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Wenn das eigene Kind Drogen nimmt

Angehörigengruppe in Duderstadt Wenn das eigene Kind Drogen nimmt

„Auffällig mehr Jugendliche mit massiven Problemen mit Drogen nehmen unsere Unterstützung in Anspruch“, sagt Martin Weber-Becker von der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabili­ta­tion des Caritasverbandes Süd­niedersachsen in Duderstadt. Um auch im Umfeld der Jugendlichen zu helfen, wollen die Sozialarbeiter im November eine Angehörigengruppe starten.

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Ulrich Schmalstieg (li.) und Martin Weber-Becker von der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation des Caritasverbandes Südniedersachsen in Duderstadt

Quelle: Rüdiger Franke

Duderstadt. Im vergangenen Monat habe es mehr als 20 neue Bewerber für das Angebot der Fachambulanz gegeben, berichtet Weber-Becker. Die Zahl derjenigen, die den Kontakt suchen würden, sei in diesem Jahr deutlich gestiegen. Und die Dunkelziffer liege noch höher. Das Drogenproblem eines Kindes treffe die Eltern oft völlig unvorbereitet. „Sie erleben die Problematik als persönliches Versagen und stürzen in eine tiefe Krise“, sagt der Suchttherapeut. „Für sie bricht eine Welt zusammen.“ Die Situation sei schwierig und hochemotional. Schuld und Scham seien auftretende Gefühle ebenso wie die fantasierte Katastrophe. Vor allem Mütter würden schnell die Schuld annehmen und versuchen, es wieder gutzumachen.

Konstruktiv im Gespräch bleiben

Das Ausprobieren von Alkohol und Drogen sei für viele Jugendliche ein Durchgangsstadium auf dem Weg zum Erwachsenwerden, erklärt Weber-Becker. Bei weitem nicht jeder, der Drogen ausprobiere, werde auch abhängig. Gefährdet seien vor allem Jugendliche mit psychosozialen Problemen. „Fünf Prozent werden irgendwann Probleme haben“, sagt der Pädagoge. Wichtig sei, konstruktiv im Gespräch zu bleiben und sich als Sparringspartner anzubieten. Totale Panik sei ein schlechter Ratgeber. Betroffene Angehörige müssten konsequent reagieren, ergänzt Schmalstieg. Das aber stelle im Alltag ein großes Problem dar. Allerdings würde häufig versucht, das Problem zu verdrängen und erst einmal darüber hinwegzusehen.

Geschützte Öffentlichkeit

Um angemessen auf die Entwicklung der steigenden Drogenproblematik in Duderstadt und der Umgebung zu reagieren, bietet die Fachambulanz über Einzel- und Elterngespräche hinaus ab November eine Angehörigengruppe für Eltern von jugendlichen oder jungen erwachsenen Drogenabhängigen beziehungsweise Gefährdeten an. „Die Gruppe ist nicht nur für Angehörige von Abhängigen, sondern auch von Konsumenten“, sagt Weber-Becker. Schmalstieg erläutert, dass den Teilnehmern die Erfahrung helfen würde, zu erfahren, dass sie nicht allein seien. „Etwas rational zu wissen ist anders als es emotional zu erleben“, erläutert der Diplom-Sozialarbeiter. In der Behandlung von Suchterkrankungen sei Gruppenarbeit bereits ein bewährtes Mittel. Es gebe zunächst immer die Hemmschwelle der Angst, Leute zu treffen, die einen kennen könnten – gerade in einem so kleinen Ort wie Duderstadt. „Doch hier funktioniert das Gruppengeheimnis“, sagt Schmalstieg, denn alle Teilnehmer befänden sich in der gleichen Situation. „Die Gruppe ist zwar eine Art von Öffentlichkeit“, erklärt er, „aber eine geschützte Öffentlichkeit.“

Zeichen setzen

„Je früher der Drogenprozess gestoppt wird, desto besser“, sagt Weber-Becker. Eltern würden vor allem Informationen benötigen, um helfen zu können. Dadurch, dass Informationen ausgetauscht werden, biete die Gruppe einen weiteren positiven Aspekt. Für die Teilnahme spreche auch, „dass das Thema plötzlich auf dem Tisch liegt“, erzählt Schmalstieg. Viele Eltern seien schon lange im Gespräch und würden sich Versprechungen abholen. Es gehe aber darum, ein Zeichen zu setzen. Dann sehe der Jugendliche, dass etwas getan und nicht nur geredet werde. „Eine Garantie, dass die Gruppe hilft, kann es nicht geben“, sagt der Diplom-Sozialarbeiter abschließend, ergänzt aber: „Stillhalten hilft definitiv nicht.“

Sechs Gruppenabende ab November

Die Angehörigengruppe soll sich ab November monatlich treffen und ist zunächst auf sechs Gruppenabende unter Anleitung der Fachambulanzmitarbeiter konzipiert. „Grundlage für einen offenen Erfahrungsaustausch in einer solchen Gruppe ist, dass alle Teilnehmer sich gegenseitig zur Wahrung des Gruppengeheimnisses verpflichten“, erklärt Diplom-Sozialarbeiter Ulrich Schmalstieg. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Kontaktdaten für Informationen und Anmeldungen:

Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation des Caritasverbandes Südniedersachsen in Duderstadt

Ansprechpartner: Ulrich Schmalstieg, Martin Weber-Becker

Adresse: Schützenring 1, 37115 Duderstadt,

Telefon: 05527/9813-60,

E-Mail: weber-becker@caritas-suedniedersachsen,

schmalstieg@caritas-suedniedersachsen.de

Von Rüdiger Franke

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