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Desingerode: Landwirt Hubert Kellner diskutiert beim Forum Eichsfeld mit

Alltägliche Ferkeleien Desingerode: Landwirt Hubert Kellner diskutiert beim Forum Eichsfeld mit

Sollte die „Landlust“ je auf die Idee kommen, ein Bild bei einem Eichsfelder Landwirt machen zu wollen, wäre der Fotograf bei Hubert Kellner an der richtigen Adresse: Gegenüber den Ställen und einem bepflanzten Hochbeet liegt das schmucke Wohnhaus, zu dem eine kleine Treppe hinaufführt.

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Wo „Landwirt“ dran steht, ist im Falle von Hubert Kellner Herzblut drin: Der Landwirt in seinem Ferkelstall.

Quelle: Thiele

Desingerode. Davor lümmeln sich zwei Katzen auf einer Bank. Auf dem Platz vor dem Haus läuft ein Hund an der Leine. Als das Herrchen den Schotterplatz betritt, schlägt er zur Begrüßung an. Der Hausherr passt in die Szenerie, als habe er den Auftrag erteilt bekommen, heute einmal auszusehen wie ein idealtypischer Bauer: Ein Bär von einem Mann, ein schelmisches Lächeln auf den Lippen, leicht gerötete Wangen und muntere Augen. Er führt in das Innere des Hauses. Kellners Frau bringt einen riesigen Teller Kekse.

Zwischen Schokoplätzchen und Stollenkonfekt kommt das Thema Schwein auf den Tisch. In Zeiten, in denen vegetarisches Leben als hip verkauft wird und vegan sein als schickste Steigerungsstufe, wirkt der selbstverständliche Umgang Kellners mit der „Produktion von Schweinen“ zunächst befremdlich. Bis klar wird: Es handelt sich bei dem, was er tut, um etwas sehr Natürliches, Lebensnahes – und um einen Wirtschaftsfaktor.

Für die Ferkelproduktion folgt Kellner klaren Vorschriften und „gesundem Menschenverstand“. Der Vorwurf, Landwirte seien Tierquäler, sei widersinnig: „Ein unglückliches Schwein wird nicht fett, es wird krank.“ Ein krankes Schwein könne er nicht verkaufen. Also sei er an glücklichen Schweinen interessiert. So habe jedes Tier  einen bestimmten Platz zur Verfügung, „manchmal sogar mehr“, und erhalte die bestmögliche Versorgung. Dann geht alles seinen Gang: Sauen bekommen Ferkel, die bis zu einem bestimmten Alter auf Kellners Hof leben. Danach gehen sie in die Mästerei, bevor sie geschlachtet und zu Wurst und Fleisch verarbeitet werden. So einfach kann die Welt sein.

Was danach mit dem Schwein passiert, erstaunt allerdings schon: „Die fetten Bäuche gehen nach Russland, die Pfötchen nach China. In Deutschland bleiben nur die Edelstücke“, erklärt Kellner. Das Verbraucherverhalten in Deutschland sei nun einmal so, sagt er. Die Schweinebauern hätten es mit einer paradoxen Situation zu tun: Einmal werde Bio gepriesen und der Verzicht auf Fleisch propagiert, dann aber gebe es im Supermarkt Billigprodukte, über deren Inhalt eigentlich niemand nachdenken wolle.

" Bis in die hinterste Ecke des Stalls"

„Die Landwirte stehen in der Kritik“, sagt Kellner, egal, was sie tun. Sollte sich die Gesellschaft eines Tages gegen die Landwirtschaft entscheiden, wie er sie leidenschaftlich lebt, werde es keinen Hunger geben, sicher nicht. Aber der Wirtschaftsfakor – auch für Futtermittelhersteller, Biogasanlagen, Maschinenfirmen und Handwerker – wäre weg. „An unserer Branche hängen viele andere dran.“

Um die Balance zu halten zwischen traditionellem Bauern-Dasein und moderner Technik, halte er sich und „seine Bauern“ auf dem Laufenden, auch über GPS-gesteuerte landwirtschaftliche Fahrzeuge, Datenbanken zur Erfassung von Futtermitteln und eventueller Medikamentengabe und rechtliche Grundlagen. „Heute sind Landwirte Marktforscher, Tierpfleger, Umweltschützer, Verwalter, Schreibtischtäter und Bauern zugleich“, erklärt Kellner.

Und: Sie sind selbstständig, und damit abhängig auch von politischen Faktoren. „Das weltpolitische Geschehen wirkt sich bis in die hinterste Ecke des Stalls aus“, sagt Kellner. „Wir gucken zum Beispiel nach Russland, und wie dort die Preise sind. Daran orientieren sich unsere. Und wenn der Getreidepreis ins Bodenlose geht, dann ziehen die Preise für Fleisch hinterher“, erklärt er. „So funktioniert der Markt.“

Auch in Sachen Milch seien die Bauern auf dem platten Land abhängig von der großen Politik. Und die sei manchmal unberechenbar wie das Wetter – und von dem sind Landwirte auch in der „Landlust“ abhängig.

Kellner ist einer der Podiumsdiskutanten beim Forum Eichsfeld am Donnerstag, 5. Februar, in der Duderstädter Sparkasse. Die Veranstaltung präsentieren das Tageblatt und die Sparkasse.
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©Richter