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„Die Jüngeren sieht man kaum noch draußen“

Mingeröder Jugendraum „Die Jüngeren sieht man kaum noch draußen“

Jugendräume erleben eine Renaissance. Auch im Eichsfeld gibt es in vielen Orten Treffpunkte für Jugendliche. In einer Serie stellt die Junge Seite die Jugendräume der Region vor. Heute Teil 9: Mingerode.

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Treffen sich regelmäßig im Jugendraum: Stefan, Oliver, Yesim, René und Jens haben Spaß beim Pokern.

Quelle: Pförtner

Die Jüngeren sitzen scheinbar zu Hause und treffen sich nur noch im Internet“, befürchtet Stefan Juretzek. Er ist Ortsjugendpfleger in Mingerode und beklagt Nachwuchssorgen im Jugendraum über der Grundschule. Dabei ist man auch hier mit Technik gut ausgestattet. Ein Flachbild-Fernseher, Dolby-Surround, Spielkonsolen und DVD-Player werden von den Jugendraumbesuchern genutzt, die sich hier nach der Schule oder nach Feierabend treffen.
Um die moderne Technik zu finanzieren, wird man hier selbst aktiv. „Wir verkaufen auf Veranstaltungen wie dem Schulfest Sandwiches, und am Wochenende kommt etwas Geld durch den Getränkeverkauf im Jugendraum zusammen. Die Erlöse werden in die Ausstattung gesteckt“, beschreibt Stefan die Eigeninitiative.

Obwohl der Zusammenhalt gut sei, habe man Angst, dass der Jugendraum in den nächsten Jahren einschlafen würde, da einige Leute wegen Ausbildung und Beruf nicht mehr kommen könnten – und eben der Nachwuchs fehlt. „Am Wochenende kommen vereinzelt auch mal Jüngere, aber das reicht nicht, um den Jugendraum für die nächsten Jahre am Leben zu halten“, sagt Oliver Schwedhelm. „Man trifft hier ja keine Unbekannten. Im Dorf kennt man sich über alle Altersgruppen hinaus. Aber das Interesse der Jüngeren ist gering“, ergänzt Yesim Ulm, die hier zur weiblichen Minderheit gehört.

René Wippermann kommt gerade vom Fitness-Training und setzt sich zu seinen Freunden auf das Sofa. Auch er bestätigt: „Im Dorf herrscht eigentlich ein guter Zusammenhalt, wir kennen uns aus der Schule und aus den Vereinen. Manche spielen zusammen Fußball oder sind im Karneval aktiv.“ Noch sei der Jugendraum gut besucht. „Am Abend und besonders an den Wochenenden sind wir hier manchmal an die 30 Leute“, sagt er.

Der Jugendraum öffnet ab 18 Uhr seine Tore, aber ab 20 Uhr ginge es erst richtig los. Die Atmosphäre sei familiär, sind sich alle einig. „Wir fahren auch mal zusammen auf Partys oder zu Veranstaltungen nach Göttingen. Dann treffen wir uns vorher hier und teilen uns ein Taxi“, sagt Yesim. Jens Tauchmann ist der nächste, der am frühen Abend erscheint. Er kommt aus Duderstadt, ist aber über das Fußball-Training mit den Mingerödern befreundet und gilt hier ebenfalls als Stammgast. Man plant gemeinsam das Wochenende, guckt Fußball oder setzt sich an die Spielkonsole. Auch einfach nur fernsehen sei hier spaßiger als allein zu Hause, bestätigen alle.

„Aber die Zeiten ändern sich. Als ich knapp 13 war, konnte ich es kaum erwarten, endlich in den Jugendraum zu dürfen. Wir haben uns nach der Schule jeden Nachmittag an der Bushaltestelle getroffen. Die Jüngeren sieht man heute kaum noch draußen“, hat Stefan festgestellt. „Es werden sowieso immer weniger. Das sieht man auch in der Grundschule. Früher hatten wir zwei Parallelklassen, heute reicht es nur noch für eine Klasse mit etwa 15 Schülern“, sagt Oliver. So bleibt die Befürchtung, dass der Jugendraum, für den man einst gekämpft hat, irgendwann Opfer der demografischen Entwicklung und des veränderten Freizeitverhaltens wird.

Von Claudia Nachtwey

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