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Das Lorenz-Werthmann-Haus in Duderstadt besteht seit fünf Jahren

Unter einem Dach Das Lorenz-Werthmann-Haus in Duderstadt besteht seit fünf Jahren

Das Leben vieler Menschen hat eine manchmal fast zynisch anmutende Symmetrie, über die gerne geschwiegen wird. Dass ein großer Teil unserer Gesellschaft seine letzten Jahre oftmals genauso hilflos verbringt wie seine Kindertage, ist eine unbequeme Tatsache; nicht zuletzt, da sie lange Schatten auf das Leben jedes Einzelnen wirft.

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Ein Einblick ins Leben im LWH in Duderstadt.

Quelle: Richter

Duderstadt. Betritt man den hellen, verglasten Eingangsbereich des Lorenz-Werthmann-Hauses (LWH) in der Duderstädter Scharrenstraße, scheinen diese Schatten zu schrumpfen. Das von der Caritas geführte Haus, das am 27. September fünf Jahre alt wird, soll für einen anderen Umgang mit dem Alter stehen.

Hinter der Fassade der auch „Haus der Senioren“ genannten Einrichtung verbirgt sich ein Ansatz, mit dem vor allem soziale Räume für ältere Menschen geschaffen werden sollen.

Beratung, Betreuung, Pflege und die Vernetzung von alten und jungen Menschen gehören laut dem Leiter des Seniorenstützpunktes, Michael Mücke, ebenso zum Konzept wie die Einbindung der Angehörigen, die nicht nur am Bewohner-Alltag teilnehmen, sondern in regelmäßigen Treffen auch über die Leitlinien von Pflege und Betreuung mitbestimmen.

Zu bestimmen gibt es auch für die 14 Bewohner der zwei ambulant betreuten Wohngemeinschaften eine Menge: „Das läuft bei uns wie in einer normalen WG. Einkaufsplanung oder Unternehmungen können die Bewohner selbst steuern“, sagt Teamleiterin Lydia Ballhausen.

Wissen als Möglichkeit der Teilhabe
Die angebotenen Freizeitaktivitäten richten sich aber nicht nur an die Bewohner im LWH. Auch Senioren aus Duderstadt und der Region können die Angebote der Begegnungsstätte in Anspruch nehmen. Ein Beispiel ist der Computer-Club, der sich jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr trifft, um gemeinsam Möglichkeiten des Internets zu entdecken.

Ob Onlineshopping oder das Verfassen von E-Mails: Der Wille zu lernen sei hoch, meint Ballhausen. Die Motivation der Senioren liegt aber nicht allein im Meistern von technischen Prozessen. „E-Mails sind beispielsweise eine Möglichkeit, mit Enkeln und Familie in Kontakt zu bleiben. Es geht bei der Caritas immer darum, Leute aus der Einsamkeit zu holen“, so Ballhausen.

Technisches Wissen ist also auch eine Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe.

Zwischenmenschliche Kontakte entstehen auch, wenn man „gemeinsam lautstark die Stricknadeln klappern lässt“, sagt Mücke. In der Handarbeitsgruppe „Flinke Nadel“ entstehen dienstags von 10 bis 12 Uhr unterschiedliche Textilien – bei, wie Mücke betont, äußerst lebhaften Gesprächen.

Netzwerke und Gemeinschaften

Eine Besonderheit ist die enge Vernetzung der einzelnen Angebote: Beispielsweise werden Bücher, die in der Schreibwerkstatt entstehen, später vom Computerclub gesetzt und gelayoutet. So entstehen Netzwerke und Gemeinschaften.

Die andere Seite der Arbeit von Mücke und seinem Team aus 30 festen und rund 50 freien Mitarbeitern besteht in der Hilfe für Angehörige von pflegebedürftigen und dementiellen Menschen.

„Caritas entlastet Angehörige“ (Carena) ist eine Betreuungsgruppe für an Demenz Erkrankte, die gleichzeitig pflegenden Angehörigen mehr Raum für sich selbst ermöglichen soll. Diesen steht die Caritas zusätzlich mit Hilfe zu rechtlichen Themen wie Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung zur Seite.

Anlaufstelle bei Fragen

Die Beratung bildet auch einen Schwerpunkt der Arbeit für den im Haus angesiedelten Seniorenstützpunkt, der als Anlaufstelle bei Fragen zur allgemeinen Lebens- und Alltagsbewältigung im Alter dient. Psychosoziale Probleme wie das Alleinsein im Alter oder die Gestaltung der Freizeit werden hier ebenso thematisiert wie Fragen nach altersgerechtem Wohnen, dem Sozialrecht oder nach Finanzen.

„Auch das freiwillige Jahr für Senioren, ein Pendant zum freiwilligen sozialen Jahr, kann ein Thema sein“, erklärt Mücke.

Durchschnittlich werden monatlich 14 Beratungsgespräche geführt. Zudem bietet der Pflegestützpunkt Sprechzeiten an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat an. Diese werden von drei bis vier Ratsuchenden im Monat besucht.

„Optimierte Beratung aus einer Hand“
Hervorgegangen ist der Senioren- und Pflegestützpunkt als Konzept nach einer Novelle der seniorenpolitischen Beratungsstruktur der Landesregierung, die eine Zusammenlegung der Seniorenservicebüros und der Pflegestützpunkte vorsah. „Bündelung der Kräfte“, lautete das Stichwort. Zudem sollten Doppelstrukturen vermieden werden, so Mücke. „Optimierte Beratung aus einer Hand“ nennt Mücke das Konzept.

Durch den Austausch mit dem Landkreis Göttingen, ehrenamtlichen Institutionen und Vereinen, den Seniorenobleuten und den Kirchen ist der Senioren- und Pflegestützpunkt ein wichtiger Teil eines tragfähigen Netzwerkes. Zudem bilden Mücke und sein Team ehrenamtliche Seniorenbegleiter aus, die in Privathaushalte und Seniorenheime vermittelt werden können.

Entstanden ist das LWH mithilfe der Stiftung Deutsches Hilfswerk. Sie hat den Bau des Lorenz-Werthmann-Hauses mit 500 000 Euro unterstützt. Die Mittel stammten aus der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“. Und von denen gibt es auf der Dachterrasse heute übrigens gleich mehrere.

Der Namensgeber
Lorenz Werthmann

Organisieren, studieren, publizieren – Im Ansinnen, Antworten auf die sozialen Nöte seiner Zeit zu finden, hat Lorenz Werthmann (1858 - 1921) diese drei Schlagworte, die die Säulen der Caritas-Arbeit bilden, geprägt. Der Theologe und Priester gründete 1897 den Caritasverband.

Bereits während seiner Studienzeit in Rom beschäftigte  sich der im Rheingau geborene Werthmann mit sozialen Fragen. Während seiner Zeit als bischöflicher Sekretär engagierte sich Werthmann im Verein „Arbeiterwohl“ und im Vinzenzverein.

Er besuchte Vorlesungen an der Universität und suchte den Kontakt zu Menschen, die seine Vorstellungen von einer Bündelung der Kräfte im karitativen Engagement der katholischen Kirche teilten. Nach der Gründung des „Caritasverbandes für das katholische Deutschland“, wie die Organisation zunächst hieß, leitete Werthmann die Geschicke 23 Jahre lang. Er starb 1921 in Freiburg.

 
Das Programm
Wöchentliche Angebote im Überblick

Montag:
10-12 Uhr: Offene Begegnungszeit
10-12 Uhr: PC-Sprechstunde
15-18 Uhr: Carena
Dienstag:
10-12 Uhr: Flinke Nadel
12-14 Uhr: Mittagstisch
15-18 Uhr: Carena
Mittwoch:
10-12 Uhr: Offene Begegnungszeit
10-12 Uhr: Rommé
10-12 Uhr: Computerclub 1
15-18 Uhr: Carena
Donnerstag:
15-17 Uhr: Offene Begegnungszeit
15-17 Uhr: Seniorentreff (jeden dritten Donnerstag im Monat)

Freitag:
10-11.30 Uhr: Computerclub 2 (Bildbearbeitung)
12-14 Uhr: Mittagstisch
Weitere Aktivitäten und Termine für Senioren und Angehörige gibt es in einem Flyer, der im LWH ausliegt. Informationen unter Telefon 0 55 27 / 99 68 60.

Von Jonas Rohde und
Nadine Eckermann

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