Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Dritte Bundeswaldinventur sorgt für Optimismus

Klimaschützer und Ökosystem Dritte Bundeswaldinventur sorgt für Optimismus

Die dritte Bundeswaldinventur (BWI), deren vorläufige Ergebnisse vom Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft vorgestellt wurden, stimmt Politik und Forstwirtschaft gleichermaßen positiv: Die Waldfläche sei konstant geblieben, und es wachse mehr Holz nach, als genutzt werde.

Voriger Artikel
16 Kinder beim Talentcampus „Wald macht Freu(n)de“ von der Kreisvolkshochschule
Nächster Artikel
Durchfahrt im Bernshäuser Neubaugebiet wird 2015 geöffnet
Quelle: Archivfoto

Eichsfeld/Göttingen. Die BWI ist nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil sie von der Bundesregierung als Entscheidungsgrundlage für zentrale Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes herangezogen werden wird. Auch die Landesforsten richten ihr Vorgehen an den Ergebnissen aus. Aber was meinen Fachleute eigentlich genau, wenn sie sagen, dass es dem Wald gut geht? Und wie ist es um die Waldflächen der Region bestellt?

Ein Drittel der Landesfläche Deutschlands ist bewaldet – das sind 11,4 Millionen Hektar, was die Forstwirtschaft hinter der Landwirtschaft zur zweitgrößten Flächennutzungsart Deutschlands macht. Der Wald ist wichtig – ökologisch, ökonomisch und politisch.

Und: Er ist überwiegend in privater Hand: 48 Prozent der Gesamtfläche sind Privatwald, 29 Prozent Landeseigentum, 19 Prozent gehören Körperschaften und vier Prozent dem Bund. Auch Umweltverbände sehen die Ergebnisse positiv, beklagen aber wie in einem gemeinsamen Statement von Greenpeace, BUND, NABU und dem Forum für Umwelt und Entwicklung, dass beispielsweise die Fläche streng geschützter Wälder mit 1,9 Prozent viel zu niedrig sei. Ann-Kathrin Schmidt von der NABU-Kreisgruppe Göttingen bemängelt: „Die Vielzahl der Waldeigentümer hat zu einer starken Parzellierung geführt, was die Umsetzung notwendigerweise weiträumig angelegter Waldkonzepte erschwert.“

Nicht nur die Größe zählt

Zudem bestehe Nachholbedarf in der Vernetzung von Waldgebieten, „da viele Wildtierarten auf Weiträumigkeit und Wandermöglichkeit angewiesen sind“, so Schmidt. Das Bewirtschaftungs- und Pflegekonzept des Göttinger Stadtforsts sei hingegen „beispielhaft“, auch die Landesforsten hätten im Raum Göttingen allein schon durch die Ausweisung von Naturwaldbereichen und Anlage von Feuchtbiotopen erkennbar aufgeholt.

Von besonderer Wichtigkeit ist also nicht die Größe der Waldfläche allein, sondern ihre Zusammensetzung und Nutzung. Die Fichte wird in der Forstwirtschaft heute noch als „Brotbaum“ bezeichnet und wurde bis in die 1980er-Jahre besonders intensiv gepflanzt, obwohl sie in den meisten Teilen Deutschlands nicht heimisch wäre. Ihr schnelles Wachstum machte sie trotzdem beliebt. Allerdings hat sich gezeigt, dass Flächen, die einzig aus Fichten bestehen, besonders anfällig für Borkenkäferbefall oder Windbruch sind – weil die Fichte in tieferen Lagen eigentlich nicht vorkommen würde.

Heutiger Konsens ist, dass Wälder in ihrer Art- und Altersstruktur vielseitig und naturnah sein müssen, wenn sie als Ökosystem funktionieren sollen. Die BWI hat auch gezeigt, dass Fichte und Kiefer immer noch die häufigsten Baumarten sind. Der Laubbaumanteil sei im Vergleich zu 2002 allerdings um sieben Prozent gestiegen, während Nadelwaldbestände um vier Prozent geschrumpft seien.

Wald ist also nicht gleich Wald

Die Waldzusammensetzung in der Revierförsterei Etzenborn, die rund 1200 Hektar Waldfläche im Eichsfeld und der Gemeinde Gleichen betreut, ist sehr viel naturnäher: Hier macht der Nadelwald nur 20 Prozent aus, 45 Prozent fallen auf Buchen-, 26 Prozent auf Eichenarten. Auch Revierförster Klaus-Karsten Petersen kennt die Probleme, die Fichten in Monokultur mit sich bringen: „In trockenen Jahren hatten wir in der Fichte Borkenkäferbefall zu verzeichnen, der zum Absterben kleinerer Bestandesteile geführt hat. Auch Sturmschäden setzten den Wäldern zu. Bei ausreichender Flächengröße werden hier andere Baumarten gepflanzt.“

Wald ist also nicht gleich Wald. Soll er seinen Aufgaben als Klimaschützer, Rohstofflieferant und Ökosystem effektiv nachkommen, muss er nicht als Plantage, sondern als komplexer Lebensraum begriffen werden. So denkt auch Martin Rudolph, Pressesprecher der Landesforsten für Südniedersachsen: „Ganz klares Ziel der Landesforsten ist, die Monokulturen in Mischwälder umzuwandeln. Das geht allerdings nicht von heute auf morgen.“

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Feuerwehrübung in Krebeck

©Richter