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Caritas will neue Gruppe für Angehörige Suchtkranker einrichten

Nur zwei Männer in acht Jahren Caritas will neue Gruppe für Angehörige Suchtkranker einrichten

Einen Neustart in der Angehörigenarbeit plant die Caritas-Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation in Duderstadt. Die neue Gruppe zur Unterstützung der Angehörigen von Suchtkranken soll verbindlicher und geschlossener als bisher sein.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Duderstadt. Die Gruppenarbeit habe unter einer hohen Fluktuation gelitten, sagt Beratungsstellenleiter Ulrich Schmalstieg: „Es war ein ständiges Kommen und Gehen.“ Die neue Gruppe soll starten, sobald sich mindestens ein halbes Dutzend Interessenten gemeldet haben. Angestrebt sind Treffen im Turnus von zwei Wochen für die Dauer eines halben Jahres.

Zur Vertraulichkeit verpflichtet

Hauptzielgruppe sind Lebenspartner und Eltern von Drogenabhängigen, Alkoholikern und Spielsüchtigen. „Es geht um die ganze Palette von Abhängigkeiten“, sagt Suchtberater Martin Weber-Becker. Das Angebot richte sich ebenso an Partner von Alkoholikern wie auch an Eltern kiffender Jugendlicher. Schweigepflicht und Anonymität seien garantiert, betont Schmalstieg. Dazu würden auch alle Teilnehmer verpflichtet.

Vertrauliche Erstkontakte mit Mitarbeitern der Fachambulanz können unter Telefon 05527/981360 vereinbart werden. Seit diesem Jahr bietet die Suchtberatung auch offene Sprechstunden an: Ohne Terminvereinbarung können Ratsuchende montags von 10 bis 12 Uhr in die Fachambulanz im Haus B des Caritas-Centrums am Schützenring kommen.

In der Gruppe, die jetzt gebildet werden soll, werden Angehörigen Informationen über Abhängigkeit und Hilfsmöglichkeiten geboten, Raum zum Erfahrungsaustausch, Rückmeldungen zum bisherigen Verhalten und den Konsequenzen, Hilfe beim Ändern von Verhaltensmustern und Grenzsetzungen. Erzählen, Zuhören und Verstehen stehen im Vordergrund. Von der Suchterkrankung eines Menschen sind immer auch die Familie und das soziale Umfeld betroffen, Angehörige oftmals unsicher und überfordert. „Angehörige sind zumeist der Auslöser dafür, dass sich auch der Suchtkranke bewegt und Hilfe annimmt“, sagt Weber-Becker.

„Angehörige neigen aber auch dazu, selbst in den Suchtkreislauf hineinzugeraten, ihn zu verlängern und daran zu zerbrechen“, umschreibt der Suchtberater die so genannte Co-Abhängigkeit. Aus Suchtkranken-Familien würden zudem die nächsten Suchtkranken kommen: „Diesen Kreislauf wollen wir durchbrechen.“

„Das Suchthilfesystem ist co-abhängig“
Die Arbeit mit Angehörigen halten Schmalstieg und Weber-Becker für besonders wichtig, da sie kaum unterstützt werde. „Für Suchtkranke gibt es Therapien und Angebote, für die Angehörigen nicht“, sagt Weber-Becker: „Auch das Suchthilfesystem ist co-abhängig.“ Die Gruppengespräche könnten wieder Mut geben und die eigene Lebensqualität verbessern.

Das Sich-Kümmern ist nach wie vor eine Frauendomäne, bedauert Schmalstieg und wünscht sich mehr Engagement von Männern. Bereits seit acht Jahren arbeiten die Caritas-Berater mit Angehörigengruppen zusammen: In diesem Zeitraum haben sich nur zwei Männer als betroffene Angehörige eingefunden.

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©Richter