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Bildgewordene Sehnsucht nach Harmonie

Joseph Heike Bildgewordene Sehnsucht nach Harmonie

Seine Werke sind vor allem eines: Die bildgewordene Sehnsucht nach Heimat und Harmonie. Egal, ob in kleinen Federzeichnungen, großen Ölgemälden, in Aquarell oder Buntstift: Die Motive des Leinefelder Künstlers Joseph Heike (1901-1945) widmeten sich häufig dem Eichsfeld und so gut wie immer der Natur.

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Burg Bodenstein: Für gewöhnlich fielen die Landschaftsbilder des Leinefelders Joseph Heike naturalistischer aus.

Quelle: Repro: Stadt Duderstadt

Unter seinen mehr als 400 Bildern finden sich lauschige Dörfer, sanfte Landschaften oder pittoreske Burgen. Knapp 70 von ihnen sind ab dem 25. März in einer Ausstellung im Duderstädter Rathaus zu sehen. Als Anlass dienen gleich zwei Lebensdaten des Malers: Sein 110. Geburtstag fällt auf den 10., sein 66. Todestag auf den 15. März.

Hinter der Ausstellung steckt der Leinefelder Joseph-Heike-Förderverein, der sich 1998 gegründet hat. Auf die Idee, die Werkschau in Duderstadt abzuhalten, sei man bei der jährlichen Versammlung der 70 Mitglieder gekommen, die im vergangenen Jahr in der Brehmestadt stattfand. Die Vorsitzende Ursula Apel will den Duderstädtern einen Überblick über das Schaffen des Künstlers geben, einen Einblick in die Bandbreite der Techniken und Motive des einstigen „Freundes der Familie“, wie die 77-Jährige Heike beschreibt. Als „liebenswürdigen Onkel“ habe sie ihn kennengelernt, viele Liederabende hätten sie zusammengeschweißt – so erklärt sie , wie sie persönlich zum Maler Heike kam. Dessen Werk will sie vor dem Vergessen bewahren. Dabei muss sie auf Bilder aus nah und fern zurückgreifen. Denn: Schon „vor der Grenzöffnung hat jeder Geflohene ein kleines Stückchen Heimat mitgenommen“ – und das war oftmals ein Bild von Heike. Der als Wandervogel und im Heimatverein organisierte Heike war, nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Priester, freischaffender Landschaftsmaler.

Seine Hauptschaffenszeit hatte der Maler in den 1930er-Jahren. Voraussetzung dafür, in der NS-Zeit überhaupt auf diesem Feld arbeiten zu dürfen, war die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer, der der Leinefelder 1934 beitrat. Mit der Aufnahme ging eine Überprüfung der politischen Zuverlässigkeit einher – Heikes Sujets und seine Techniken als Künstler waren offensichtlich zu unverdächtig, um Anstoß zu erregen. Diese Arbeitserlaubnis bewahrte ihn nicht davor, zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Bei Gefechten im Raum Dresden schwer verwundet, verstarb er 1945 in einem Lazarett in Sachsen.

Auch in einigen Duderstädter Stuben hängen Bilder von Heike, verrät Ursula Apel. Ob sie alle zu sehen seien werden, ist jedoch noch unklar. Doch einige der lokalen Motive werden sicherlich im Rathaus hängen. Schließlich fertigte Heike auch eine Bilderserie zum 1000-jährigen Bestehen der Stadt im Jahr 1929 an.

Die Faszination des Landschaftsmalers macht nach Meinung Apels aus, dass seine Bilder „nicht so abstrakt sind, er zerreißt die Menschen nicht so“. Sie untermauert diese Einschätzung mit einer Anekdote. Nach einer Ausstellung sei ein Betrachterin zu ihr gekommen und habe sich mit den Worten bedankt: „Wenn man hier durchgeht, strahlt einem so viel Ruhe entgegen.“

Ein eigenes Bild von Heikes Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen können sich Besucher vom 25. März bis 6. April im alten Rathaus machen. Nach der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, 24. März, ab 18 Uhr ist der Saal jeweils montags, mittwochs und freitags von 10 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 10 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Von Erik Westermann

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