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Blaumeisen sollen Balkan-Motten dezimieren

Stadtwall-Kastanien Blaumeisen sollen Balkan-Motten dezimieren

Seit Jahren sind die nicht nur bei sammelnden Kindern beliebten Kastanien auf dem Duderstädter Stadtwall wie fast alle ihre Artgenossen in Mitteleuropa von der Miniermotte befallen. Wie bei der Euro-Krise handelt es sich auch bei der Kastanien-Krise um eine schleichende Entwicklung, deren langfristige Folgen schwer absehbar sind.

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Weniger welk als in den Vorjahren: Rosskastanien auf Duderstädter Stadtwall.

Quelle: Lüder

Duderstadt. Der Kampf gegen das Kleingetier, das die Laubbäume auslaugt, ist angesichts der lokalen Großereignisse in diesem Jahr auf der Prioritätenliste der Stadt zwar nach unten gerutscht, aber nicht in Vergessenheit geraten. Und den Kastanien war zumindest eine kleine Verschnaufpause vergönnt, da das Zerstörungswerk der Motten in diesem Jahr langsamer vorangeschritten ist.

Inzwischen sehen die meisten Wallkastanien im Licht des Herbstes zwar erbärmlich aus, aber immer noch besser als in so manchem Jahr zuvor. Die Blätter sind erst später ausgetrocknet, weniger welk und braun geworden, die Kronen wirkten länger vital. Das bestätigt auch der städtische Baumexperte Frank Widera und mutmaßt als einen Grund dafür den Wetterverlauf. „Die heftigen Schauer im Sommer haben abgelegte Eier heruntergespült“, sagt Widera. „Der Witterungsverlauf hat den Bäumen geholfen und Stressfaktoren minimiert“, meint auch Ulrich Simmat von der Heinz-Sielmann-Stiftung: „Es gab weder extreme Hitze noch lange Trockenheitsperioden in diesem Sommer. Das ist gut die Kastanien und schlecht für die Motten.“

Blaumeisen-Brutstätten erhöht

Ihren Teil zur Dezimierung der fortpflanzungsfreudigen Parasiten, die bis zu drei Generationen pro Jahr hervorbringen, könnten auch natürliche Feinde beigetragen haben. Deren Zahl hat der Bauhof vor zwei Jahren durch das Aufhängen von Blaumeisen-Brutstätten in den Wallbereichen mit befallenen Bäumen erhöht. Im Zuge der Aktion „Rettet die Kastanien“ waren die Schulen angeschrieben und von Schülern Nistkästen gebaut worden.

Rund ein Viertel der 365 Wallbäume sind bis zu 200 Jahre alte Rosskastanien. Probleme bekamen sie erst, als sich die 1984 in Mazedonien entdeckte und von Kastanien wie andere Motten vom Licht angezogene Miniermotte seit den 90er-Jahren explosionsartig in Europa ausbreitete.
Mit den unerwünschten Neozoen, die am Natur- und Kulturdenkmal Wall nagen, befasst sich die Stadt schon seit Jahren. Im Zuge des Krisenmanagements wurde eine Fachhochschularbeit erstellt, deren Pflegekonzept allerdings kein Patentrezept bieten konnte und für nicht weniger Kopfzerbrechen sorgte als die Balkan-Motte selbst.

Einsatz von Chemie erscheint problematisch

Die Empfehlung, das komplette Falllaub der über den Wall verstreuten Kastanien, in dem die Puppen der Parasiten ebenso wie im Erdboden darunter überwintern, einzusammeln und zu vernichten, war nicht umsetzbar. Auch der Einsatz von Chemie erscheint problematisch. So blieb nur die Aufrüstung der Bio-Luftwaffe: Auf eine wachsende Meisen-Population richtet sich jetzt die Hoffnung, die Schädigung der Bäume zumindest abzubremsen. Die sterben allein durch den Motten-Befall in aller Regel zwar nicht ab, in Kombination mit anderen Stressfaktoren aber mitunter doch. Auf dem Wall muss Jahr für Jahr mindestens eine total geschädigte weißblühende Rosskastanie beseitigt werden. Als Ersatz werden rot blühende Arten gepflanzt. Die sind resistent gegen die Balkan-Motten.

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Gegen die Miniermotten, unter deren Befall die Rosskastanien auf dem Duderstädter Wall seit Jahren leiden, werden natürliche Feinde eingesetzt: Blaumeisen sollen jetzt die Parasiten dezimieren.
Die Hangars für die gefiederte Bio-Luftwaffe sind bereits geliefert: Duderstädter Schüler haben in unterrichtsbegleitenden Projekten Nistkästen für Blaumeisen gefertigt und jetzt an Frank Widera vom städtischen Bauhof übergeben. Der freute sich ebenso wie Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) über den Beitrag zum Erhalt des Natur- und Kulturdenkmals Wall auch für kommende Generationen.

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