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Diskussion in Duderstadt zu Ursachen der Flucht

Pulverfass Nahost Diskussion in Duderstadt zu Ursachen der Flucht

Diskussionen über Flüchtlingsunterkünfte haben in den vergangenen Monaten vielerorts stattgefunden. Doch warum fliehen Menschen aus dem Irak und Syrien? Darüber referierte am Mittwochabend im Haus St. Georg Kamal Sido, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).

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Kamal Sido, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).

Quelle: gm

Duderstadt. „Wenn ich das, was Sie heute hier erzählten, sagen würde“, resümierte am Ende der Diskussionsrunde ein Teilnehmer, „würde ich als islamophob und ausländerfeindlich dargestellt!“ Deshalb sei er ja da, um genau das anzusprechen, äußerte Kamal Sido. Als sunnitischer Muslim, geborener Syrer und Kurde, vereinigt der GfbV-Nahostreferent einige Dilemma in seiner Biographie. Schonungslos ging er mit Glaubensbrüdern, Machthabern, aber auch deutschen Politikern ins Gericht. „Die deutsche Politik zeigt zu wenig Flagge“, so Sido. 1915 habe unter Augen deutscher Offiziere der Völkermord an den christlichen Armeniern stattgefunden.

„Heute wollen wir Assad vertreiben und machen gelegentlich die Augen zu.“ Der Nahe Osten, so wurde in seinem Vortrag deutlich, ist ein Pulverfass ethnisch, politisch und religiös motivierter Konflikte: „Der Islam ist nicht nur im Konflikt mit anderen, sondern auch mit sich selbst.“ Das Aufeinanderzugehen, das christliche Konfessionen mühsam erreichten, läge noch vor dem Islam. Sunnitischer Islam, schiitischer, alawitischer: Warum unterstütze der Iran die eine Seite, die Türkei die andere. Zugleich warnte er vor zwei Polen. „Nicht nur der IS, auch Islamismus ist eine große Gefahr“, denn, so Sido: „Es gibt keinen moderaten Islamismus.“

Dass der Westen Kooperationen mit angeblich Moderaten einging, hält er für einen großen Fehler. Letztlich sei aber auch der IS nur ein Werkzeug. Erdogan unternehme nichts, denn der IS halte die eher säkularen Kurden im Norden Syriens in Schach. Grenzübergänge für Kurden hingegen blieben geschlossen, sodass viele zur Flucht gezwungen seien. Zugleich aber missbrauche die Türkei die Nato. In einem Moment, in dem Frankreich und die USA sich mit Russland verständigten, habe ein nervöser Erdogan provozieren müssen.

Doch auch Putin sei kein freundlicher Helfer: Russland besitzt in Syrien einen Militärstützpunkt und vor der Küste wurden riesige Gasvorkommen entdeckt. Acht Millionen Syrer seien innerhalb des verfallenen Staates auf der Flucht, nur ein Bruchteil käme bis nach Europa. Teile des Islams, betonte Sido, hätten noch eine Aufklärung vor sich. Doch der Großteil der Kurden und Flüchtenden praktiziere einen modernen Islam. Wichtig sei daher eine gute Integration: „Jede Zivilisation muss sich daran messen lassen, wie sie mit ihren Minderheit umgeht.“

gm

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