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Busses nehmen Abschied vom Café Seeblick

Gastronomie Busses nehmen Abschied vom Café Seeblick

Als Marie-Luise, die jeder im Dorf nur als Marlies kennt, mit ihrem Mann Helmut Busse am 30. April 1984 den Schultenkrug in der Eichsfeldstraße eröffnete, strahlte die Sonne vom Himmel. Nicht anders war es gestern, als Busses sich nach 25 Jahren Gastronomie in Seeburg von ihren Gästen verabschiedeten: Vor dem Café Seeblick, das sie nach Umnutzung des Schultenkruges 17 Jahre lang bewirtschaftet haben, herrschte Volksfeststimmung an Getränke- und Bratwurstbude.

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Vertrauter Anblick für Seeburger, Camper und Ausflugsgäste: Marlies und Helmut Busse hinter ihrer Theke.

Quelle: Straubel

Ab heute wird der Seeblick vorerst geschlossen bleiben, da die Gemeinde als Eigentümerin der Gaststätte bislang noch keinen Nachfolgepächter finden konnte. Die Stelle werde jetzt erneut ausgeschrieben, sagt Bürgermeister Harald Finke (CDU) und hebt die gute Zusammenarbeit mit Busses hervor. Interessenten können sich bei der Gemeinde unter Telefon 05507/1314 melden. 

„An den Ruhestand müssen wir uns erst einmal gewöhnen“, sagen Busses, die im Sporthaus Gerblingerode erste  Erfahrungen hinter der Theke gemacht und den Einstieg in die Gastronomie nie bereut haben. „Es hat immer Spaß gemacht“, lächelt Marlies Busse, der im Lauf der Jahre viele Gäste ihr Herz ausgeschüttet haben: „Manchmal hatte ich das Gefühl, im Beichtstuhl zu sitzen“. Falls jemand mal zu tief ins Glas geguckt hatte und kein Ende finden konnte, griff Gemütsmensch Helmut Busse zu einer Spezialkur, die immer half: „Ein hochprozentiger ,Bullenschluck’, und dann sind sie von allein gegangen.“ Probleme mit Gästen habe es nie gegeben: „Wir hatten immer geöffnet, bis der letzte ging.“ Die  Spezialität des Hauses war frisch gebackener Eisenkuchen, ansonsten gab es deutsche Küche vom Schnitzel bis zum Rindersteak. Das Nichtraucherschutzgesetz hat dem Betrieb keinen Abbruch getan. Nur wenig in Anspruch genommen wurden hingegen die beiden Doppelzimmer für Übernachtungsgäste.

Familiäre Atmosphäre

So wie Busses ihre Gäste, von denen sie viele persönlich kennen und schätzen gelernt haben, fehlen werden, trauern die Stammgäste der familiären Atmosphäre der Gaststätte mit Dachterrasse am Tennis- und Campingsplatz nach. „Viele Seeburger verlieren hier ein Stück Heimat“, bedauert Martin Jentsch das Ende der Ära Busse, während er zum letzten Mal die Fächer des Sparclubs  leert. Drei Stammtische nutzten den Seeblick, dem Sportverein, der schon im Schultenkrug heimisch war, diente er ebenso wie den Karnevalisten als Vereinslokal, sporadisch auch Feuerwehr und Realgemeinde.

Nach Seeburg gekommen sind Busses, deren drei Kinder und fünf Enkel alle in Seeburg und Duderstadt leben, über Umwege. 1964 ließ der gebürtige Obereichsfelder Helmut Busse Eltern und Geschwister in Brehme zurück, floh als 18-Jähriger alleine über die Grenze zwischen Duderstadt und Roter Warte in den „goldenen Westen“ und kam zunächst bei seiner Tante in Gerblingerode unter. 1967 lernte er die Duderstädterin Marlies kennen, ein Jahr später wurde geheiratet. Bis 1983, als er den Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, arbeitete Helmut Busse als Fliesenleger. Dann wurde ihm der Schultenkrug zur Pacht angeboten, in dessen Saal zahlreiche Familienfeiern ausgerichtet wurden.

                                                                                                  Von Kuno Mahnkopf

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