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„Das Selbstvertrauen wächst mit den Aufgaben“

Serie „Für umsonst“ „Das Selbstvertrauen wächst mit den Aufgaben“

Freizeit opfern, Verantwortung übernehmen, nichts dafür kriegen und trotzdem Spaß haben? In der Serie „Für umsonst“ stellt das Tageblatt junge Menschen im Ehrenamt vor.

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Motivierte Team-Kollegen: Jan Rittmeier, Niklas Borchard, Hendrik Grüssner, Niels Ludewig und Robin Senger (v.l.).

Quelle: Blank

"Günther hat mich beim Fußball angesprochen, ob ich hier als Betreuer mitarbeiten will“, sagt Sven Urbanik und wirft dabei einen Blick in die Sporthalle im Duderstädter Jugendfreizeitheim (Jufi). Da kicken bereits einige Jungen, die am heutigen Jungentag teilnehmen. Sven macht eine Erzieherausbildung an der Vinzenz-von-Paul-Schule und kennt Günther Lutterberg, Geschäftsführer des Jugendring Eichsfeld, vom Fußballtraining. Jetzt unterstützt er das Jufi-Team mit Spiel- und Sportangeboten. „Das Team ist total nett. Es macht Spaß, hier mitzumachen“, freut sich der Achtzehnjährige. Außerdem würden sich das Ehrenamt und seine Ausbildung gut ergänzen.

Jugendreferentin Monika Stadermann ist stolz auf die freiwilligen Helfer, die die Jufi-Mitarbeiter mit Kreativität und Tatendrang unterstützen. Einige kamen vorher als Besucher ins Jufi, bis sie von den Mitarbeitern angesprochen wurden, ob sie als Betreuer mithelfen wollten. Niklas Borchard ist seit drei Jahren als Ehrenamtlicher dabei. „Man wächst in die Aufgabe hinein“, beschreibt er seine Erfahrungen. „Früher war man beim Rumtoben voll mit dabei, jetzt hat man aber eine Vorbildfunktion. Da hält man sich ein bisschen zurück“, erklärt er. Auch Johanna Schenke, heute Betreuerin, hat schon als Kind bei den Aktionen im Jufi mitgemacht. „Anfangs fällt das etwas schwer, sich durchzusetzen, man ist noch unsicher“, blickt sie zurück. Aber das Selbstvertrauen würde mit den Aufgaben wachsen. Das bestätigt auch Monika Stadermann: „Wenn man sieht, wie schüchtern manch einer noch vor einigen Jahren war und wie selbstbewusst die meisten sich hier schließlich entwickeln, dann ist das sehr positiv“, nennt sie die Vorteile, die die ehrenamtliche Arbeit mit sich bringt. Außerdem würden die jungen Betreuer Verantwortungsgefühl, Teamarbeit, gewaltfreie Konfliktlösung und Pünktlichkeit lernen – „das sind Werte, die in jedem Beruf gefragt sind“, weiß Stadermann.

Die beiden vierzehnjährigen Betreuer Jan Rittmeier und Robin Senger spielen eine Runde Billard. Dabei haben sie selbst Spaß, sind aber gleichermaßen für jeden Besucher sichtbar und stehen als Ansprechpartner und potentielle Mitspieler bereit. Team-Kollege Hendrik Grüssner hat sich zu zwei Jungen gesetzt, die Bowling an der Wii-Konsole spielen: „Eigentlich betreue ich heute das Internet-Café, aber es ist noch zu früh, da ist noch nichts los.“

Die Computeraufsicht werde sehr ernst genommen, erläutert der Achtzehnjährige. Rechtsextreme oder Sex-Seiten seien natürlich absolut tabu, und auch das Schüler VZ sei hier nicht erlaubt. „Wer die Regeln nicht einhält, bekommt für eine Weile Computerverbot. Das wirkt!“, weiß er. Dabei sei die Konsequenz der Betreuer gefragt, „sonst wird man nicht als Autorität akzeptiert, und die Regeln wären hinfällig“, so Hendriks Erfahrung. „Aber man muss auch freundlich bleiben und feinfühlig reagieren. Weil wir selbst früher Besucher waren, können wir uns gut in die Leute hinein versetzen“, ergänzt Niklas.

Mit privaten Problemen der Kids werde man hier zwar weniger konfrontiert, aber dass es mal Unstimmigkeiten zwischen den Besuchern gebe, komme vor. „Wir schlichten kleine Streitereien, und wenn wir das Problem nicht selber regeln können, gehen wir zu Sabine oder Monika“, sagt Niklas mit Blick auf die Jugendreferentinnen Sabine Tegtmeier und Monika Stadermann.

Die Ehrenamtlichen seien außerhalb der Ferien zwei- bis dreimal pro Woche im Jufi. Die Dienste würden aufgeteilt, neben Sporthalle und Internet-Café sei auch jemand für den Thekendienst zuständig, wo es Knabbereien und Getränke gibt. „Aber jetzt in den Ferien sind wir fast jeden Tag hier, weil einige der Betreuer auch im Urlaub sind“, sagt Hendrik.

Johanna und Sven haben sich zu den Kindern gesellt, die T-Shirts bemalen. Das steht heute auf dem Ferien-Programm. Als Belastung empfinden die Ehrenamtlichen das nicht. „Im Team gibt es eigentlich nie Streit. Man lernt, sich abzusprechen. Die Arbeit miteinander macht richtig Spaß“, lobt Johanna den Zusammenhalt. „Die positiven Eigenschaften, die jeder mitbringt, werden hier gefördert. Außerdem stärkt man sich gegenseitig“, sagt Hendrik. „Das Jufi ist wie unser zweites Zuhause“, sind sich alle einig.

Ins Jufi am Schützenring 8 kann jeder kommen – kostenlos. Öffnungszeiten: wochentags von 14 bis 19 Uhr, montags und mittwochs bis 20 Uhr. Telefon 055 27/ 97 96 81, Kinder- und Jugendbüro 055 27/ 84 11 10 oder per E-Mail.

Von Claudia Nachtwey

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