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Broschüre dokumentiert Grabungen im Duderstädter Löwenquartier

Archäologie zum Nachschlagen Broschüre dokumentiert Grabungen im Duderstädter Löwenquartier

Im Jahr 1693 wurde in der Marktstraße das Gasthaus Zum Löwen erbaut – nicht etwa auf Sand, sondern auf Fragmenten einer jahrhundertealten Siedlungsgeschichte. Als 2012 das Löwenquartier vom heutigen Eigentümer, dem Ottobock-Chef Hans Georg Näder, von Grund auf restauriert wurde, kamen einige archäologische Sensationen zum Vorschein, welche die Stadtgeschichte in neuem Licht erscheinen lassen.

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Ausgegrabene Keramikwaren und weitere sensationelle Fundstücke geben Aufschlüsse über das mittelalterliche Leben in Duderstadt.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Bereits im Jahr 1986 wurde das Hotel Zum Löwen vom damaligen Besitzer umgebaut. Dabei sind jedoch Kulturschichten im Boden der Marktstraße 30  zerstört worden, ohne sie zuvor archäologisch zu erfassen und zu dokumentieren. Dieses Versäumnis wollte Bauherr Näder nicht wiederholen und wies daher bei seiner Restaurierung 2012 eine umfassende archäologische Baubegleitung an, die nun in einem 120-seitigen Werk zusammengefasst wurde.

Grabungsleiter Stephan Sauerland schildert in einem detaillierten Bericht die wissenschaftliche Vorgehensweise bei den Ausgrabungen sowie die daraus resultierenden Erkenntnisse. Nach einer Einleitung des Duderstädter Historikers Reinhard Hauff über die Besiedlung des Duderstädter Stadtraums seit dem 5. Jahrhundert erörtert Sauerland die Lage und erste Einschätzung der Grabungsstätten Hotel Zum Löwen und der beiden benachbarten Grundstücke, Marktstraße 32 und 34. Ergänzt durch Grabungspläne, Fotografien, Bau- und Erdbefunde und diverse Grafiken führt Sauerland durch die einzelnen Grabungsabschnitte, erläutert die Entdeckungen der Archäologen und erklärt deren historische Zusammenhänge. Der bis 2012 geltende Forschungsstand über die Duderstädter Stadtentwicklung konnte anhand der neuen Funde deutlich erweitert werden. Besonders erwähnt sind hier vor allem mittelalterliche Straßenbefestigungen, eine spätmittelalterliche Kloake, zwei Kellerbefunde und ein hochmittelalterlicher Brunnen. Allein in der sechs Meter tiefen Kloake kamen vielversprechende Relikte aus vergangenen Epochen zum Vorschein. Tierknochen, Speisereste, Keramik oder luxuriöse Lederwaren geben ein Bild vom mittelalterlichen Alltag an der Brehme. Eine ausgegrabene Feinwaage aus dem 12. Jahrhundert gilt als Nachweis für einen Fernhandel in Duderstadt im ausgehenden Hochmittelalter. Einzigartig ist auch der grün lasierte Keramik-Ritter auf seinem Pferd, vermutlich ein Spielzeug, datiert um 1200.

Diverse Fundstücke sind heute ebenso im modernen Design-Hotel Zum Löwen zu besichtigen wie der älteste Brunnen Duderstadts aus dem 13. Jahrhundert, der im Spa-Bereich des Hotels freigelegt und mit einer Glasplatte bedeckt der Nachwelt erhalten bleibt.

Die Broschüre mit dem Titel „Archäologische Baubegleitung Hotel Zum Löwen Duderstadt“, gestaltet von der Wunderblock GmbH Berlin, liegt ebenfalls dort für Interessierte zum Nachschlagen aus. Auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) zeigt sich begeistert von Näders Initiative, beim Umbau des Löwenquartiers die archäologischen Grabungen auf diese anschauliche Weise zu dokumentieren. „Ein Meisterwerk“ und „ein herausragendes Geschenk an die Stadt, die Region und die gesamte Fachwelt“, nennt er die Broschüre.

Von Claudia Nachtwey

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