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Caritas Duderstadt bietet offene Sprechstunden für Angehörige von Suchtkranken

Neues Angebot Caritas Duderstadt bietet offene Sprechstunden für Angehörige von Suchtkranken

Von der Suchterkrankung eines Menschen ist immer auch die Familie und das soziale Umfeld betroffen. Mit den Angehörigen von Suchtkranken hat der Caritasverband schon immer die Zusammenarbeit gesucht, jetzt sollen sie noch stärker in den Fokus rücken.

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Ulrich Schmalstieg

Quelle: EF

Duderstadt. Ab sofort bietet die Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation im Duderstädter Caritas-Centrum offene Sprechstunden an. Jeweils montags von 10 bis 12 Uhr können Ratsuchende ohne vorherige Terminvereinbarung in die Fachambulanz in Haus B kommen, ansonsten unter Telefon 0 55 27/98 13 60 Termine vereinbaren.

Schon lange trifft sich eine offene Angehörigengruppe jeden ersten Donnerstag im Monat im Caritas-Centrum, den Erstkontakt vermitteln die Suchtberater Ulrich Schmalstieg und Martin Weber-Becker. „Angehörige geraten in den Suchtkreislauf hinein, verlängern ihn und gehen manchmal selbst daran kaputt“, umschreibt Weber-Becker die so genannte Co-Abhängigkeit. Statt Ausreden mitzutragen und Verantwortung für das Verhalten der Suchtkranken zu übernehmen, müssten Angehörige lernen, die Verantwortung an die Betroffenen abzugeben, statt hilfloser Drohungen klare Ansagen machen. „Der konstruktive Druck von Angehörigen ist ein wichtiger Faktor“, ergänzt Schmalstieg. Für Angehörige sei es allerdings ohne fachliche Hilfe nur schwer möglich, aus der Co-Abhängigkeit auszusteigen, die soziale und familiäre Situation oft mit eigenen Existenzängsten verbunden. Freunde und Familie seien häufig unsicher und überfordert, die täglichen Belastungen könnten zu Schuld- und Schamgefühlen, Verzweiflung und psychosomatischen Symptomen führen. Anders als in der Gruppe der Suchtkranken mit rund 60 Prozent Männeranteil sind mehr als 90 Prozent der Angehörigen, die im vergangenen Jahr Rat bei der Caritas gesucht haben, Frauen.

Zur Angehörigenarbeit bei der Caritas gehören Informationen über Abhängigkeit und Hilfsmöglichkeiten, Erfahrungsaustausch, Hilfe beim „Loslassen alter Verhaltensmuster“ und dem Setzen von Grenzen. Als exemplarisches Beispiel nennt Weber-Becker den Fall einer ebenso besorgten wie nachgiebigen Mutter, deren Sohn seit vielen Jahren Cannabis konsumiert: „Wenn sie von der Frühschicht nach Hause kam, lag der Sohn noch im Bett und fragte, Mama, ist das Essen fertig?“

Alkohol sei im Eichsfeld nach wie vor mit weitem Abstand die Droge Nummer Eins, gefolgt von Cannabis, berichten die Suchtberater. Immer häufiger werde der Konsum mit Amphetaminen kombiniert, sagt Schmalstieg: „Die Polytoxikomanie ist weiter auf dem Vormarsch.“

Beim Cannabis-Konsum warnen die Experten Eltern ebenso vor Panik als auch vor falschem Verständnis. Inzwischen gebe es eine Eltern-Generation, die selbst aus ihrer Jugend Kiffen kenne und es für harmloser als Alkohol halte. „Mit den Produkten, die jetzt auf dem Markt sind, hat das nicht mehr viel zu tun“, meint Schmalstieg: „Das Abhängigkeitspotenzial ist größer geworden.“

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