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Anästhesist klagt gegen Kündigung

Bluttransfusion mit tödlichem Ausgang Anästhesist klagt gegen Kündigung

Mit der Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung eines Anästhesisten, dem das Krankenhaus St. Martini einen Behandlungsfehler mit Todesfolge vorwirft, wird sich das Göttinger Arbeitsgericht beschäftigen. Nach Angaben des Krankenhauses habe der Arzt Klage auf Wiedereinstellung erhoben.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Duderstadt. Das Gericht soll nun klären, ob die Kündigung des Oberarztes rechtmäßig ausgesprochen wurde. Ihm wird nach Angaben des Arbeitsgerichtes ein schwerer Behandlungsfehler vorgeworfen. Der Arzt hatte im Dezember für eine 81 Jahre alte Patientin aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes während einer Operation eine Eigenblutkonserve angefordert. „Das Labor lieferte versehentlich die Eigenblutreserve eines anderen Patienten mit gleichen Nachnamen“, so das Gericht. Dennoch wurden der 81-Jährigen zwei Konserven der falschen Blutgruppe verabreicht. Die Patientin starb. Die Staatsanwaltschaft Göttingen ermittelt seither.

Bedside-Test

Untersuchung am Bett

Der sogenannte „Bedside-Test“ beschreibt eine Laboruntersuchung unmittelbar am Bett des Patienten. Dazu zählt unter anderem die Bestimmung der Blutgruppe durch den Arzt. Sie soll vor jeder Transfusion vorgenommen werden,um die Möglichkeit einer Verwechslung von Blutkonserven auszuschließen.

Der Anästhesist behauptet, er habe einen während einer Operation eingesetzten Pfleger ausdrücklich angewiesen, „dass zunächst keine Transfusion vorzunehmen sei“, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitsgerichtes. Zudem sei die Verwechslung auch auf ein Organisationsverschulden des Krankenhauses zurückzuführen, woraufhin es auch bei einer zweiten Ärztin zur Verwechslung von Blutkonserven gekommen sei. „Letztendlich scheitere die Wirksamkeit der Kündigung an dem Fehlen einer vorherigen Abmahnung“, schildert das Gericht die Ansicht des Arztes.

Das Krankenhaus hingegen wirft dem Arzt vor, er habe weder den vorgeschriebenen „Bedside-Test“ vorgenommen, noch Vornamen und Geburtsdatum der Patientin abgeglichen. Damit hätte eine Verwechslung rechtzeitig festgestellt werden können. Bei einem derart schwerwiegenden Behandlungsfehler sei die Kündigung des Arbeitsverhältnisses auch ohne vorherige Abmahnung zulässig, so die Argumentation seitens des Krankenhauses.

Die Kündigung ergebe sich - unabhängig von der strafrechtlichen Bewertung des Falles - „aus dem groben Verstoß gegen geltende Bestimmungen zu Transfusionen im St.-Martini-Krankenhaus“.

„Dass dieser Vorfall trotz des zertifizierten Qualitätsmanagementsystems und den entsprechenden Dienstvorschriften passieren konnte, schockiert Krankenhausleitung und Mitarbeiter gleichermaßen“, teilt die Krankenhausleitung mit.

Das Krankenhaus selbst hatte nach dem Tod der Frau die Ermittlungsbehörden eingeschaltet. Zudem sei „eine umfangreiche Analyse der entsprechenden Qualitätssicherungsmaßnahmen“ angeordnet worden, heißt es in einer Stellungnahme. Unter anderem sei eine Untersuchungskommission unter Beteiligung des zentralen Qualitäts- und Risikomanagements des Krankenhausträgers Vinzenz-Verbund Hildesheim gebildet worden. Sie soll eventuelle Fehlerquellen identifizieren, um „die Wiederholung eines solchen Vorfalls zu verhindern“.

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