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Marihuana an Minderjährige verkauft

Drogenprozess in Duderstadt Marihuana an Minderjährige verkauft

Zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, hat Richter Michael Pietzek am Donnerstag einen Angeklagten vor dem Amtsgericht Duderstadt verurteilt. Er hatte in mindestens 16 Fällen Marihuana an Minderjährige verkauft. Die Bewährungszeit setzte der Richter auf drei Jahre fest.

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Quelle: dpa

Duderstadt. „Ich habe nicht nachgedacht“, erklärte der Angeklagte, als der Richter ihn fragte, ob er sich keine Gedanken gemacht habe, die Betäubungsmittel an 15- und 16-Jährige zu verkaufen. Allein die Tatsache, dass er das Marihuana an Minderjährige abgegeben habe, sei entscheidend, sagte Pietzek.

In dem Verfahren wurden nur die Fälle berücksichtigt, die der Angeklagte nach seinem 21. Geburtstag abgewickelt hatte. In der Anklageschrift wurden ihm noch 36 Fälle des unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln vorgeworfen. Während der Verhandlung konnte diese Zahl allerdings deutlich nach unten gesenkt werden – einerseits durch das Geständnis des Angeklagten, andererseits durch die Zeugenaussagen. Zusätzlich wurden zur Beweisführung Chatverläufe ausgewertet, die von einem Handy des Angeklagten stammten, welches bei einer Durchsuchung im Sommer 2016 beschlagnahmt wurde.

Er habe das Marihuana zum Grammpreis von zehn Euro gekauft und auch zum Grammpreis zehn Euro wieder verkauft, berichtet der Angeklagte. Als der Richter seine Zweifel äußert, gibt der Angeklagte zu, dass er aus den in Tüten verpackten Portionen immer etwa 0,2 Gramm für sich entnommen habe, bevor er es weitergab. Er gestand, dass er einer 14-Jährigen zweimal, einem 15-Jährigen viermal und einem 16-Jährigen acht-bis zehnmal jeweils ein Gramm verkauft habe.

Zeugenaussagen

Die zur Tatzeit 14-jährige Käuferin, die in ihrer Aussage erklärte, nach einer Entgiftung nichts mehr mit Drogen zu tun zu haben, bestätigte, bei dem Angeklagten „Gras gekauft“ zu haben. An den genauen Zeitraum könne sie sich aber nicht mehr erinnern. Es müsse aber Anfang 2016 gewesen sein. „Es war kalt“, erinnerte sie sich.

Anfangs nur vage Angaben machte der damals 15-jährige Konsument, aus Angst, sich selbst belasten zu können, wie er erklärte. Er gab zwar zu, dass er früher Drogen konsumiert habe, wollte aber nicht sagen, woher diese stammten. Erst nach der Androhung von Beugehaft durch den Richter und der Bestätigung des Staatsanwalts, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt sei und deshalb keine Gefahr für ihn bestünde, erklärte der Zeuge, dass er die Drogen von dem Angeklagten gekauft habe. Wann und wie oft wisse er aber nicht mehr, schließlich sei es ja schon etwa eineinhalb Jahre her. Er habe aber zwei- oder dreimal im Monat Marihuana gekauft und jeweils zehn Euro für ein Gramm bezahlt. Das sei über zwei bis drei Monate gegangen. Nachdem der Angeklagte dies bestritt und den Zeugen darauf verwies, dass er vorher bei jemand anderem gekauft habe, erinnerte sich dieser wieder daran. Durch die Chatverläufe, die Pietzek auszugsweise vorlas, bestätigte der Zeuge vier Käufe beim Angeklagten.

Der dritte Zeuge erklärte, dass er Cannabis von dem Angeklagten gekauft hätte. Das letzte Mal sei Mitte des vergangenen Jahres gewesen. Er könne aber nicht abschätzen, wann er seinen ersten Kauf bei ihm getätigt hätte und wie oft es zum Handel gekommen sei.

Minderschwerer Fall

Nach der Anhörung der Zeugen erklärte Pietzek, dass das Verfahren bezüglich der Taten vor dem 21. Geburtstag des Angeklagten vorläufig eingestellt werde. Aus diesem Grund sei auch die Anwesenheit der Vertreterin der Jugendhilfe nicht weiter notwendig. Trotzdem verlas er den am 24. Oktober aktualisierten Jugendhilfebericht, der bestätigte, dass der Angeklagte an die falschen Freunde geraten und dadurch in die Drogenszene abgerutscht sei. Allerdings habe er sich jetzt gefangen und eine Ausbildung begonnen. Der Staatsanwalt berücksichtigte bei seiner Strafforderung, „dass er nicht Heroin, sondern Marihuana und das in kleinen Mengen“ verkauft habe. So sei es als minderschwerer Fall zu behandeln. Der Verteidiger erklärte, darüber hinaus, dass sein Mandant sogar Angaben gemacht habe, die ihn zusätzlich belasten würden, er jetzt einen geordneten Tagesablauf habe und auch das häusliche Umfeld stimme.

Das Urteil folgte den Forderungen des Staatsanwaltes. Zusätzlich zur Bewährungsstrafe von zwei Jahren muss der Angeklagte die erwirtschafteten 160 Euro zurückzahlen. Außerdem habe er 2400 Euro in Raten zu je 100 Euro an die Puppenbühne der Polizei Göttingen zu zahlen. „Ich gehe davon aus, dass Sie es jetzt gerafft haben“, sagte der Richter, „und mit Drogen nichts mehr zu tun haben.“

Von Rüdiger Franke

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