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Demonstration gegen die AFD in Bornhagen

"Ihr könnt nach Hause fahren" Demonstration gegen die AFD in Bornhagen

Entgeisterte Dorfbewohner, verstörte Flüchtlinge und reichlich Polizei: Gut 200 antifaschistische Demonstranten sind am Donnerstag durch Bornhagen gezogen. Die befürchtete Eskalation blieb aus.

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Quelle: Thiele

Bornhagen. Willkommen waren die Demonstranten in dem 300 Einwohner-Dorf nicht: „Ihr könnt nach Hause fahren“, sangen Dorfbewohner und Vatertags-Betrunkene in Stadion-Manier, als der Protestzug in Bornhagen eintraf. „Und ihr müsst hier wohnen“, entgegneten die gut 200 Demonstranten aus Berlin, Leipzig, Halle und anderen Größstädten.

Sie hatten nach Bornhagen mobilisiert, weil sie in dem Ort angesichts der Wahlergebnisse der AFD "ein idealtypisches AFD-Nest" sehen - ihnen zufolge die Grundlage für die heutige Welle Gewalt gegen Flüchtlinge und Andersdenkende. Dass sie, wie ursprünglich geplant, am Wohnhaus des AFD-Politikers Björn Höcke vorbeizogen, hatte die Versammlungsbehörde allerdings verboten.

So blieb es bei einem Aufmarsch am Ortsrand, dessen Parolen wie „Scheiß Drecksnest“ die Anwohner kopfschüttelnd quittierten. Sie machten sich eher sorgen um den Tourismus am Vatertag. Die Kirmes sei wegen der „Chaoten“ abgesagt worden, echauffierte sich einer von ihnen. Für die Parolen der Demonstranten hatte er kein Verständnis: Mit den ansässigen

80 Flüchtlingen habe es doch nie Probleme gegeben, sagte er und gab zugleich an, außer mit Höcke auch „persönlich gut“ mit dem NPD-Kader Thorsten Heise auszukommen. Dieser wohnt ein Dorf weiter und ließ sich nebst anderen Neonazis aus der Region nahe der Demonstration blicken.

Trotzdem blieb es friedlich, bestätigte auch Polizeisprecher Thomas Soszynski. Außer bei der Festnahme von zwei Vatertagsbesuchern nach einem Platzverweis mussten Hunderte Polizisten, zwei Wasserwerfer und eine Reiterstaffel nicht eingreifen. Nur die Flüchtlinge in Bornhagen waren verunsichert: „Sind die wegen uns da?“, fragte eine Syrerin, als der Demonstrationszug an ihrer Unterkunft vorbeikam.

Von Christoph Höland

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