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Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und Fritz Hartnagel als szenische Lesung

„Damit wir uns nicht verlieren“ Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und Fritz Hartnagel als szenische Lesung

Am 22. Februar  1943 wurde Sophie Scholl zusammen mit ihrem Bruder Hans und dem Kommilitonen Christoph Probst von den Nationalsozialisten hingerichtet.

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Atmosphärisch dicht: Maja Müller-Buhla, Christoph Stein und Martin Tschoepe am Kontrabass lassen Zeitgeschichte lebendig werden.

Quelle: Richter

Duderstadt. Ihre letzten Herzschläge wurden während einer Lesung in der Buchhandlung Mecke durch einen dumpfen Kontrabass spürbar gemacht. Dieser verstummte so plötzlich wie die Herzen der drei jungen Menschen. Die drei Studenten gehörten der Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ an. Betroffene Stille herrschte in den dichtgedrängten Zuschauerreihen.

Der Briefwechsel unter dem Titel „Damit wir uns nicht verlieren“ zwischen der Widerstandskämpferin und ihrem Verlobten, dem Wehrmachtsoffizier Fritz Hartnagel, wurde von den beiden Schauspielern Maja Müller-Buhla und Christoph Stein szenisch vorgetragen.

Der Musiker Martin Tschoepe unterstrich mit Klangbildern an seinem Kontrabass Stimmungen, Szenen und die subjektive Wahrnehmung zweier Liebender, deren Beziehung vom Horror der NS-Zeit überschattet wurde.
Ob Sophie und Fritz in der heutigen Zeit ein Paar geblieben wären, ist jedoch zweifelhaft.

Mit minimaler Ausstattung

Zu unterschiedlich zeigten sich in den Briefen die Erwartungen, Charaktere und Meinungen zweier junger Menschen. In der durch den Krieg begründeten räumlichen Trennung hielt der innige Kontakt jedoch über Jahre bis zu Sophies Tod. „Zu wissen, dass jemand da ist...“, schrieb die Studentin an ihren Fritz, und diese Aussage offenbarte sich als die einzige notwendige Basis für den Briefwechsel.

Mit minimaler Ausstattung lasen die beiden Schauspieler Müller-Buhla und Stein die Briefe vor: Fritz irgendwo im Krieg, in Frankreich, Holland, Russland, Sophie in Deutschland, beim Arbeitsdienst, im Widerstand – beide mit der Angst und Zerstörung des immer grausamer voranschreitenden Krieges vor Augen. In der Lesung begann der Briefwechsel 1938. Zwei Jugendliche hatten Gefühle füreinander, die Gleichaltrige heute ebenso beschreiben könnten.

Doch mit jedem weiteren Jahr wurde der Wandel spürbar. Aus den Alltags-Banalitäten wie Schule, Ferienfahrten oder Familienfeiern wurden Fragen: zum Soldatentum, zum Töten, zur freien Entscheidung. Sophie hat andere Antworten gefunden als Fritz. Verbindend blieb jedoch das Grauen. Müller-Buhla und Stein blickten zum Himmel, der Kontrabass vertonte die Bomber über den Köpfen der Menschen, die Verzweiflung war auch im Publikum zu spüren.

Mit Bravour

Die Briefe veränderten sich erneut, wurden oberflächlicher und verschwiegen mehr als sie sagten, je weiter der Krieg fortschritt. „Ich bin ebenso wenig gefährdet wie Du“, versuchte Fritz, Sophie zu beruhigen. Er ahnte weder etwas von der Widerstandsbewegung, der sich seine Verlobte bis zur letzten Konsequenz angeschlossen hatte, noch von der Bedrohung, die sich mehr und mehr auch über die Zivilbevölkerung legte. Ebenso wenig erfuhr Sophie von den tatsächlichen Ereignissen an der Front. Briefe konnten in falsche Hände geraten, wurden zensiert oder kamen nie an. Sophies letzter Brief erreichte Fritz erst nach ihrem Tod.

Müller-Buhla und Stein meisterten dieses bedrückende Thema mit Bravour. Das Publikum war mitgerissen, musste das Gehörte sacken lassen, bis die ersten Fragen strömten, zu denen die Schauspieler nach der Lesung aufforderten.
Der Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und Fritz Hartnagel „Damit wir uns nicht verlieren“ ist 2005 im S. Fischer Verlag erschienen.

Von Claudia Nachtwey

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