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„Den Nachwuchs werben wir mit Aktionen an“

Jugendraumserie Teil 5: Krebeck „Den Nachwuchs werben wir mit Aktionen an“

Jugendräume erleben eine Renaissance. Auch im Eichsfeld sind neue Treffpunkte für Jugendliche entstanden. In einer Serie stellt die Junge Seite die Jugendräume der Region vor. Teil 5: Krebeck.

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Mit Aufgaben und Verantwortung vertraut: Die Team-Mitglieder Arian, Tamara, Carolin, Sarah und Christina (v.l.).

Quelle: Tietzek

Den Jugendraum in Krebeck zu finden, ist für Ortsfremde nicht ganz einfach. Krebecker haben da allerdings keine Probleme. Die Jugendlichen treffen sich in einem Gebäude hinter der Grundschule, und dort wurde schließlich jeder Krebecker mal eingeschult. Hinter der Schule gelangt man über einen winzigen, mit Maschendraht abgetrennten Hof zur feuerfesten Eingangstür. Durch einen engen Flur die Treppe hinauf erreicht man dann den Jugendraum.

Der wiederum ist alles andere als klein. „Das war früher mal die Sporthalle“, erklärt Sarah Rudolph vom Jugendraum-Team. Bis wann die Halle als solche genutzt wurde, wissen auch die anderen Jugendlichen nicht, „auf jeden Fall lange vor unserer Zeit“ sagt Team-Kollegin Christina Engelhardt.

Dabei sind die heute Anwesenden zum größten Teil schon „alte Hasen“ im Jugendraum. „Die älteren Jugendraumnutzer werben meist die Jüngeren aus dem Dorf an, um bei kleineren Aktionen mitzumachen“, erklärt Carolin Heine, die selbst vor ein paar Jahren auf diese Weise dazu kam. Zu solchen Aktionen gehöre zum Beispiel die alljährliche Wanderung an Himmelfahrt. „Man kennt sich im Dorf zwar sowieso über den Karneval und die Vereine, aber wenn wir Jüngere zur Wanderung einladen, verlieren sie gleich die Hemmungen und kommen dann auch so mal im Jugendraum vorbei“, weiß Christina aus Erfahrung.

Und das Prinzip funktioniert. Der Jugendraum in Krebeck muss sich nicht alle paar Jahre neu formieren, wenn die ehemaligen Verantwortlichen der Sache entwachsen sind. Die nächste Generation ist schon mit den Aufgaben und der Verantwortung vertraut, wenn sie das Ruder übernimmt. Zur Zeit hütet Tamara Jünemann den Schlüssel, den andere Jugendraumnutzer bei ihr zu Hause abholen können. Sie beginnt demnächst ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin im Duderstädter Krankenhaus St. Martini und bleibt so mindestens noch die nächsten drei Jahre vor Ort.

Christina und Sarah machen im nächsten Jahr ihr Abi und wissen noch nicht, wohin es sie danach verschlagen wird. „Aber in Krebeck bleiben viele dem Jugendraum lange treu. Der Altersdurchschnitt liegt bei uns zwischen 14 bis 25“, sagt Christina. Arian Otto gehört mit seinen 14 Jahren hier nicht nur zu den Jüngsten, sondern er ist heute auch der einzige Junge. „Die anderen sind noch beim Fußball-Training“, erklärt er. Ansonsten würde das in Krebeck gemischter zugehen.

Die Einrichtung ähnelt der anderer Jugendräume: Ein Billardtisch, zwei Kicker, Sofas aus Haushaltsspenden und mehrere Tische. Gegenüber der Theke prangt ein professionell gestaltetes Graffiti auf der gesamten Rückwand, und davor steht eine Musikanlage mit PC – geschützt hinter der halbhohen Glasscheibe. „Die Anlage wird auch verliehen, aber nur an Bekannte“, sagt Christina. Natürlich werden auch Partys im Jugendraum gefeiert. Die Nachbarn werden vorher informiert. „Bisher sind die ganz verständnisvoll“, sagt Tamara. „Aber wir achten auch darauf, dass die Musik nicht zu laut wird“, ergänzt Christina.

Die Jugendlichen pflegen den Kontakt zu den übrigen Krebeckern. Während der Fußball-WM hatte man im Jugendraum ein Public Viewing zu den Deutschland-Spielen organisiert. Das sei gut angenommen worden. „Einmal waren um die 90 Leute da, das war super“, schwärmt Carolin. „Da konnten auch die Eltern mal herkommen und sich ein Bild machen“, sagt Arian. Außerdem sei das Jugendraum-Team jedes Jahr für das Osterfeuer verantwortlich. „Das fängt morgens mit einem gemeinsamen Frühstück an. Dann werden Holz und Strauchschnitt mit dem Trecker abgeholt und alles aufgestapelt. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen“ erzählt Christina. 20 bis 30 Leute seien daran beteiligt. Diese Aktion sei mit dem Krebecker Karneval – wo das Jugendraum-Team natürlich auch vertreten ist – das Highlight des Jahres.

Auf diese Weise werde aber nicht nur die Dorfgemeinschaft gepflegt. Die Aktionen werden auch genutzt, um die Finanzen aufzubessern. „Durch den Getränke- und Würstchenverkauf beim Osterfeuer oder an St. Martin kommt etwas Geld in die Kasse. Außerdem stellen wir unsere Spendendosen bei den Aktionen auf“, sagt Carolin. „Das Geld fließt wieder in den Jugendraum. Die Wände haben wir selbst gestrichen“, erklärt Christina.

Im Krebecker Gemeinderat sei Karola Engelhardt die Ansprechpartnerin. Die Kontakte seien gut, man werde von der Gemeinde unterstützt, bestätigen die Jugendlichen. „Und auch unsere Eltern sind froh darüber, dass wir nicht an der Bushaltestelle sitzen oder in andere Orte fahren müssen, um Spaß zu haben“, weiß Sarah. Bei einem Treffen der Jugendraum-Teams in Gieboldehausen habe man von den Problemen in anderen Ortschaften erfahren – und gestaunt. „Manche finden nicht mal einen Raum. Zum Glück haben wir solche Probleme nicht“, stellt Christina erleichtert fest.

Von Claudia Nachtwey

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