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Brüderpaar aus Duderstadt freigesprochen

Gefährliche Körperverletzung Brüderpaar aus Duderstadt freigesprochen

Das wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte Brüderpaar, das sich am Dienstag vor dem Jugendschöffengericht des Duderstädter Amtsgerichts verantworten musste, ist freigesprochen worden. Richter Michael Pietzek begründete das Urteil mit einer uneindeutigen Beweislage und widersprüchlichen Aussagen der Zeugen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Duderstadt. Es sei nicht zu beweisen, dass die 21 und 22 Jahre alten Brüder die Blessuren eines 26-Jährigen herbeigeführt hätten. Möglicherweise habe er sich die Gesichtsverletzungen bei einem Sturz zugezogen. Damit folgte das Gericht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die den Grundsatz „In dubio pro reo“ – „Im Zweifel für den Angeklagten“ geltend gemacht hatten.

 
Vieles blieb im Unklaren. Sicher ist einzig: Erst flogen Böller, dann gab es einen Verletzten. Ob ein durch das spätere Opfer vor die Füße eines der Brüder geworfener Silvesterknaller den Ausschlag für eine Auseinandersetzung gab, blieb im Unklaren. Die Angeklagten jedenfalls stellten den Tathergang so dar.

 
Überhaupt hätten sie es nicht nachvollziehen können, dass sie auf der Anklagebank säßen und nicht ihr Kontrahent, machten die 21 und 22 Jahre alten Brüder deutlich. Schließlich habe er sie mit einem Knallerwurf provoziert, als sie gegen 1 Uhr vor einer Gaststätte an der Apothekenstraße gestanden hätten und er im Auto einer Freundin vorgefahren sei. Er sei es gewesen, der zuerst auf den älteren der Duderstädter losgegangen sei, wobei es zum Sturz der Männer gekommen sei. Der jüngere Bruder habe schlichten wollen, da er um die Konsequenzen einer Schlägerei fürchtete – beide Brüder sind auf Bewährung in Freiheit. Als er dazwischen gegangen sei, habe er selbst Schläge und einen Tritt kassiert. Zudem habe es während der Auseinandersetzung und am Folgetag per WhatsApp Beleidigungen gehagelt, die der Kontrahent der Brüder und dessen Freundin ausgeteilt hätten. So habe die Freundin den älteren der Brüder als „Hurensohn“ bezeichnet.

 
Ebenfalls blieb unklar, ob der 26-Jährige auf die Brüder losgegangen war, da er wegen eines älteren Betrugsfalles und wegen Geldschulden noch ein Hühnchen mit den Duderstädtern zu rupfen hatte. Gegenüber der Polizei soll ausgesagt worden sein, er habe die Freundin, die das Auto steuerte, gebeten, anzuhalten. Er müsse mit den beiden etwas klären. Die Version des 26-Jährigen, der mit einer Riss-Quetschwunde an Stirn und Nase, einer Jochbeinprellung sowie Hautabschürfungen aus der Schlägerei herausgegangen war, klang deutlich anders. Er sei mit seiner Verlobten und einem befreundeten Paar in die Stadt gefahren, um einen Döner zu holen. Die Frauen seien im Auto geblieben, während er und sein Kumpel zunächst einige Knaller auf der Apothekenstraße gezündet hatte – verbotenerweise, wie sie zugaben. Anschließend habe er sich einer Personengruppe genähert, der 22-Jährige habe ihn beim Kragen gepackt und auf den Boden geworfen. Der jüngere Bruder habe auf ihn eingeprügelt und ihn getreten, sodass er im Krankenhaus habe behandelt werden müssen. Erst ein Tritt des Cousins der Angeklagten gegen den Jüngeren und das Eingreifen weiterer Helfer habe die Schlägerei beendet.

 
Wer wen warum geschlagen hat und ob nicht ein Sturz ursächlich für die Verletzungen war – dazu hörte sich Richter Pietzek mehr Varianten an, als er Zeugen im Saal aufrief. Denn diese hatten zum Teil gegenüber der Polizei abweichende Angaben gemacht. „Ich bin überzeugt davon, dass der ein oder andere heute gelogen hat“, merkte er während der Urteilsbegründung an.

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