Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Dem Zuhälter das Auto abgefackelt

Duderstädter vor Gericht Dem Zuhälter das Auto abgefackelt

Weil er in der Schweiz eine 16-jährige Prostituierte aus dem Milieu retten wollte, hat ein 27-Jähriger aus Duderstadt mehrere Autos auf dem Parkplatz des Zuhälters angesteckt - sagt er jedenfalls. Möglich, dass die Geschichte nur seiner Fantasie entsprang. Er war zur Tatzeit psychisch krank.

Voriger Artikel
48-Jährige in Nordhausen beraubt
Nächster Artikel
Umweltaussagen vom Papst aufgegriffen
Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Duderstadt/Olten. "Das hört sich vielleicht ein bisschen krank an", sagte der arbeitslose Trockenbauer, als er seine Gründe für die eine der ihm vorgeworfenen vier Taten schildert. Er räumt ein, sowohl den Brand auf einem Auto-Parkplatz gelegt zu haben, als auch eine in einem Duderstadter Baumarkt gefundene Geldbörse unterschlagen und mit der darin gefundenen Kreditkarte zweimal betrügerisch eingekauft zu haben. In der Anklage hatte die Staatsanwaltschaft angestrebt, den Mann wegen seiner paranoiden Schizophrenie und der daraus resultierenden Wiederholungsgefahr in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Weil der 27-Jährige aber ein umfassendes Geständnis abgelegt hat und schon am Donnerstag eine stationäre Therapie beginnt, könnte auf die Einweisung verzichtet werden.

Angeklagt ist dies: Am 20. November 2012 soll der damals 24-Jährige in dem schweizerischen Ort Olten einen zu diesem Zeitpunkt schon ausgebrannten Mercedes erneut angezündet haben. Dabei soll er eine Dose Haarspray als eine Art Flammenwerfer benutzt und diverse Gegenstände in dem Autowrack angezündet haben. Die Flammen griffen auf einen daneben abgestellten BMW 335i und einen VW Polo über, die beide beschädigt wurden. Der Schaden soll 5500 Euro betragen. Diese Tat, so gesteht er, habe er wie angeklagt begangen. Als Grund gibt er Rache an dem Zuhälter der Minderjährigen an. Der habe er zuvor versprochen: "Ich hol dich hier raus!" Er habe zur Tatzeit unter Drogen gestanden und sei zudem nicht medikamentiert gewesen. Weil er seit dem 16. Lebensjahr die Droge Crystal Meth genommen habe, habe sich bei ihm eine Schizophrenie entwickelt, die mit Depotspritzen behandelt werde. Weil er in der Schweiz zur Arbeit eingesetzt war, habe er geglaubt, dort auf das ihm 14-tägig gespritzte Medikament verzichten zu können. Dadurch, sagt er "habe ich mir das schöne Leben in der Schweiz versaut".

Auch die Fundunterschlagung und die beiden Betrügereien mit der Kreditkarte gibt er zu. Im Toom-Markt hatte er am 22. Januar 2015 eine Geldbörse gefunden. 90 Euro und die Karte fand er darin. Damit kaufte er für 325 Euro sofort ein. Dann fuhr er nach Leinefelde und erwarb mit der Kreditkarte im dortigen Toom-Markt weitere Innenausbau-Artikel, Werkzeug und Zigaretten für 2100 Euro. Die Gegenstände will er bei seinem Drogenlieferanten in dessen Wohnung eingebaut und dafür regelmäßig Amphetamine erhalten haben. Der Dealer, ein Mann aus Leinefelde, ist inzwischen aufgeflogen.

Zahlreiche Vorstrafen, darunter Drogen-, Eigentums- und Verkehrsdelikte, belasten den 27-jährigen Angeklagten. Ein psychiatrischer Gutachter attestiert ihm nur für die schweizer Tat verminderte Schuldfähigkeit. Das Urteil wird am Mittwoch gesprochen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Feuerwehrübung in Krebeck

©Richter