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Cellist Johann-Sebastian Sommer in der Liebfrauenkirche Duderstadt

Reizvolle Mischung Cellist Johann-Sebastian Sommer in der Liebfrauenkirche Duderstadt

Schön, wenn ein Abschluss so lebhaft und präzise zugleich gelingt. Johann Sebastian Bachs Suite Nr. 5 für Violoncello solo ist ein Stück, an dem sich Komponisten wie Interpreten messen lassen. Nur einen Tag nach dem Abschluss der Ikonen-Ausstellung im Duderstädter Ursulinenkloster hat Cellist Johann-Sebastian Sommer in der Liebfrauenkirche gezeigt, dass man nicht nur mit bildender Kunst Ehrfurcht erzeugen kann, wie das auf spiritueller Ebene Ikonen tun.

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Duderstadt. Zu hören gab es ein dramaturgisch weit aufgefächertes Programm, überwiegend aus Celloliteratur des 20. Jahrhunderts.

Kein Zufall, denn Sommer hat ein Recital zu Ehren des berühmten Cellisten und Pädagogen Paul Tortelier (1914 bis 1990) erstellt.

Sommer, der im Göttinger Symphonie Orchester spielt, ist ein sehr fähiger und expressiver Instrumentalist. Und, was in diesem Falle noch mehr zählt, er war auch Schüler Torteliers, der 2014 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Mit seiner Hommage ist Sommer in ganz Deutschland unterwegs.

In der Liebfrauenkirche hatten sich leider nur rund 20 Besucher eingefunden, um dem Spiel Sommers zu lauschen. Der hatte sich mitWerken wie Hans Werner Henzes Serenade für Violoncello solo oder Max Regers erster Suite einiges vorgenommen.

Sein zuweilen rauer Ton passte gut zu Henzes 1949 komponierter Serenade, der die Schrecken des zweiten Weltkrieges noch in den Takten stecken. Die Tonsprache beschränkt sich nicht auf eine Schule, sondern scheint vor allem möglichst lebhafte Bilder vor dem inneren Auge der Hörer zeichnen zu wollen.

Im Mittelpunkt des Abends stand die „Suite en Ré Mineur pour Violoncelle seul“ von Paul Tortelier. Dieser hat sich vor allem als Bachinterpret und Lehrer einen Namen gemacht, aber auch selbst komponiert. Seine Suite lässt den von ihm verehrten Johann Sebastian Bach deutlich hervortreten, interessanterweise aber vor allem in der Form, nur selten in der Kompositionssprache.

Sicherlich sind schöne Kontrapunkte zu bewundern, aber tonal handelt es sich hier um ein Stück Spätromantik – eine reizvolle Mischung.

Sommers Spiel konnte gefallen, auch wenn viele Töne der schnelleren Passagen vom Hall in der Kirche verschluckt wurden. Geschadet hat das dem Hörvergnügen aber nicht.

Von Jonas Rohde

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