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Bürgermeister bedankt sich bei Duderstädtern für Engagement im Denkmalschutz

Beispiele mutigen Bauens Bürgermeister bedankt sich bei Duderstädtern für Engagement im Denkmalschutz

Von der Stange gibt es nichts, wenn sich Bauherren entscheiden, Liebe, Geld und Ideen in ein Fachwerkhaus zu stecken. Vieles muss maßangefertigt werden, um ein historisches Denkmal zu einem Schmuckstück mit modernem Komfort umzugestalten, Vieles gestaltet sich schwieriger durch den vorgegebenen Rahmen, den ein altes Haus mit sich bringt.

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Betrachten Bilder aus vergangenen Tagen: Michael und Florian Kasten, Wolfgang Nolte und Hermann Tallau im Innenhof des Hauses Kasten.

Quelle: Richter

Duderstadt. Um Menschen zu danken, die den Mut hatten, diesen Schritt zu gehen, hat die Stadt Duderstadt gemeinsam mit dem Förderkreis Denkmal- und Stadtbildpflege vor rund zehn Jahren die Reihe „Bauen im Bestand“ ins Leben gerufen.

Bauherren, die mit Hilfe der Städtebauförderung und anderer Förderprogramme Fachwerkhäuser sanieren, erhalten damit ein kleines Dankeschön – und einen Bürgermeisterbesuch.

Wie ein Sechser im Lotto
Florian Kasten ist einer der Duderstädter, die das Wagnis unternommen haben. Allerdings sei es für ihn keine Frage gewesen, das Nachbarhaus seiner Eltern zu übernehmen, als sich die Gelegenheit zum Kauf bot, erklärt er. „Wie ein Sechser im Lotto“ sei das Gebäude: Mitten in der Innenstadt gelegen, mit Zugängen von der Marktstraße und von der Straße Auf dem Brast, mit Garten auf der Südseite und mehr als genug Platz.

Nach dem Kauf machte er sich 2014 an die Sanierung des 1852 erbauten Hauses. Einige der Ergebnisse sind schon von außen zu sehen: Die ehemals sprossenlosen, zum Teil einfach verglasten Fenster wurden durch denkmalgerechte, unterteilte Holzfenster ersetzt. „Hinsichtlich der Lautstärke und in Teilen auch der Wärme merkt man schon einen Unterschied“, lobt Kasten die energetisch sinnvolleren, schallschützenden und vor allem optisch ansprechenden Fenster.

Wenn der Innenausbau abgeschlossen ist, soll auch die Haustür erneuert werden. Bis es so weit ist, sind noch einige Dinge zu tun. Der Bauherr hat sämtliche Räume entkernt und die Fachwerkbalken freigelegt. Dabei kamen sogar Verzierungen in den Balken zu Tage – etwas Seltenes in Duderstadt, erklärt Hermann Tallau vom Förderkreis. „Hier wurde nicht oft mit Deckenverzierungen gearbeitet.“

Im Haus Marktstraße 82 ist der Innenausbau bereits abgeschlossen, möchte man meinen. Doch die Hausbesitzer, Hans-Joachim und Elisabeth Moll, gehören zu der Sorte Fachwerkbastler, die immer etwas finden, wo es noch etwas zu verbessern gibt. Hausherr Moll tut das buchstäblich bereits sein ganzes Leben lang. Er ist 1956 schon in dem Haus geboren. Nach dem Tod des Großvaters übernahm er es 1976 und ist seitdem „pausenlos am Werkeln“, wie er sagt.

Die jüngste Baustelle habe dazu geführt, dass das Haus der Molls zu einer Art Sehenswürdigkeit zwischen den Sehenswürdigkeiten wurde. Die Touristen und Einheimischen seien nicht mehr nur vorm Tabalugahaus, der Oberkirche und dem Schützendenkmal stehengeblieben, sondern auch vor dem Mollschen Haus.

Dort wurden die Fenster ausgetauscht – und plötzlich ergab sich ein ganz neues Bild im Quartier. „Die alten Fenster waren so etwas von hässlich“, sagt Elisabeth Moll. Sie sei jetzt glücklich: „Nie wieder Gardinen.“

Ritterrüstung im Wohnzimmer

In dem sehr individuell eingerichteten Haus – im Wohnzimmer steht eine Ritterrüstung, das Weinregal in der Bar wird von ausgestopften Waschbären geziert – atmet jeder Raum Geschichte. Überall verweisen Dekorationen auf Generationen von Familienmitgliedern, die bei der Sanierung des Hauses, das übrigens keine eigenen Seitenwände hat, und des Gartens geholfen haben.

Im Innenhof beispielsweise ist ein Spruch an die Wand gemalt, der zunächst passend Mittelhochdeutsch klingt: „Ohne Gottesdienst Gunst ist alles Bauen umsonst.“ „Mittelhochdeutsch?“, fragt Elisabeth Moll lachend, „Nein. Das ist die künstlerische Freiheit des Malers gewesen, damit sich‘s besser reimt.“

Mit Rüstung, Mittelalter und Holzvertäfelungen haben Lena Niemeyer und Dennis Dege so gar nichts am Hut. Sie bewohnen das Haus Obertorstraße 39. Vor außen sieht es aus wie ein – zugegeben sehr schmales – Fachwerkhaus. Von innen ist kaum ein Unterschied zu einer Wohnung in einem Neubau zu sehen.

Die Wände sind plan, die Einrichtung in Schwarz und Weiß gehalten, alles ist modern mit viel Glas und Hochglanzmöbeln gestaltet. Dege, der überwiegend in Eigenleistung mit finanzieller Unterstützung aus Fördertöpfen saniert hat, kaufte das Haus vor rund zwei Jahren. Balken waren gebrochen, die bisherigen Sanierungsversuche hielten sich in Grenzen.

Dennoch – und obwohl die Kosten beinahe bei denen eines Neubaus liegen werden – entschied er sich für das Bauen im Bestand. „Ein fantastisches Zeichen für die Entwicklung unserer Stadt“, lobte Nolte besonders den Einsatz der jungen Leute.

Bürgermeister bedankt sich bei Duderstädtern für Engagement im Denkmalschutz. © Richter

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