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Briefmarken-Tauschtag in Duderstadt

Kulturgeschichte mit Klebefläche Briefmarken-Tauschtag in Duderstadt

Einmal im Jahr wird das Jugendgästehaus zur Börse für Philatelisten. Es ist ein eingeschworener Kreis von Liebhabern, der sich dort jetzt wieder zum Tauschtag des Briefmarken-Sammlervereins Duderstadt getroffen hat.

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Briefmarken-Tauschtag in Duderstadt

Quelle: Mahnkopf

Duderstadt. Konzentrierte Ruhe herrscht, wenn sich ältere Herren mit Lupen und Pinzetten über Kästen mit Ansichtskarten, Briefe, Sonderstempel und Briefmarkenalben beugen. Rund drei Dutzend Besucher aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern sind zum Tauschtag nach Duderstadt gekommen, die meisten gleich zu Beginn. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt Vereinsvorsitzender Udo Unzeitig, der den Tauschtag unter anderem im Briefmarkenspiegel und der Deutschen Briefmarken Zeitung beworben hat. Die Zahl der 28 Mitglieder ist seit Jahren relativ konstant, jüngstes Mitglied mit 43 Jahren Thomas Bloch, Nachwuchs nicht in Sicht. „Wir erreichen die Jugendlichen nicht mehr“, bedauert Unzeitig, der seit 1955 dabei ist und zehn Jahre lang eine Jugendgruppe geleitet hat, den schleichenden Niedergang eines früher weit verbreiteten Hobbys. Auch Briefmarkensets als Überraschungspakete am Kiosk sind zur Ausnahme geworden.

„Marken werden fast nur noch gedruckt, um die Sammler zufriedenzustellen“, meint Peter Kraft. Im Michel-Katalog – „unserem Gesangsbuch“ – zeigt der 72-jährige Duderstädter die älteste deutsche Briefmarke, die mit vierstelligem Sammlerwert angegebene schwarze Ein-Kreuzer-Marke aus Bayern. Philatelisten haben es schwerer als Vinyl-Fans. Während die Schallplatte ein Nischen-Comeback feiert, fürchten die Liebhaber von Postwertzeichen, dass die Briefmarke in einigen Jahren gänzlich von Stempeln mit Barcode verdrängt wird. „Damit würde auch ein Stück Kulturgeschichte verlorengehen“, sagt Kraft. Hans-Georg Osburg pflichtet ihm bei: „Briefmarken tragen dazu bei, Geschichtswissen zu vermitteln, Zeitabläufe zu verstehen – und erziehen zur Sorgfalt.“ Unzeitig zeigt einen Maschinenstempel aus der NS-Zeit, der in der DDR weiterverwendet wurde. Nur der Text wurde verändert: Aus „Kampf dem Kartoffelkäfer“ wurde „Achtet auf den Kartoffelkäfer“.

Die meisten Vereinsmitglieder haben sich auf Ländersammlungen spezialisiert, es gibt aber auch Motivsammler. Die erste Briefmarke in Krafts Sammlung zeigte die Victoria-Wasserfälle. „Wenn man schon nicht die ganze Welt bereisen kann, holt man sie sich im Kleinformat ins Haus“, umschreibt er den Weg, den sein durch Karl-May-Lektüre gewecktes Fernweh genommen hat. Der Tiftlingeröder Michael Adam sammelt alles, was mit Hamburg zu tun hat, Feldpostkarten und Ansichtskarten aus dem hohen Norden. Als Festausschussmitglied für die 875-Jahr-Feier seines Heimatortes hat er Blanko-Karten mit örtlichen Motiven geordert. Eine Briefmarke mit einem Duderstädter Motiv hat es bislang nur einmal gegeben: Im August 1984 wurde die 60-Pfennig-Marke 750 Jahre Rathaus herausgegeben.

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