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Delegation aus Duderstadt zu Besuch in Kartuzy

20 Jahre Städtepartnerschaft Delegation aus Duderstadt zu Besuch in Kartuzy

„To je krótci. To je dłudzi. To kaszebsko stolëca. To są basë, to są skrzëpci. To oznôczô Kaszeba“, trällert die Leiterin des Museums in Kartuzy und lässt dabei ihren Zeigestock über eine Tafel im Heimatmuseum fliegen. Sicher hat sie die lustige Melodie zu den bunten Symbolen schon tausende Male intoniert, dennoch scheint sie Spaß dabei zu haben, den deutschen Touristen einen winzigen Einblick in die Sprache geben zu können, die nur noch rund 150 000 Kaschuben beherrschen.

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Symbol der Verbundenheit: HInweisschild auf Duderstadt vor dem Stadthaus der polnischen Partnerstadt Kartuzy.

Quelle: Eckermann

Kartuzy/Duderstadt. Als sie ihren Vortrag beendet hat, bedankt sie sich strahlend für den Applaus und freut sich, dass die Deutschen im Weitergehen vor sich hin summen. Mit jedem Anstimmen des Abzählreimes betreiben die für den Tourismus in Kartuzy Verantwortlichen quasi Artenschutz. Denn im Alltag ist die polnische Regionalsprache beinahe tot. Für den Tourismus ist das Kaschubische elementar wichtig. So wichtig wie bunte Trachten, Folkloretänze, Porzellan mit kaschubischem Muster und Wodka.

 
Die Region rund um die Stadt Kartuzy, das seit 20 Jahren Partnerstadt Duderstadts ist, präsentiert sich traditionsbewusst. Ähnlich wie Duderstadt setzt sie auf die Besonderheiten, die sie schon gegenüber dem nur rund 30 Kilometer entfernten Danzig abgrenzen. „Wir sind eigenartig“, sagt Mieczysław Grzegorz Gołuński, Bürgermeister in Kartuzy, und meint das ganz und gar positiv. Sein Selbstverständnis ähnelt dem traditionsbewusster Eichsfelder. Die kaschubischen Noten sind dabei nur ein Alleinstellungsmerkmal, das den Touristen mitgegeben wird.

 

Foto: Eckermann

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Erster Wodka nach der Vorsuppe

 
Eine polnische Tradition ist es auch, Besucher so herzlich und freundlich zu empfangen, dass diese beinahe überfordert sind von der Gastfreundschaft, die sich vor allem kalorienreich und nicht selten hochprozentig präsentiert. Was auf den Tisch kommt, ist buchstäblich Kraut und Rüben. Neben dem in ganz Polen verbreiteten Bigos werden zu beinahe jedem Essen Möhrensalate gereicht. Als Beilagen gibt es vom Stampf bis zur Spalte alles, was die Kartoffel hergibt.

 Fleischlos geht praktisch keine Mahlzeit über die Bühne. Die Lage in unmittelbarer Nähe zur Ostseeküste legt nahe, dass viel Fisch auf den Tisch kommt, der häufig gegrillt, aber auch kalt in Aspik serviert wird. Zudem werden Fischsalate angeboten, die auf den ersten Blick nicht erkennen lassen, welche Zutaten darin stecken. Probieren sollte man sie trotz des – pardon – moppelkotzigen Aussehens in jedem Fall. Geschmacklich sind sie sensationell. Schweine- und Rindfleisch wird zumeist mit deftigen Saucen, oft mit Pilzen, gereicht. Dazu passt ein entsprechend kräftiges Getränk – und das muss nicht nur Piwo, also Bier, sein. Nach der Vorsuppe kann durchaus der erste Wodka auf den Tisch kommen. Na zdrowie! Der erste sollte, so verlangt es die Höflichkeit, in einem Zug getrunken werden. Um ein weiteres Nachschenken und eventuelle Spätfolgen zu vermeiden, empfiehlt es sich, beim zweiten einen Rest im Glas zu lassen, denn dieses wird nur vollständig geleert nachgefüllt.

 
Solche Tricks würden die Gastgeber selbst natürlich nicht verraten. Umso günstiger ist es als Polen-Neuling, die ersten touristischen Gehversuche in Begleitung zu unternehmen. Gesellschaft dafür ist nicht schwer zu finden. Während des jüngsten Besuchs einer Duderstädter Delegation in Kartuzy aus Anlass der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Wolfgang Nolte (CDU) wurde das deutlich. Nicht nur der Duderstädter Bürgermeister und die Mitglieder des Deutsch-polnischen Freundeskreises um dessen Vorsitzenden Paul Schneegans werden in der Stadt begrüßt wie alte Bekannte. Kein Wunder: „20 Mal war ich sicher schon dort“, sagt Schneegans und nennt Beispiele von noch aktiveren Kartuzy-Gästen. Hier kennt man sich vom Schüleraustausch, dort von gegenseitigen Besuchen der Sportvereine, da durch Hilfstransporte der Lebenshilfe für das örtliche Waisenhaus. Dass trotz der 20 Jahre langen Verbindung die ein oder andere Sprachbarriere vorhanden ist, wird entweder durch einen Dolmetscher wettgemacht oder mit Händen, Füßen und Humor.

 

Gastgeschenke im Stadthaus ausgestellt

 
Zeichen der Partnerschaft sind an vielen Stellen in der Stadt zu finden. Ähnlich wie in Duderstadt vor dem Stadthaus ist auch in Kartuzy ein symbolischer Wegweiser angebracht, der die Entfernung zur Partnerstadt angibt: 836 Kilometer. Der Flughafen in Danzig ist nur rund eine halbe Stunde Fahrtzeit entfernt. Außerdem entsteht gerade eine Bahntrasse zwischen Gdańsk, wie die Großstadt auf Polnisch heißt, und Kartuzy. Die Duderstädter Schülerin Johanna Reinke hat ein Denkmal aus Anlass des Beitritts Polens zur EU gestaltet, das sich in der Innenstadt befindet. Im Stadthaus werden Gastgeschenke aus Duderstadt ausgestellt, am Marktplatz verweist eine Hinweistafel auf die Partnerschaft.

 
Ein Stück Eichsfeld befindet sich auch im Vorgarten des Heimatmuseums der Stadt mit rund 15 000 Einwohnern. Dort hat  vor 18 Jahren die Duderstädter CDU-Fraktion eine Eiche gepflanzt, die die Kaschuben hegen und pflegen. Das Innere des Museums erinnert an die Ausstellungen der Heimatmuseen in Duderstadt und Obernfeld: Handwerk, Landwirtschaft, Kirche und Kultur. Das Wahrzeichen der Stadt ist das „Marienparadies“, die Klosterkirche aus dem 14. Jahrhundert mit ihrem sargdeckelförmigen Kupferdach. Für die Karthäuser ist sie viel mehr als ein roter Punkt auf dem touristischen Stadtplan. In der Kirche wird Katholizismus gelebt. Viermal am Sonntag ist jeder Platz belegt. Damit die Gottesdienstzeiten eingehalten werden können, herrscht Schliff: Die Messfeier läuft strikt nach Plan. Dabei zeigen auch junge Menschen Ehrfurcht und Hingabe, wie sie in Deutschland kaum zu sehen sind.

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©Richter