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Christen müssen sich künftig warm anziehen

Umweltmanagement Christen müssen sich künftig warm anziehen

Solange eine Gemeinde die Heizkosten für einen Gottesdienst bei Frost nicht kennt, mault sie bei einem Grad Raumtemperatur weniger“, hat Reinhard Benhöfer vom Arbeitsbereich Kirche und Umwelt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover beobachtet.

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Mit Schal und Mütze: Energiekosten lassen sich senken, wenn Kirchen weniger geheizt werden.

Quelle: BL

Dabei lassen sich die Heizkosten deutlich senken, wenn Christen bereit sind, im Winter einen Wollpullover mehr anzuziehen. Die Landeskirche, so Benhöfer, steht vor der Herausforderung, dass 90 Prozent ihrer insgesamt 8000 Gebäude vor 1978 errichtet wurden, also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung. Früher ist beim Bauen auf alles geachtet worden, nur nicht auf einen sparsamen Verbrauch von Energie, sagt der studierte Theologe. Die zweite Herausforderung: In den Kirchen findet sich viel Holz. Ein unsachgemäßes Vorgehen kann es zum Reißen bringen. Die Schäden übersteigen dann schnell sämtliche Energieeinsparungen, warnt Benhöfer.

Wer Umweltmanagement in kirchlichen Gebäuden betreiben will, muss also genau wissen, was er tut, betont er. Die Kirche stellt deshalb im Rahmen des Programms „Der grüne Hahn“ Geld für die Qualifizierung von Ehrenamtlichen in den Gemeinden zur Verfügung. Es soll jeweils einen Umweltbeauftragten geben, dem ein Team von drei, vier Helfern zur Seite steht. Benhöfer rät, sie unter den „unmusikalischen Männern“ zu rekrutieren, für die es in der Kirche sonst kaum Aufgaben gibt. Ein solches Amt ist für die Zielgruppe attraktiv: „Für uns Männer ist Bauen das letzte legale Abenteuer, vor allem wenn wir es mit fremdem Geld tun dürfen“, bekennt der Theologe. Die Arbeitsbelastung der Männer ist jeweils auf einen Zeitraum von anderthalb Jahren begrenzt. „Das ist anders als beim Posaunenchor, wo man erst wegkommt, wenn einem die Zähne ausfallen“, erläutert Benhöfer, der selbst seit Jugendzeiten Posaune spielt.

Der Mitarbeiter der Landeskirche empfiehlt, klein anzufangen. Interessierte Gemeinden sollen erst einmal mit einem Experten durch die Gebäude gehen. Wo zieht es an Fenstern und Türen? Wo wird der Windfang seiner Funktion beraubt, weil beide Türen offen stehen? Wer kennt die Bedienungsanleitung der Heizung? Dreht jemand bei Veranstaltungen die Heizung voll auf, um 20 Minuten später die Fenster aufzureißen, weil es zu heiß wird? Machen Gemeindemitglieder eine kräftige Stoßlüftung oder lassen sie die Fenster dauergekippt offen stehen? Eine Gemeinde, die bei diesen Punkten die richtigen Schlüsse zieht, kann ohne großen Aufwand ihre Heizkosten bereits um zehn Prozent senken, ist Benhöfer überzeugt.
In einem zweiten Schritt stehen dann größere Investitionen an, führt der Berater aus. Hier kommt es angesichts der Mittelknappheit darauf an, sachgerecht Prioritäten zu setzen. So macht es wenig Sinn die Fenster zu isolieren, wenn das Dach über keine Dämmung verfügt. Denn dort lässt sich mit weniger Aufwand erheblich mehr Energie einsparen.

Bei dem Grüne-Hahn-Projekt der Landeskirche geht es auch um die Glaubwürdigkeit von Christen, stellt Benhöfer klar. Die Gläubigen können die Gesellschaft nicht zur Bewahrung der Schöpfung ermahnen und gleichzeitig mit ihren 8000 Gebäuden im großen Stil den Klimawandel anheizen. Aus diesem Grund hat die Synode, das Landeskirchenparlament, den Gemeinden das Ziel gesetzt, ihren Kohlendioxidausstoß bis 2015 im Vergleich zum Jahr 2005 um 25 Prozent zu senken. Da solche Maßgaben bei den Lutheranern nicht einfach von oben angeordnet werden können, ist die Kirche auf die Mitarbeit der Gemeinden angewiesen.

Um das Projekt vorzustellen, hat Benhöfer beim Herzberger Kirchenkreistag referiert. Das Interesse ist groß.

Von Michael Caspar

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