Lämmchen geboren wurden, war Renate Kienberger so begeistert, dass sie vorschlug, die Bewohner von St. Martini an dieser Freude und dem jungen Leben teilhaben zu lassen. „Wir bleiben immer nur kurz im Altenheim, damit die Lämmer nicht allzu lange von ihren Müttern getrennt sind“, erklärt sie. Aber die Freude der Senioren sei unbeschreiblich.

Dass es ausgerechnet eine alte ostpreußische Schafrasse ist, sei kein Zufall, meint Kienberger, sondern ein Gedenken an ihre alte Heimat. Als Sechsjährige ist sie mit Mutter, Oma, Tante und vier kleinen Kindern aus Ostpreußen über das Frische Haff nach Westen geflohen. Die Oma überlebte die Flucht nicht, schreckliche Erinnerungen begleiten Renate Kienberger noch bis heute. Auch ihre Mutter hatte sie auf der Flucht vorübergehend verloren. Und es sei ein Wunder gewesen, dass sie diese nach zehn Tagen schließlich wiedergefunden hatte. Als ein weiteres Wunder bezeichnet die gläubige Katholikin, dass sie zu den Überlebenden gehörten. „450 000 Menschen sind damals allein im Haff umgekommen“, sagt sie.

Um für diese Wunder in ihrem Leben Dankbarkeit weiterzutragen, habe sie sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für Alte und Kranke engagiert. Und Freude mache ihr dieser Einsatz für ihre Mitmenschen außerdem.

Doch nicht nur sentimentale Erinnerungen nennt Renate Kienberger als Grund für die Ansammlung von Schafen, Hühnern und Kaninchen auf ihrem Hof. Sie bekennt sich zum Naturschutz, betreibt den Garten biologisch, spricht sich deutlich gegen das derzeit verhandelte transatlantische Freihandelsabkommen aus und sagt: „Neugeborenes Leben ist das größte Wunder, das Gott geschaffen hat.“ Und ihre Ehrfurcht und Freude darüber möchte Renate Kienberger gemeinsam mit ihrem Mann weitergeben.

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