Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Demo-Tourismus durch Südniedersachsen

Rechte Aktivisten Demo-Tourismus durch Südniedersachsen

Ein bizarrer Demo-Tourismus beschäftigt immer mehr Behörden in Südniedersachsen. Begonnen hat es in Duderstadt. Seit Ende November versammeln sich dort an jedem Sonntagnachmittag zwischen 30 und 100 Teilnehmer zu einem sogenannten „Freiheitlichen Bürgertreff für die Zukunft unseres Landes“.

Voriger Artikel
Hilkeröder Heilig-Geist-Kirche wird renoviert
Nächster Artikel
Funkmelder ausgefallen

Demo im Eichsfeld.

Quelle: RF

Duderstadt/Northeim. Die Aktivisten entstammen allerdings weniger der bürgerlichen, sondern größtenteils der rechtsextremen Szene. Am kommenden Sonntag haben die Aktivisten vier Veranstaltungen angemeldet. Erst wollen sie sich in Northeim treffen, dann in Lindau, dann in Duderstadt und zum Schluss in Heiligenstadt.

 
Der Unterhaltungswert dürfte sich für die Reisegruppe in Grenzen halten, da sich sowohl Redner als auch Inhalte wiederholen. So war es auch am vergangenen Wochenende. Wie schon zuvor war auch diesmal der Friedländer Jens W. im Einsatz. Auf seiner Internet-Seite wirbt er mit dem Slogan „Sieg oder Spielabbruch! Hör auf zu heulen und fang an zu handeln!“ Auf Kundgebungen droht er den Gegendemonstranten mit Sprüchen wie: „Wir kommen wieder, wir sind viel zu hart für Euch. Diesen Krieg könnt ihr nicht gewinnen.“ Nach der „Umerziehung“, die nach 1945 stattgefunden habe, sollten nun andere Kräfte die Oberhand gewinnen, erst in Deutschland, dann in Europa und dann in der ganzen Welt, tönte er. Die ersten Kundgebungen in Duderstadt hatte noch der in der Burschenschaft Hannovera organisierte Göttinger Student Lars S. angemeldet. Dieser ist auch als Gründer der Göttinger Hochschulgruppe „Junge Alternative“, einer Nachwuchsorganisation der Alternative für Deutschland (AfD), hervorgetreten. Inzwischen hat sein Kommilitone Jan Philipp J. die Rolle des Anmelders übernommen. Der 26-Jährige ist bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten. Im vergangenen Jahr wurde er wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, aktuell ist gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung anhängig.

 
Hinter den Veranstaltungen steht der sogenannte „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“. Dieser agitiert gegen Flüchtlinge und droht in einem Facebook-Eintrag auch schon mal mit Gewalt: „Liebe Antifa! Jagt nichts, was ihr nicht töten könnt. Es ist kein Geheimnis, dass diverse Rocker Clubs, Hooligans und andere Vollkontaktbegeisterte in großer Zahl zu unseren engsten Vertrauten gehören und zum Schutze unserer Lieben jedes Mittel recht ist.“

 
Anfang Januar hatte die Polizei bei zwei Personen, die sich auf dem Weg zu einer Versammlung in Duderstadt befanden, neben Reizgas auch einen Teleskop-Schlagstock sowie Schlagschutzhandschuhe festgestellt. Nach Angaben des Innenministeriums ist eine dieser Personen als „Straftäter rechtsmotiviert“ erfasst. An den Kundgebungen des Freundeskreises nehmen auch NPD-Aktivisten teil. Am vergangenen Wochenende wurde in Lindau der mehrfach vorbestrafte Neonazi-Führer Thorsten H. gesichtet.

Von Heidi Niemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Feuerwehrübung in Krebeck

©Richter